Wenn man einen Dienstleister beauftragt, möchte man, dass dieser mit Rat und Tat zur Seite steht. In letzter Zeit lese ich häufiger Artikel, welche jedoch bemängeln, dass Consulting oft mit zuviel Rat statt mit Tat zur Seite stehen. Konkret bedeutet die Kritik, dass zu viel Theorie auf hoher Ebene verkauft wird und zu wenig wirkliche Beratung stattfindet. Diese Kritik trifft vor allem IT-Dienstleister hart.

So zeigt Nicolas Kittner dies in einem Zitat auf: Das Problem mit den meisten Consultants ist: Sie sind ausschließlich Consultants. Sie bewegen sich auf einer Metaebene, alles ist Makro, nichts Mikro. Es geht um Trends im Markt, um Prozesse, um Strukturen, um Preismodelle, um Businesspläne und Markenstrategien. Aber Berater müssen das Mikro kennen, sie müssen wissen, wie man aus einer E-Commerce Strategie einen Shop macht, wie man aus einer Idee einen Prototypen baut, wie man aus Trends ein Produkt entwickelt. 

Kittner fordert also: Consultants, die programmieren. Berater, die designen. Manager, die Prototypen entwickeln. Dieser Entwicklung haben sich zahlreiche Dienstleister angenommen und bezeichnen sich seitdem als agiler IT-Dienstleister. Doch was bedeutet das und wie arbeite ich mit einem solchen zusammen?

Agile IT-Dienstleister

Einen Ansatz für einen agilen IT-Dienstleister habe ich bereits im Artikel: Einfluss des digitalen Wandels auf IT-Dienstleister vorgestellt und möchte diesem hier nur kurz anreisen. Es sind insgesamt mehr Berater, Macher und Umsetzer gewünscht, welche über den Tellerrand schauen und alles anbieten, so die Kritik in den Artikeln. Ein Dienstleister soll einen gesamten Prozess von Anfang bis Ende abdecken können.

Doch ein Dienstleister kann oft nicht alles abdecken. Denken wir an ein kleines Consultinghaus mit 30 Personen. Es ist einfach unmöglich einen gesamten IT-Prozess abzudecken. Eine Lösung, welche ich bereits im Consulting 4.0 Artikel ausgeführt habe ist: man geht Partnerschaften ein. Man bietet also den Kunden eine gesamte und übergreifende Leistung an. Als Dienstleister greife ich dazu auf andere Dienstleister zurück aber verwalte diese so, dass der Kunde es nicht mitbekommt mit dem Fokus auf eine hohe Wertschöpfung für den Kunden.

 agile it dienstleister agiles consulting
Agiler IT-Dienstleister mit Fokus auf den Kunden (eigene Darstellung)

Consulting Y

Alles was digitalisiert werden kann wird digitalisiert. Einfach weil es geht. Unternehmen, die dem rasenden Innovationsdruck im Zeitalter der Digitalen Revolution nicht standhalten, sterben aus wie Dinosaurier. Doch wer soll die zunehmend komplexen digitalen Transformationsprozesse in Zeiten des Fachkräftemangels und demografischen Wandels umsetzen? fragt sich Ferdinando Piumelli in seinem Buch Consulting Y. In diesem Buch habe ich zwei spannende Stellen gefunden, welche ich im folgenden näher ausführen möchte. Für mehr Informationen schauen Sie in das Buch von Ferdinando Piumelli.

Extern oder Intern?

Unternehmen benötigen kontinuierlich neues Knowhow, wenn sie sich im Wettbewerb behaupten zu können. Da nur wenige Spitzenkräfte über das dafür notwendige Knowhow verfügen, um Innovationen zu entwickeln, kommen Unternehmen nicht um die Zusammenarbeit mit externen Experten herum, so Puimelli.

Diese These mag stimmen. Doch wie funktioniert die Zusammenarbeit mit einem agilen Dienstleister? Hierzu gibt es laut Puimelli 4 Möglichkeiten, von welchem ich 3 vorstellen möchte.

Im ersten Fall geht um ein einmalige durchgeführtes Projekt. So ist es laut Puimelli wirtschaftlich nicht sinnvoll für einen einmaligen Fall Mitarbeiter zu qualifizieren. Die externe Vergabe des Projekts bietet sich an. Vorteile sind, dass externe Dienstleister haben ähnliche Projekte bestenfalls bereits viele Male durchgeführt, sodass das Unternehmen von diesen Erfahrungen profitieren und sich durch den Prozess führen lassen kann. Nachteile, dass nach Abschluss des Projekts sind keine Knowhow-Träger im Unternehmen, die sich tief mit der Materie auskennen. Das ist vor allem dann problematisch, wenn das Projektteam ein Produkt entwickelt hat, das später stark supportbedürftig ist.

Weiterhin bietet sich Outsourcing an. So sagt Puimelli: Werden ganze Prozesse oder einzelne Anwendungen an Dienstleister in Asien (Offshore) oder Osteuropa (Nearshore) ausgelagert, sprechen wir von Outsourcing. Diese Form der Zusammenarbeit lockt mit erheblichen Kosteneinsparungen. Sie erfordert jedoch, dass die Prozesse halbautomatisiert werden und jede einzelne Serviceleistung genau definiert ist.

Die letzte Form sind Honorkräfte, denn es gibt in Deutschland für jedes Problem den passenden Experten und eine fast unüberschaubar große Zahl an Freelancern, so Puimelli. Er sieht außerdem als Vorteil, dass das Unternehmen kaum Verpflichtungen eingeht und kurzfristigen Personalbedarf decken kann. Nachteile sind, dass laut Puimelli Freelancer wie Söldner sind und auf der Suche nach dem teuersten Vertragsangebot sind. Eine echte Loyalität kann hier nicht erwartet werden.

Vertrauen in den Dienstleister

Über den Erfolg eines Consultants und Beraters entscheidet nicht primär seine fachliche Kompetenz. Mindestens genauso erfolgsentscheidend ist seine Fähigkeit, vertrauensvolle Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten so Puimelli in seinem Buch.

Er spricht jedoch auch von einem Dilemma: Dabei ergibt sich in der Beziehung von Consultant und Manager allerdings die Schwierigkeit, dass der Manager ein Interesse daran hat, einen gewissen Informationsvorsprung in seinem Aufgabenbereich zu sichern, um seine Position im Unternehmen zu sichern. Innovationen sind also nur so lange von Interesse, wie sie seine eigene Existenz nicht gefährden. Gleichzeitig ist es im Interesse des Consultant möglichst weitgehende Einblicke in das Unternehmen zu erhalten, um über den aktuellen Fall hinaus eine sinnvolle und erfolgsversprechende Beratung leisten und möglicherweise Folgeaufträge generieren zu können.

Die Lösung beschreibt er in einem Konzept aus Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Beziehung, welche aufgebaut werden muss. Er beschreibt diese abstrakten Elemente auch etwas näher:

Glaubwürdigkeit besteht beispielsweise aus der Elementen: Wissen, Präsenz und Verhalten. Die Basis für eine Glaubwürdigkeit als Consultant ist fachliche Kompetenz. Doch darüber hinaus muss in der persönlichen Interaktion eine Präsenz gezeigt werden, die von aufrichtigem Interesse, von Integrität und Loyalität zeugt. Das beginnt bereits bei der angemessenen Kleidung. Als dritte Komponente ist ehrliches und konsistentes Verhalten zu nennen. Das bedeutet, Schwierigkeiten nicht schön zu reden, sondern auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen. Es sollte kein Versprechen gegeben werden, was nicht gehalten werden kann. Wie Glaubwürdigkeit lassen sich auch Zuverlässigkeit und Beziehung in konkret trainierbare Haltungen und Verhaltensweisen übersetzen. Eine vertrauensvolle Beziehung lässt sich gezielt herstellen und muss kein Zufall sein.

Ist das jetzt agiles Consulting?

Ob das jetzt agiles Consulting oder Consulting Y ist kann nicht klar bestimmt werden aber es scheint sich etwas zu ändern für den Mittelstand. So wandelt sich die Strategie sichtlich hin zu agilen Dienstleistern und auch die Art der Partnerschaft ändert sich. Die Rahmenverträge lockern sich und ermöglichen neue Formen der agilen Zusammenarbeit sowie der flexibleren Erbringung von Dienstleistungen und sogar eine Umsetzung der Arbeit 4.0.

Wenn Sie mehr über dieses Thema Consulting Y erfahren möchten, können Sie gerne an den Roundtables teilnehmen und relevante Themen mit mir und anderen Experten diskutieren. Lesen Sie auch meinen Artikel zur Tradition im Mittelstand oder zum Einfluss des digitalen Wandels auf IT-Dienstleister und schauen Sie mal in den Artikel Consulting 4.0. Schauen Sie auch mal in Buch von Ferdinando Piumelli zu Consulting Y.

Verwendete Quellen anzeigen
Ferdinando Piumelli. (2016). Consulting Y – Die digitale Transformation. Bielefeld: Edition Carthago.

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

*