Hybrides Arbeiten bedeutet, teilweise im Büro des Arbeitgebers und teilweise im Homeoffice tätig zu sein. Diesen Trend gibt es schon länger, seit die meisten Daten in einer Cloud abgelegt werden und der Büroarbeiter nur einen Rechner als Zugang benötigt. Er muss weder Akten noch elektronische Datenträger mit sich führen, um den Arbeitsplatz zu wechseln. Die Coronapandemie dürfte nun diese Arbeitsorganisation verstärken. Verschiedene Studien befassen sich mit den Aussichten.

Hybride Arbeitswelt im Robert-Half-Report

Der Arbeitsmarktreport des Personaldienstleisters Robert Half wurde erstmalig für das Jahr 2021 veröffentlicht. Vorrangig zeigt er Recruitingtrends und die Erwartungen von Unternehmen und Arbeitnehmern auf. Mit dem hybriden Arbeiten hat er sich aber auch beschäftigt. Dessen Beliebtheit ist während der Pandemie gestiegen, und zwar sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Arbeitgebern, von denen 86 % inzwischen hybrides Arbeiten als permanentes Zukunftsmodell betrachten. Arbeitnehmer fühlen sich im Homeoffice durchaus entlastet, Arbeitgeber bleiben durch hybride Modelle agil. Gleichzeitig zwingt diese Arbeitsform die Firmen zum strikten Ausbau der Digitalisierung. Diesen Zwang empfinden die meisten von ihnen durchaus als produktiv. So wachsen unter anderem die technischen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter. Ein zweiter Effekt ist rein ökonomischer Natur: Wenn hybrides Arbeiten vollumfänglich möglich ist, können die Unternehmen auch in einer Krise – Corona wird sicherlich nicht die letzte gewesen sein – ihre Geschäftskontinuität und damit auch Produktivität sicherstellen.

Mehr Stellenausschreibungen für die hybride Arbeitswelt

Der Robert-Half-Report belegt, dass die Zahl der Stellenausschreibungen mit einer expliziten Home-Office-Option im Jahr 2020 um 54 % gestiegen ist. Die betreffende Untersuchung führte der Arbeitsmarktanalyst Burning Glass im Auftrag von Robert Half durch, sie wurde in den Report aufgenommen. Einige Zahlen daraus:

  • Es wurden 54.309 Stellen mehr mit Homeoffice-Option gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ausgeschrieben.
  • Die hybriden Stellenangebote für Assistenz- und Officefachkräfte wuchsen um 72 %. 
  • Im Rechnungswesen wurden 28 % mehr Stellen für hybrides Arbeiten angeboten.
  • Im IT-Bereich wuchs die Zahl der betreffenden Stellenangebote um 6 %.

Einzelbereiche, für die sich hybrides Arbeiten besonders eignet, sind laut der Robert-Half-Studie die Systemanalyse und -sicherheit, die Kommunikation, die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, das Kreditmanagement, der Vertrieb und die Beschaffung, das DevOps-Management, die Backend- und Frontendentwicklung, die Vermögensverwaltung, das Projektmanagement und das Cloud Engineering. Der Senior Managing Director von Robert Half für Europa Sven Hennige sah bei der Veröffentlichung des Reports im Februar 2021 Grund für Optimismus: Die Unternehmen würden nach einer Umstrukturierungsphase hin zu hybriden Arbeitsmodellen durchaus so stark wie vor der Pandemie wachsen. Als Gründe nannte Hennige die globalen Verschiebungen hin zur Hybridarbeit, die wachsende Bedeutung von E-Commerce-Modellen, die datengesteuerten Planungs- und Betriebsprozesse sowie das Bestreben, agilere Belegschaften aufzubauen. In diesem Sinne sei die Pandemie eine Chance, so der Manager. Sie beschleunige wichtige Trends der Arbeitswelt, die sich auch ohne Coronakrise durchgesetzt hätten, nur bei Weitem nicht so schnell. Den Anstieg hybrider Arbeitsplätze bezeichnete der CEO von Burning Glass Matt Sigelman als Paradebeispiel für den pandemiebedingten Paradigmenwechsel.  

Capgemini-Studie: Anforderungen an Führungskräfte bei hybriden Arbeitsmodellen

Das Homeoffice und hybrides Arbeiten verlangen neue Führungsqualitäten. Das legt eine Studie des Münchner Management- und IT-Beratungsdienstleisters Captgemini nahe. Die Experten sehen einen erhöhten Bedarf für die Implementierung von Remote Working, das sie inzwischen auch Hybrid Working nennen. Dieses steigert nach ihren Untersuchungen nachweislich die Produktivität, wovon 63 % aller Unternehmen signifikant profitieren. Als Gründe nennen die Autoren der Studie:

  • bessere Kollaboration mit digitalen Tools
  • wegfallende Reisezeiten und Spesenkosten
  • flexiblere Arbeitszeiten
  • Verkleinerung der Büros inklusive umgebender Infrastruktur (Parkplätze, Kantine etc.) durch Workplace-Sharing

Capgemini nennt ähnliche Bereiche wie Robert Half, in denen sich hybride Modelle besonders gut bewähren. Folgendes Zahlenmaterial legten die Experten vor:

  • Bis 2024 erwarten die von ihnen befragten Unternehmen eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von 17 %.
  • Im letzten Quartal 2020 konnten 88 % von ihnen durch hybride Arbeitsmodelle ihre Immobilienkosten senken.
  • Von weiteren Einsparungen bei den Fixkosten sind 92 % überzeugt.
  • 70 % der Firmen glauben, dass die Produktivitätsgewinne nachhaltig ausfallen werden.

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung des Trends nennen die Autoren neue Führungsstrukturen und -modelle, die auf die Besonderheiten eines Arbeitsplatzes im Homeoffice eingehen. So müssten beispielsweise virtuelle Meetings gegenüber den Präsenzmeetings möglicherweise anders terminiert und unter Umständen zeitlich neu strukturiert werden. Die Kommunikation mit KollegInnen im Homeoffice sei neu zu organisieren. Es müsse feste Regeln geben, mit welchen Nachrichtenkanälen und in welchem Rhythmus man kommuniziere. So stelle sich beispielsweise die Frage, wie zeitnah E-Mails oder Messengernachrichten zu beantworten seien, welche Rolle das Telefon spiele und ob alle KollegInnen auf dem Desktop ständig einen offenen Chat für kurze Zwischenfragen offenhalten müssten. Dies müsse die Führungsebene klären, so die Experten von Capgemini.

Globale Erwartungen an die hybride Arbeitswelt

Metastudien belegen, dass 30 % aller Firmen weltweit für die Jahre bis 2024 einen Anteil von 70 % bei der hybriden Arbeit erwarten. 48 % glauben, dass ihr Büroflächenbedarf um mindestens 10 % sinkt. Der Trend zum hybriden Arbeiten scheint unumkehrbar zu sein.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/laptop-schreibtisch-arbeitsbereich-336373/

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Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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