Die Zukunft der Arbeit im Rahmen der Digitalisierung vieler Lebensbereiche wird unter dem Begriff “Arbeiten 4.0” zusammengefasst. Klingt einfach, ist aber praktisch hochkompliziert: Hinter dem Schlagwort “Arbeiten 4.0” verbergen sich eine Fülle bislang ungeklärter arbeitsrechtlicher Fragen für Arbeitgeber, Führungskräfte und Mitarbeiter, so das Manager Magazin. Dieser Artikel soll deswegen die Idee und ausgewählte Konzepte hinter dem Begriff Arbeit 4.0 zusammenfassen. Die grundlegende Frage des Artikels lautet deswegen: Was ist Arbeit 4.0 und gibt es eine Definition?

Überblick über die Begriffe

Als erstes möchte ich einen Überblick über die viele Begriffe geben. Dabei definiere ich Arbeit 4.0 als einen Oberbegriff zum Einfluss der Digitalisierung auf Arbeit. Weitere Begriffe beschreiben meiner Meinung nach gewisse Aspekte dieser neuen digitalen Arbeit. Die Tabelle ist aus der Quelle (Lindner 2019).

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WAS IST ARBEIT 4.0

Als Begriff befasst sich “Arbeit 4.0” mit der Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter. Hintergrund sind vor allem die Probleme (aber auch Chancen), die eine fortschreitende Technisierung im Arbeitsmarkt und den generellen Strukturen von Unternehmen bewirken. Im 3. Roundtable wurde darüber diskutiert, was der Begriff im Kontext der Teilnehmer bedeutet.  Folgende Charakteristiken der Arbeit 4.0 wurden im Konsens verabschiedet:

  • Arbeit 4.0 muss agil sein!
  • Agilität braucht Freiraum!
  • Gute Arbeit basiert auf Freiwilligkeit!
  • Der Begriff der “Führung” muss einem “Anleiten” weichen!
  • Arbeit wird künftig dynamischer und kurzzyklischer!
  • Arbeit 4.0 wird digital unterstützt!
Fokus der Arbeit 4.0
Fokus der Arbeit 4.0 liegt nicht mehr auf Maschinen sondern auf dem Menschen (eigene Darstellung)

Im Kontext der Arbeit 4.0 steht also nicht mehr wie vor vielen Jahren noch technische Expertise, sondern der Mensch im Mittelpunkt. Sätze wie Technologie als Helfer des Menschen und der Mensch als “Überwacher” der Technologie unterstreichen diese These. Insgesamt haben die Teilnehmer in meinem Roundtable zur Arbeit 4.0 drei Ansätze vorgestellt, welche die Arbeit 4.0 ausgestalten könnten.

DER DIGITALE ARBEITSPLATZ

Ein Enabler der Arbeit 4.0 ist laut dem vielen Magazinen die schnelle und fortschreitende Digitalisierung. So wird der Arbeitsplatz zunehmend durch Tools und weitere Technologien unterstützt und somit “irgendwie digital”. Durch diese Veränderungen ergeben sich neue Möglichkeiten wie mobile oder remote Arbeit sowie eine hohe Vernetzung von Mitarbeitern. In einem Roundtable sagte ein Teilnehmer dazu: Arbeit ist nun bis zu 3 Tage pro Woche vom Home-Office aus möglich ohne den Bezug zum Team zu verlieren.

Doch es scheint, dass diese Entwicklung noch am Anfang steht. In der Studie der WiWo zur Digitalisierung am Arbeitsplatz zeigt sich: “Die Digitalisierung ist daheim bereits weiter fortgeschritten als am Arbeitsplatz im Büro – das zeigt eine Studie unter deutschen Büroangestellten.” Somit scheint also das volle Potential des digitalen Arbeitsplatzes noch nicht abrufbar zu sein. Lesen Sie mehr dazu mehr im folgenden Artikel zum digitalen Arbeitsplatz.

digitalisierung am arbeitsplatz
Ausstattung des Home-Offce vs. Büro (Quelle: eigene Darstellung nach der Idee der WiWo)

NewWork – Definition Arbeit 4.0?

Das Konzept New Work wurde vom austro-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann entwickelt, ausgehend von seiner Untersuchung des Freiheitsbegriffes. Der NewworkBlog sagt folgendes: Der klassische „Nine-to-Five-Job“ im Büro wird schon bald der Vergangenheit angehören. Die Bindung an feste Arbeitsorte sowie standardisierte Zeiten und Organisationsstrukturen löst sich immer weiter auf. Stattdessen wird Arbeit multimobil: Home Office, Remote Work und Vertrauensarbeit heißen die Modelle der Zukunft, welche die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen.

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Die Idee der NewWork (Eigene Darstellung nach der Idee von Petry 2016)

Insgesamt zeigt die Grafik von Petry die Vision der Newwork. Es bedeutet also: Arbeite wann, wo und mit wem du willst. Klar ist: Die Dimension “Wo” deutet auf mobile Arbeit und “wann” auf eine Lockerung der Kernzeiten hin. Aktuell steht jedoch die Dimension “mit wem du willst” noch im offenen Dialog und kann unter anderen durch die Idee des Hashtags Futurework interpretiert werden. Schauen Sie auch in meinen Artikel zu NewWork für eine detaillierte Erklärung der Idee.

Was glauben Sie wird sich am meisten durchsetzen?
abstimmen!

Futurework – Arbeit 4.0

Insgesamt zeigt sich bei der Untersuchung des Hashtags eine starke Fokussierung auf Raum- und Bürokonzepte zur Förderung von Agilität im Unternehmen. Klar, es wird ebenfalls von einem Kulturwandel gesprochen und dieser auch sehr ausführlich behandelt aber es werden überwiegen Bürokonzepte evaluiert. So fasst der folgende Satz das Thema sehr gut zusammen: “Das Büro wandelt sich zum Ort der Kommunikation und Vernetzung. Dazu werden situationsorientierte Räumlichkeiten benötigt, die sowohl den kreativen Austausch oder die Projektarbeit fördern als auch Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten und vertraulichen Arbeiten bieten und Routinetätigkeiten optimal unterstützen. ” (Quelle Detecon). In Abbildung finden Sie eine Ausgestaltung der Idee mit verschiedenen Büroräumen. Diese sollen ermöglichen in verschiedenen Teams and verschiedenen Orten zu arbeiten. Schauen Sie auch in meinen Artikel zum Thema Futurework.

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Ausgestaltung des Konzept der Futurework (Eigene Darstellung nach einer Idee der Detecon)

Agile Methoden und Arbeit 4.0

Viele Magazine und Experten fordern eine gesteigerte Agilität in Unternehmen und eine verstärkte Arbeit mit agilen Methoden. Obwohl aktuell zahlreiche agile Methoden existieren, hat sich Scrum weitgehend als Best Practice durchgesetzt. Auch in Kombination mit der neuen flexiblen Arbeit im Zuge von NewWork und neuen Arbeitsumgebungen (Futurework) könnte eine neue Form der Arbeit mit agilen Methoden die Produktivität steigern. Die Prinzipien und Werte von Agilität wurden 2001 im agilen Manifest festgehalten, das die Grundlage für alle agilen Methoden darstellt. Agil bedeutet im Gegensatz zu klassischen Methoden eine Orientierung auf Wertschöpfung, d. h. mit dem verfügbaren Budget zu einem fixen Zeitpunkt das „beste“ Ergebnis zu erreichen.

Nun soll im Folgendem nicht die Methodik hinter Scrum erklärt werden, sondern die Herausforderung in der Arbeit mit einer agilen Methode wie z. B. Scrum, denn Gloger et al. (2016, S. 2) stellten bereits fest: „Nicht die Methodenkenntnis ist die größte Hürde bei der Umstellung auf das agile Modell, sondern die interne Unternehmenskultur und die Änderung der internen Prozesse.“ Die Arbeit mit agilen Methoden fordert vor allem eine hohe Selbstorganisation der MitarbeiterInnen. So sind viele MitarbeiterInnen gewohnt langfristig, planorientiert und homogen zu arbeiten. Jedoch fordert die neue Form der Arbeit eine kontinuierliche Geschwindigkeitsorientierung und Heterogenität. Es gilt daher im Sinne dieser neuen Flexibilitätsanforderungen, die mit agilen Methoden einhergehen, die MitarbeiterInnen durch entsprechende Vereinbarungen auch vor Fehl- und Überbelastung zu schützen und eine Work-Life-Balance sicherzustellen.

Fazit: Was ist Arbeit 4.0 – Definition

So wurden in diesem Text die Frage: Was ist Arbeit 4.0 behandelt. Es zeigt sich, dass der Begriff Hintergrund für eine Ansammlung von Konzepten ist. Arbeit im Kontext dieser Arbeit 4.0 wird technologisch, agiler, schneller und kurzzyklischer. Enabler für die Arbeit 4.0 ist der digitale Wandel des Arbeitsplatzes, welcher jedoch oft noch am Anfang steht. Ausgestaltet werden kann die Arbeit 4.0 mit der Vision der NewWork (arbeite wann, wo und mit wem du willst) sowie mit neuen Bürokonzepten.

Handlungsempfehlungen

Ich glaube, dass die Digitalisierung der Arbeit deutliche Potenziale für Unternehmen mit sich bringen kann. Aus meiner Studie Lindner et al. 2018 konnten ich folgende konkrete Handlungsempfehlungen für KMU ableiten:

  • KMU können durch kurze Entscheidungswege Homeoffice und mobile Arbeit so- wie Home-Arbeitsplätze schneller für Mitarbeiter anbieten als Konzerne und so- mit attraktiver für Fachkräfte sein.
  • Eine Lockerung von Kernzeiten kann in KMU meist schneller durchgesetzt wer- den als in Konzernen, weswegen die Work-Life-Balance für Mitarbeiter durch Gleitzeit erhöht werden kann.
  • Durch kürzere Entscheidungswege können KMU Konzepte wie „Bring your own device“ oder neuartige agile Methoden schneller ausprobieren als Konzerne.
  • Aufgrund des kleineren Budgets von KMU sind neue Bürokonzepte oft mit einem Neubau verbunden und in KMU schwer umsetzbar. Jedoch können bestehende Räumlichkeiten renoviert werden.

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Verwendete Quellen anzeigen

Brandes, U., Gemmer, P., Koschek, H., & Schültken, L. (2014). Management Y. München: Campus Verlag.

Detecon: http://www.detecon.com/sites/default/files/1_DMR_blue_Transformation_Neue_Arbeitswelten_D_02_2015_0.pdf

Gloger, B. (2016). Scrum. München: Hanser Verlag.

Lindner, D., Ludwig, T., & Amberg, M. (2018). Arbeit 4.0 – Konzepte für eine neue Arbeitsgestaltung in KMU. HMD Praxis Der Wirtschaftsinformatik, 6(1), 17.

Lindner, D. (2019). KMU im digitalen Wandel: Ergebnisse empirischer Studien. Wiesbaden: Springer Gabler.

Petry, T. (2016). Digital Leadership: Erfolgreiches Führen in Zeiten der Digital Economy. München: Haufe Verlag.

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

2 Kommentare

  1. Ihre Umfrageergebnisse werden leider nicht angezeigt. Vielleicht klappt es mit einer anderen Alternative besser.

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