Dass Corona den Trend zum Homeoffice verstärkt hat, ist längst eine Binsenweisheit. Werden nun in Zukunft Büroarbeiter nur noch am heimischen Küchentisch werkeln? Mitnichten, meinen Experten: Sie benötigen den sozialen Austausch im Büro wenigstens gelegentlich. Andererseits lassen sich durch das Homeworking vieler Beschäftigter über längere Zeiten die Büros effizient verkleinern, was für die Firmen die Kosten senkt. Es wird also ab sofort beides geben, Büro beim Arbeitgeber und Homeoffice: Eine hybride Arbeitswelt entsteht.

Wie betrachten Firmen Anfang 2021 das Homeoffice?

Nach einem Jahr Coronakrise befragte das Münchener Ifo-Institut knapp 800 Personalleiter zu ihrer Meinung über das Homeoffice und hybrides Arbeiten. 73 % von ihnen glauben, dass ein Megatrend begonnen hat, an welchem sie teilhaben möchten. Sie wollen auch nach Corona ihre Beschäftigten teilweise in der Firma, teilweise daheim arbeiten lassen. Zu dieser Haltung trägt bei, dass sich die meisten Mitarbeiter relativ schnell und gut auf das Homeoffice eingestellt haben. Die Technik erlaubt dies ohnehin, denn die Firmen verwalten ihre Daten überwiegend in einer kollaborativen Cloud, in der mehrere MitarbeiterInnen gleichzeitig selbst in einer Datenbank arbeiten können. Daher sank die Produktivität durch das Homeoffice nicht. Teams und ihre Führungskräfte waren jederzeit erreichbar, allerdings mussten Letztere neue Führungsmechanismen etablieren. Wie, wann, wie lange und in welchem Outfit eine Videokonferenz durchgeführt wird, ob MitarbeiterInnen per Desktop-Chat jederzeit erreichbar sein müssen und wie mit E-Mail, Messenger und Telefon umzugehen ist, all das musste erst neu etabliert werden. Es klappt aber. Nun fragt es sich, ob damit das Homeoffice zum „New Normal“ geworden ist. Dies wagen Experten zu bezweifeln. Davon abgesehen, dass sich der größte Teil der Wertschöpfung nicht ins Homeoffice verlagern lässt, beklagen auch die Büroarbeiter einige Nachteile des heimischen Werkelns. Wir Menschen agieren nun einmal höchst sozial und sind im direkten Austausch am kreativsten. Das lässt sich durch digitale Kommunikation nur begrenzt ersetzen. Neben der Isolation am Küchentisch macht vielen Beschäftigten im Homeoffice auch die mangelnde Abgrenzung des Arbeits- vom Freizeitbereich sehr zu schaffen. Am meisten leiden Eltern, die neben Homeoffice auch noch Homeschooling für ihre Kinder betreiben müssen. Nicht zuletzt belastet die Beschäftigten das Fehlen von direktem Feedback: Ein aufmunterndes Lächeln im Büroalltag motiviert immer noch besser als ein Smiley auf dem Bildschirm. Daran wird sich wohl nie etwas ändern. Menschen möchten sich einem Team zugehörig fühlen, sie möchten diskutieren und gelegentlich einen Kaffee zusammen trinken. Ergo strebt niemand ernsthaft dauerhaftes, ausschließliches Homeoffice an. Die Zukunft dürfte vielmehr hybrid sein. Ein Teil Büroarbeit findet im Homeoffice, der andere unter Menschen im Firmenbüro statt.

Hybride Arbeitswelt: neue Arbeitskultur

Corona hat allerdings einen Kulturwandel eingeläutet, der inzwischen als unumkehrbar gilt. In Deutschland war bis 2019 die Präsenzkultur sehr stark verbreitet, doch dies scheint nun Geschichte zu sein. „New Work“ war immerhin schon vor Corona im Kommen, es bezeichnete die hybride Arbeitsweise teils im Firmenbüro und teils im Homeoffice. Inzwischen gibt es Kontingente für das Homeoffice, so etwa für drei Tage pro Woche. Büroraumprojekte werden hingegen nur noch zögerlich in Angriff genommen. Damit erleben wir derzeit eine Hybridisierung unserer Arbeitswelt. Homeoffice und Büropräsenz werden firmenintern austariert. Das Verhältnis dürften einzelne Unternehmen sicher noch häufiger anpassen, um den richtigen Mix für ihre Belegschaft zu finden. Die hybriden Arbeitssituationen haben zwei interessante Auswirkungen:

  • Der Wohnungsmarkt regionalisiert sich wieder. Es verschwindet der Druck in den überhitzten Ballungszentren.
  • Das Büro der Zukunft wird neu gestaltet. Arbeitswaben in Großraumbüros gehören wohl der Vergangenheit an.

Wenn Beschäftigte nur noch zweimal wöchentlich ins Büro fahren müssen, nehmen sie wieder längere Anfahrten in Kauf. Sie wohnen daher wieder bevorzugt in ländlichen Gebieten mit all ihren Reizen. Höhere Kosten pro Fahrt amortisieren sich durch die günstigeren Immobilienpreise oder Mieten. Schon seit Ende 2020 hat sich der Nachfrageradius um die Ballungszentren München, Hamburg, Berlin, Frankfurt und Stuttgart sukzessive vergrößert.

Wohnen, Firmenbüro und hybride Arbeitswelt

Hybrides Arbeiten verändert die Ansprüche ans Wohnen. Es wird seltener, aber länger gependelt, dafür günstiger, aber auch anders gewohnt. Wer sein Homeoffice regelmäßig an bis zu drei Tagen wöchentlich nutzt, benötigt ein großes Arbeitszimmer. Immobilienexperten haben das schon berechnet: Der zusätzliche Platzbedarf beläuft sich auf durchschnittlich 10 m² pro Haushalt. Die Größe allein ist es nicht: Das Arbeitszimmer muss sich auch separieren lassen. Nicht zuletzt ist es in der Steuererklärung korrekt anzugeben, was für viele ArbeitnehmerInnen Neuland ist. Das klassische Büro in der Firma wiederum erhält neue Funktionen. Es wandelt sich vom vorrangigen Büroarbeitsplatz zum Kommunikationszentrum. Arbeitsplätze werden geteilt, sodass sie zum Feierabend ohne persönliche Gegenstände zu verlassen sind. Mit dieser Flexibilität sparen die Firmen enorme Kapazitäten – in günstigen Fällen fast die Hälfte ihrer Bürokosten. Die gewerbliche Architektur bewegt sich weg vom Kleinzelligen, sie schafft in den Büros mehr Besprechungsräume mit größeren Flächen. Auch gestiegenen Hygienebedürfnissen ist Rechnung zu tragen.

Verschwindet das Firmenbüro irgendwann gänzlich?

Die Antwort des Jahres 2021 lautet: Nein, es wird uns erhalten bleiben. Wir benötigen physische Zusammenkünfte, um Innovationsfähigkeit und Teamgeist zu pflegen. Die Zukunft ist hybrid, nicht rein digital.

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Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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