Lohnt sich ein Doktortitel? Auch ich habe mich das intensiv gefragt bevor ich 2015 mit der Promotion angefangen habe. Laut einer Befragung von über 30.000 Doktoren auf Gehalt.de verdienen Fachkräfte mit Promotion rund 20.000 Euro in der BWL und Jura sogar 33.000 Euro pro Jahr mehr als Masterabsolventen. Doch wieso verdienen Doktoren mehr Geld? Wie kann mich ein Doktortitel verbessern, dass ich mehr Geld verdiene?

Seit (heute) Oktober bin ich nun fertig und darf offiziell den Doktortitel tragen. Ich bin nachdem ich das Zeugnis aus dem Briefkasten geholt habe kurz in mich gegangen. Ich habe reflektiert was mir der Abschluss an Fähigkeiten gebracht hat. Klar habe ich deutlich mehr Gehalt als meine Kollegen (ca. 25.000 Euro) aber es kommt doch auf das Wissen an. Denn: Gehalt muss man sich verdienen. Deswegen habe ich mich gefragt: Welche Fähigkeiten habe ich durch den Doktor erworben, welche mich von anderen unterscheidet.

Lesetipp: Methodik meiner Doktorarbeit

Methodisches und abstraktes Denken

Meine Reflexion ergab, dass ich eine neue Art des Denken gelernt habe: das abstrakte Denken. Für mich bezeichnet abstraktes Denken die Fähigkeit bei einer Vielzahl von Information Einzelheiten wegzulassen und sie zu verallgemeinern und somit zu vereinfachen. Damit werden die Inhalte auf ein Wesentliches reduziert und verallgemeinert. Ergebnis ist, dass generieret werden kann, welches vorher unbekannt war und neue Lösungen schafft. Man geht offen an Probleme und findet neue Wege diese zu lösen.

Übrigens ist abstraktes Denken nicht gleich logisches Denken. Oft wird das verwechselt. Abstraktes Denken reduziert auf das Wesentliche und schafft Verallgemeinerung während Logik auf Vernunft bezogen ist und anhand von Argumenten urteilt.

Um diese Art des abstrakten Denkens umzusetzen benötigt der Forscher Daten, welcher er durch wissenschaftliche Methoden erhebt. Natürlich sind diese nicht 1:1 im nicht-wissenschaftlichen Alltag anzuwenden aber die Grundideen können auch im Berufsleben helfen. Im Folgenden zeige ich nun wie ich die erlernten Methoden im Berufsalltag verwende. Durch diese kann ich Daten erheben, welche ich mit abstrakten Denken auswerte und neue Lösungen schaffen kann.

Literaturanalyse

Eine Literaturanalyse ist fast immer der erste Schritt einer wissenschaftlichen Arbeit. Schon hier merkte ich, dass Lesen nicht gleich Lesen ist. Die Problematik ist: Wie kann ich wesentliche Informationen zusammenfassen und verschiedene Literaturquellen vergleichen. Der Vorteil: Ich kann verschiedene Meinungen und agile Ansätze vergleichen und schnell eine große Menge an Literatur erfassen. So bleibe ich offen und versteife mich nicht auf eine Lösung. Ich habe in der Promotion methodisch 2056 Literaturquellen analysiert und verglichen. Selbst bis heute scanne ich die aktuelle Management und IT-Literatur mit einem solchen Verfahren und leite daraus allgemeine Tipps ab. Viele davon finden sich auch hier im Blog.

Lesetipp: Literaturanalyse

Interviews

Ein wesentliches Element der Datenerhebung sind Interviews, also der Dialog mit Experten. Ich habe in der Promotion gelernt wie ich offene Fragen stellen kann und diese auch sinnvoll auswerte. Besonders im Dialog mit Mitarbeitern kann ich aus vielen Dialogen die wesentlichen Informationen filtern und zusammenfassen. So kann ich Kernaussagen zusammenfassen und sehe wo die aktuellen Schmerzpunkte in der Abteilung sind. Ich glaube, dass mir es leichter fällt aus verschiedenen Mitarbeitergesprächen die Wesentlichen Punkte zusammenzufassen und systematisch auszuwerten.

Lesetipp: Experteninterviews

Befragungen

Die Methode Befragung war in meinen Fall immer eng mit einem Online-Fragebogen verknüpft. Ich nutze mittlerweile auch einen Fragebogen ähnlich dem Spotify Health Check – einmal pro Monat. Hier erfasse ich die Stimmung und werte diese mit einer Korrelationsanalyse aus. Beispielsweise weis ich so, dass Mitarbeiter, welche eher im Operating sind die Prozesse stärker bemängeln als Projektleute. Dies ist nur ein Beispiel von vielen Hypothesen, welche ich durch eine monatliche Befragung regelmässig evaluiere.

Lesetipp: Befragung

Fallstudien und Beobachtungen

Es gilt regelmässig das eigene Geschehen, also das Handeln in meiner Abteilung zu beobachten. Ich führe auch weiterhin eigene Fallstudien durch und beobachte genau meine Handlungen und Prozesse. Dazu erstelle ich mir Beobachtungsprotokolle und werte diese wie eine wissenschaftliche Fallstudie aus. Gerade beobachten will gelernt werden.

So kann ich Erkenntnisse aus Beobachtung ziehen und auch Frameworks bilden, welche ich dem Management zeigen kann. Besondere Vorteile sind, dass meine Organisationsentwicklung für das Management transparent und die Fallstudien als Erfolgsstorys im Unternehmen kommuniziert werden können. Weiterhin reflektiere ich meine Arbeit damit regelmässig.

Lesetipp: Fallstudie

Auswertung von empirischen Daten

Nun gilt es die Fülle an Informationen auszuwerten, welche durch Literatur, Interviews, Befragungen und Beobachtungen erhoben worden sind. Diese werden in Form von Hypothesen oder Frameworks ausgewertet, welche auf Basis von Daten abgeleitet und überprüft werden. Es verhindert das Tunneldenken, welche ich oft bei Managern erlebe. Gerade durch den Hypothesenansatz können neue Erkenntnisse gewonnen werden, welche sonst nicht möglich sind. Gerade in Corona setzte ich nicht auf bewährtes sondern Hinterfrage jederzeit kritisch alte Gewohnheiten und versuche diese schrittweise durch neue Wege zu ersetzen. Durch konstante Datensammlung und Auswertung schaffe ich es diese ans Unternehmen anzupassen.

Gerade gestandene werden mir jetzt widersprechen, dass gerade durch das berühmte Bauchgefühl und die Erfahrung diese Erkenntnisse gewinnen kann. Allerdings glaube ich, dass speziell bei meiner Abteilung mit über 25 Mitarbeitern es nicht mehr möglich ist ohne systematische Methoden die volle Komplexität zu erfassen. Gerade das Bauchgefühl führt zum Tunnelblick wie ich oft wahrnehme.

Lesetipp: Hypothesen

Fazit

Eine Doktorarbeit hilft abstrakt zu denken und Erkenntnisse auf das wesentliche zu reduzieren. Ich habe gelernt eine Menge an komplexen Informationen zu erfassen, diese systematisch zu verallgemeinern und Hypothesen abzuleiten, welche ich dauerhaft überprüfen kann. Der Ansatz ist in der Praxis oft als Lean Startup bekannt. Natürlich ist die Gefahr, dass man zu wissenschaftlich ist aber ich glaube, dass ich eine gute Waagschale gefunden habe mit einer Prise Wissenschaft die Praxis etwas greifbarer zu machen und meinen Alltag als Führungskraft deutlich besser meistern zu können. Ich glaube, dass sich eine Promotion in jedem Fall lohnt und ich werde weiter auch wissenschaftlich als auch in der Praxis am Zahn der Zeit bleiben.

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

Falls es noch Fragen gibt, können Sie mich gerne anrufen. Hierzu einfach im Buchungssystem nach einen freien Termin schauen. Ich nehme mir jeden Monat einige Stunden Zeit um mit Lesern zu interagieren.

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Autor

Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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