Kein Wort wird aktuell so oft in den führenden Magazinen verwendet als die digitale Transformation. So stellt sich also die Frage: Was ist die digitale Transformation und was ist die Definition? Aus diesem Grund wird der Artikel nun im folgenden einige Punkte dieses Trends zusammenfassen. So zeigt er neben einer formalen Definition auch Gründe, Potentiale und Akteure des “Buzzwords”.

Digitale Transformation Definition

Die Digitale Transformation bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der die gesamte Gesellschaft und insbesondere Unternehmen betrifft. Basis der digitalen Transformation sind digitale Technologien, die in einer immer schneller werdenden Folge entwickelt werden und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen (Wolan). Die digitale Transformation bezeichnet also Änderungsprozesse aufgrund von digitalen Technologien in hoher Geschwindigkeit. Als treibende Kraft dieser Digitalisierung wird in vielen Quellen die Veränderungen der Kundenwünsche genannt, welche nur mit digitalen Technologien noch bedient werden können. Ein Beispiel hierfür ist der Streamingdienst Spotify, welches Musik immer, überall, jederzeit und kostengünstig zugänglich macht.

Insgesamt unterscheidet die Akademie zwischen Enablern und Akteuren. Enabler bedeutet soviel wie “Ermöglicher” und schließen u.a. folgendes ein:

  • zum ersten Digitale Technologien (Cloud Computing, …),
  • digitale Infrastrukturen (Protokolle,…) und
  • zu guter letzt digitale Anwendungen (Online Banking,…).

Auf Basis dieser “Ermöglicher” entstehen neue Verwertungspotentiale in neuen Bereichen. Unternehmen beginnen diese zu erkunden und in ersten Pilotprojekten auszuprobieren. Beispiele sind: digitale Geschäftsmodelle und digitale Wertschöpfungsnetzwerke. Digitale Geschäftsmodelle beschreiben die Veränderung von Geschäftsmodellen, welche vorher analog abliefen zu einem digitalen Modell. Ein Beispiel ist das Online-Ticket der deutschen Bahn. Digitale Wertschöpfungsnetzwerke sind z.B. virtuelle Teams.

Die digitale Transformation trifft Menschen. Unternehmer, Forscher und Mitarbeiter sowie Bürger von Deutschland. Diese können nun in Echtzeit miteinander kommunizieren oder ihr Leben im Live-Stream mit anderen teilen. Erst gestern habe ich mich mit meiner Zahnbürste vernetzt. Diese neuen Möglichkeiten haben jedoch auch Schattenseiten: Mangelnder Datenschutz und Informationoverload sind die Folgen.

Ein anderer Akteur sind Unternehmen. Hier wandelt sich die Arbeit in eine sogenannte digitale Arbeit und Geschäftsmodelle wandeln sich fundamental. Auch betroffen sind Wissenschaft und Lehre in Form neuer Möglichkeiten zur Archivierung, Publikation und Aufbereitung der Forschung sowie E-Learning. Auch bietet die Digitalisierung zahlreiche Herausforderungen für Regierungen. Hauptaufgabe wird die Lenkung dieser Transformation durch Gesetze und Richtlinien sein sowie die eigene Transformation der behördlichen Abläufe.

Digitale Transformation
Einfluss und Auswirkungen des Megatrends auf Forschung, Gemeinschaft, Staat und Forschung (von Thomas Kofler – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48399771)

Treiber der digitalen Transformation

Doch warum sprechen wir ausgerechnet jetzt von einer digitalen Transformation? Warum ist die Geschwindigkeit nun schnell genug? Zur Antwort dieser Frage hat Petry (2016) das folgende Diagramm geliefert und Treiber wir den digitalen Wandel geliefert. Zu Beginn steht das exponentielle Wachstum von Unternehmen mit den Kernthemen der Vernetzung, AI und Big Data. Konsequenzen sind die Veränderung von Arbeit, Kundenverhalten und Wettbewerbssituation.

digitale transformation definition
Treiber und Konsequenzen der digitalen Transformation (Eigene Darstellung nach der Idee von Petry 2016).

Aber wir digitalisieren uns doch schon seit 50 Jahren!

Die größte aktuelle Kritik an der These zur digitalen Transformation ist, dass wir uns bereits seit vielen Jahren digitalisieren. Das ist richtig und trifft vollkommen den Kern der Kritik. Schaut man in aktuelle Literatur oder in Unternehmen, dann bemerkt man jedoch einen gravierenden Unterschied.

Während wir vor vielen Jahren noch weitgehend an der Oberfläche eine Digitalisierung betrieben haben, bewegen sich Unternehmen nun in eine tiefgreifende Digitalisierung vor. Ein gutes Bespiel ist der Friseurbesuch. Hier buche ich über eine App meinen Termin. Dies ist definitiv digital. Jedoch wird der eigentliche Schneidevorgang noch analog ausgeführt. Klassisches People Business ist jedoch nicht skalierbar, da pro Kunde ein Mitarbeiter benötigt wird. Ähnlich wie im Consulting, in welchem viele Tools den Berater unterstützen aber die eigentliche Beratung noch analog stattfindet und der Berater selbst, noch nicht digitalisiert ist. Mehr dazu im Artikel zu Consulting 4.0. Dies zeigt 2 Beispiele von klassischen People Business. Natürlich gibt es noch keine direkten Antworten auf diese Fragen aber aktuell zeigt sich der Trend zu einer tiefgreifenden Digitalisierung mit fundamentaler Verhaltensänderung. Digitale Transformation ist also eine tiefgreifende soziale Änderung im Verhalten durch digitale Technologien. Ein existierendes Bespiel ist Remote-Arbeit statt Anwesenheitspflicht.

Evolutionsstufen der digitalen Transformation

Im Blog der Social Collaboration Academy habe ich außerdem eine Antwort auf die Frage: “Wir digitalisieren uns schon ewig” gefunden. Es gibt nämlich laut diesem Artikel 4 Stufen der Digitalisierung und wir reden erst von einer digitalen Transformation seitdem wir versuchen Realwelt und digitale Welt vernetzen.

  • Die erste Evolutionsstufe dauerte von ca. 1990 – 2000 und beschäftigte sich mit der Vernetzung von Computern.
  • In der zweiten Evolutionsstufe von ca. 2000 – ca. 2015 ging es primär um eine allgemeine Akzeptanz und allgemeine alltägliche Einführung und Nutzung mobiler Geräte.
  • Die jetzt vor uns liegende dritte Evolutionsstufe, deren Dauer Experten von ca. 2015 – 2030 veranschlagen, hat Themen wie allgemeine Reife der Systeme und das Internet der Dinge im Fokus.
  • Mit der vierten Evolutionsstufe, ab ca. 2030 soll es zu einer vollkommenen Verschmelzung der realen und digitalen vernetzten Welt kommen.
digitale Transformation
Die Evolution der digitalen Transformation (Eigene Darstellung nach einer Idee der Social Academy)

Transformation, wandel, Evolution oder Revolution?

Es finden sich viele Begriffe für die digitale Transformation und viele Meinungen. Ist es nun eine digitale Transformation? Eine Transformation hat einen Anfang und ein Ende. Wandel steht für einen Zustand, der in einen anderen Zustand übergeht. Evolution steht für die friedliche Weiterentwicklung von etwas und Revolution für eine grundlegende oft gewaltsame Neuerung. Lesen Sie dazu auch einen Artikel zur digitalen R(evolution). Viele sagen auch einfach: Digitalisierung. Dies würde einfach bedeuten: “Etwas wird eben digital”. Alle Begriffe könnten zutreffen. Doch was denken Sie? Wie sollte der passende Name sein?

Welcher Begriff trifft für Sie am besten zu?

Was ist digitale Transformation?

Viele Unternehmen treiben schon lange die Digitalisierung der Gesellschaft. Von der digitalen Transformation sprechen wir nun aber wegen der Geschwindigkeit und der tiefgreifenden digitalen Änderungen. Wurde vorher noch oft “an der Oberfläche” digitale Technologien verwendet, sind es nun tiefgreifende Änderungen bis ins Geschäftsmodell. Insgesamt sprechen wir ebenfalls von einem digitalen Wandel oder einer digitalen Evolution bzw. Revolution. Lesen Sie für eine tiefere Definition meinen Artikel zur digitalen (R)evolution oder das Buch von Petry.

Wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten, können Sie gerne an den Roundtables teilnehmen und relevante Themen mit mir und anderen Experten diskutieren. Lesen Sie mehr zu digitalen Wandel oder digital Leadership. Beachten Sie auch in meine weiteren Buchvorschläge für die digitale Transformation.

Verwendete Quellen anzeigen

Michael Wolan: Digitale Innovation: Schneller. Wirtschaftlicher. Nachhaltiger. BusinessVillage, 2013.
Thorsten Petry: Digital Leadership. Haufe, 2016.

 

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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