Die Gesellschaft befindet sich im stetigen Wandel und erfährt in immer kürzeren Abschnitten fundamentale Veränderungen. Was vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar war, ist heute längst Realität oder steht kurz bevor – vom internetfähigen Smartphone über selbstfahrende Autos bis hin zum Kühlschrank, der selbst für Nachschub sorgt. Künstliche Intelligenz hält Einzug in unseren Alltag und verändert die Art, wie wir arbeiten und leben.” so die Otto Group in der Aufforderung zu einer Blogparade. Ich möchte mich gerne beteiligen und schauen, wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändern könnte.

Roundtable zu Arbeit 4.0

Um die Arbeitswelt 4.0 besser zu verstehen habe ich mehrere Experten versammelt und über dieses Thema über 4h debattiert. Im folgenden möchte ich dazu die Ergebnisse zeigen und diese durch Zitate der Teilnehmer untermauern. Mehr zum Roundtable findet sich hier. In der folgenden Tabelle finden sich die Teilnehmer.

Unternehmen Position Anzahl MA
Gewerkschaft Vorstand (IT)
IT-Dienstleister (E-Commerce) Geschäftsleitung 80
Produktionsunternehmen Aufsichtsrat 110
IT-Dienstleister (Rechenzentrum) Vorstand 180
Konzern (IT) Agile Coach 7000
Konzern (IT) Manager 7000
Konzern (Sport) Vorstand 55 000

Die Arbeit 4.0

Die Zukunft der Arbeit wird unter dem Oberbegriff Arbeit 4.0 diskutiert. Eine direkte Definition davon gibt es nicht, allerdings wird der Begriff aber auch gerne als Marketing gebraucht. In einem Roundtable zu Arbeit 4.0 habe  ich mit den Teilnehmern erste Richtlinien wie die Arbeit im Zuge der Digitalisierung aussehen soll definiert und es gab folgende Ergebnisse:

  • Arbeit 4.0 muss agil sein!
  • Agilität braucht Freiraum!
  • Gute Arbeit basiert auf Freiwilligkeit!
  • Der Begriff der “Führung” muss einem “Anleiten” weichen!
  • Arbeit wird künftig dynamischer und kurzzyklischer!
  • Arbeit 4.0 wird digital unterstützt!

Dies bedeutet also, dass Themen wie Agilität, Freiraum und Freiwilligkeit die neue Arbeitswelt charakterisieren. So sagte eine Teilnehmerin: „Also für mich ist das die erste Assoziation mit Arbeit 4.0 ist so der Wechsel von ‚Arbeit als Pflicht/Muss‘ zu ‚Ich kann was gestalten, ich empfinde einen Sinn‘“. Auch soll die neue Arbeit digital unterstützt werden,. Dazu ein Teilnehmer: „Also diese Digitalisierung begünstigt die Geschwindigkeit. Hätten wir noch Bleistift, Papier und Post, wäre das nicht gewesen.“  und agile Methoden sollen laut der Teilnehmer dazu beitragen, dass Arbeit dynamischer und kurzzyklischer wird: „Also ich glaube auch, dass das Thema Scrum gewaltig dazu beigetragen hat.“ Das bedeutet, dass im Gegensatz zu früher viele kleine und schnell ändernde Arbeitsaufgaben existieren werden. So hat ein Teamleiter früher einen Mitarbeiter pro Monat 5-10 Standardaufgaben gegeben, was heute eher in 100 kleine Aufgaben aufgeteilt wird. Um dies besser zu verstehen möchte ich die Konzepte, welcher hinter Arbeit 4.0 stecken näher erklären und ein paar Zitate meiner Teilnehmer aus dem Roundtable dazu geben.

Lesetipp: Was ist Arbeit 4.0

New Work – Orts- und Zeitflexible Arbeit

Ein weiterer Punkt ist die orts- und zeitflexible Arbeit. So sagt ein Teilnehmer: „Also 30 % sind im Schnitt [im Home Office]. Und […] Home Office [ist] natürlich kein Problem [und…] wird oft auch genehmigt. Und Arbeitszeiten sind bei uns auch gelockert. Es gibt keine Kernarbeitszeit, man kann kommen wann mal will bei uns.“ Es ist also möglich, dass Arbeit von jedem Ort und zu jeder Zeit ausgeführt werden kann.  So sagt auch der Vorstand der Gewerkschaft in meinem Roundtable: “Arbeite wo Du willst. Also durch Mobile Devices ist da ja heute überhaupt kein Problem mehr. Haben die Betriebsvereinbarung auch geschaffen, dass Arbeitszeit von jedem Ort aus, also theoretisch auch vom Schwimmbad aus, dann anerkannt wird. Man dokumentiert es. Man kann von jedem Ort aus arbeiten. Mobile Arbeit ist ein wichtiges Thema.

Es scheint also mit Blick auf die Zukunft so zu sein, dass wir von jedem Ort und zu jeder Zeit Arbeit arbeiten können. Dies wird gerne mit der Vision der New Work beschrieben, welche in der folgenden Abbildung gezeigt wird.

Lesetipp: Was ist New Work

newwork
Die Vision von NewWork

Neue und agile Bürokomplexe

Weiterhin gibt es neue Bürokonzepte. So soll für jede Aktivität ein Arbeitsplatz existieren. Es sollen verschiedene Zonen im Büro für beispielsweise ruhige und kreative Arbeit eingerichtet werden. Ich kenne viele Mittelständler als auch Konzerne, die aktuell ihre Gebäude umbauen. So sagt auch eine Teilnehmerin in meinen Roundtable: „Jeder Tisch steht zur Verfügung, es wird nicht vorher gebucht, weil letztendlich macht es das System noch komplexer, wenn ich mir jetzt jeden Abend noch überlegen müsste: Wo sitze ich morgen? Das würde einfach zu viel Aufwand sein. Und so ist jeder Arbeitsplatz im Prinzip für jeden frei. Ich kann mich hinsetzen, wo ich möchte.“ Der klassische Schreibtisch stirbt also aus, so die Teilnehmer. In der folgenden Abbildung ist eine mögliche Interpretation der neuen Büromodelle am Beispiel von noris network aus Nürnberg illustriert, welche mir freundlicherweise die Bilder freigegeben haben. Somit arbeiten also in Zukunft nicht nur zu jeder Zeit und an jedem Ort, sondern arbeiten bei jeder Tätigkeit auch am “richtigen Ort”.

Lesetipp: Was ist Futurework

futurework
Die Vision von Futurework

Agile Teams

Weiterhin sollen diese neuen Arbeitsmodelle nicht unter klassischen Methoden ablaufen, sondern agile Teams sollen sich selbstorganisieren, Urlaub miteinander absprechen und in einigen Unternehmen sogar gemeinsam Mitarbeiter einstellen. Es bleibt spannend, wie sich dieser Trend entwickelt. Bereits in agilen Scrum Teams (meist in der IT) zeigen sich erste Auswirkungen dieser Feststellung.

Lesetipp: Was ist agil?

Fazit

Innerhalb des Roundtables zeigte sich, dass das Ziel der Projekte rund um die Arbeit 4.0 eine gesteigerte Agilität und Freiwilligkeit ist. Arbeit 4.0 soll digital unterstützt, anleitend geführt, ist dynamischer und kurzzyklischer als aktuelle Arbeit sein. Arbeit soll außerdem zeit- und ortsflexibler werden.

Insgesamt zeigte der Roundtalbe, dass der Bedarf an neuartigen Konzepten und Modellen, mit denen Unternehmen der Ausgestaltung von Arbeit 4.0 begegnen, schon länger gegeben ist. Doch erst heute sind die Rahmenbedingungen und der Digitalisierungsgrad geschaffen, diese Änderungen auch tatsächlich umzusetzen. Vorher waren einerseits die neuen Bürokomplexe noch nicht in Planung und andererseits fehlte mobile Technologie (Laptops und Smartphones) und sichere Zugänge sowie gültige Betriebsvereinbarungen für mobile Arbeit als auch Homeoffice. Es bleibt also spannend!

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

1 Kommentar

  1. Hallo Dominic,

    ich bin im Rahmen der Blogparade #Zukunftsblick über deinen Beitrag gestolpert. Ich finde deine Einblicke in die Arbeitswelt von morgen sehr interessant. Gerade das Thema fester Büroplatz und mobiles Arbeiten finde ich hochspannend, da hier bei vielen Unternehmen noch massiv Luft nach oben ist. Zumal die Arbeitswirklichkeit heute nur noch selten einen echten “9to5 job” erlaubt.

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