Im laufe meiner Promotion habe ich zwar nur anfangs nur wenige Experteninterviews gemacht, allerdings habe ich zahlreiche Bachelor- und Masterarbeiten betreut, welche sich dieser Methode bedient haben. Ich habe sogar das Gefühl, dass die typische Bachelorarbeit bei mir aus Literaturanalyse und Experteninterviews bestand. Im folgenden Text möchte ich deswegen einige Tipps geben.

Vorteile Experteninterview

Der Zweck des Interviews ist es, einen ausgewählten Experten zu Hypothesen zu befragen. Es dient also nicht dazu einen Überblick über ein Thema zu bekommen, sondern konkrete Punkte der Literaturanalyse zu bewerten. Es ist also explorativ, denn man weis nie, was für Erkenntnisse gewonnen werden. Das Experteninterview hat deswegen seine Stärke, im Gegensatz zur Befragung in unstrukturierten und offenen Fragestellungen. Zur Gruppendiskussion grenzt es sich dadurch ab, dass es ein Dialog aus zwei Personen ist.

Abgrenzung zum Journalistischen Interview

Ein Experteninterview bedeutet: Jemand zu seinem Wissen befragen. Im Gegensatz zum journalistischen Interview hat der Befrager deswegen sachliches und weniger öffentliches Interesse. Die Vorgehensweise ist konstruktiv. Man möchte neutral das Wissen des Experten abfragen und ihn keine “Aussagen in den Mund legen”. Es geht also um fachliche Aussagen und eine neutrale Betrachtung. Befragen Sie auch wirkliche Experten und keine Provokateure wie z.B. manche Buchautoren. Es macht also wenig Sinn bei einer Bachelorarbeit über HR den Buchautor zu: “Warum HR am Ende ist zu befragen”. Er ist sicherlich wenig neutral und möchte provozieren.

Lesetipp: Buch zu Experteninterview 

Auswahl und Auffinden der Experten

Ich empfehle immer mindestens 3 und am besten 5 Experten zu befragen. Diese sollten jedoch genau definiert werden mit den Betreuer. Je nach Forschungsfrage muss begründet werden ob dieser lange Berufs- oder Führungserfahrung benötigt oder ob er ein Berufsanfänger sein muss. Beispiel wäre bei der Befragung zum Bewerbungsprozess kann es Sinn machen Berufsanfänger zu befragen. Oder in einer Befragung zur Arbeitsplatzaustattung hat die Berufserfahrung keine Relevanz. Es gilt deswegen u.a. folgende Dimensionen abzuchecken:

  • Gewisses Alter oder Generation?
  • Gewisse Berufserfahrung nötig?
  • Führungskraft oder Mitarbeiter?
  • Mittelstand, KMU oder Konzern?
  • Branche wichtig oder nicht?
  • Gewisse Kompetenz nötig (z.B Scrum)

Die Experten lassen sich gut über Xing finden. Mithilfe der Premiumsuche kann nach “ich biete” gesucht werden und die Experten können angeschrieben werden. Auch über Gruppen lässt sich der ein oder andere Experte finden. Mit Linkedin klappt das übrigens auch. Weiterhin kann im privaten Umfeld (Eltern, Freunde,…) gefragt werden. Sinnvoll ist es auch die Autoren von Fachartikeln, welche Sie in der Literaturanalyse finden, einfach anzuschreiben und nach einem Interview zu fragen.

Tipp: Schreiben Sie in der Mail höfflich: warum Sie den Experten ausgewählt haben, wie lange es dauert, um was es geht und drei Terminvorschläge.

Durchführung des Experteninterview

Die Durchführung findet am besten persönlich sonst über Telefon oder Skype statt. Sie müssen sich einen Fragebogen zurechtlegen mit 5 – 15 Fragen. Diesen gehen Sie nach und nach durch und machen sich Notizen oder besser nehmen das Interview auf. Es kann Sinn machen dafür eine Datenschutzvereinbarung aufzusetzen. Vergessen Sie nicht, sich vor dem Interview kurz vorzustellen. Sie können selbst aussuchen ob Sie den Fragebogen vorher versenden oder nicht. Oft sind Spontanantworten besser bzw. die meisten Experten sind sehr beschäftigt und schauen sich diesen sowieso nicht an.

Auswertung des Expertentinerview

Im ersten Schritt müssen Sie das Interview abtippen und und die Sprache glatt ziehen. Sie können den Inhalt auch in Stichpunkten oder kürzeren Sätzen wiedergeben. Das entscheidet aber in der Regel ihr Betreuer. Sonst kommen die Protokolle in den Anhang und sind ähnlich zu den Interviews, welches Sie in Zeitungen finden.

In der Auswertungen zeigen Sie zuerst Frage 1 auf z.B. welche Ausstattung wünschen Sie sich am Arbeitsplatz. Dann stellen Sie die Antworten dar: Beispiel: Experte a und b sind sich einig, dass Sie ein Smartphones wollen. Experte C hingehen möchte ein Tablet. So gehen Sie systematisch die Fragen durch.

Lesetipp: Buch zu Qualitative Inhaltsanalyse

Fazit: Tipps zum Experteninterview

Die Methode war für viele Forschungen sehr gut geeignet und fokussiert sich auf Befragung zu aktuellen Wissen. Die Vorbereitung und Auswertung nimmt eine hohe Zeit in Anspruch, weswegen die Interviews ordentlich vorbereitet und geplant werden müssen. Meine Tipps sollten eine erste Orientierung zur Methodik geben. Schauen Sie auf jeden Fall auch in meine weiteren Buchtipps!

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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