Die Digitalisierung aller Lebensbereiche hat zu steigender Komplexität geführt und Unternehmen finden sich durch diese Entwicklung in einem Zwiespalt wieder. Ein Beispiel ist die mittelständische Unternehmensberatung, welche eine der Branchen ist, die exzellent von der Digitalisierung profitiert. Allerdings primär als diejenige, die die Vielzahl der Projekte zur Digitalisierung von Unternehmen verschiedenster Branchen aufsetzt, steuert und durchführt. Jedoch ist diese oft selbst kaum digitalisiert. Mehr Informationen können Sie in meinen Artikel zu Consulting 4.0 entnehmen.

Das Wettrennen um die digitale Vorherrschaft ist ebenfalls durch ein hohes Veränderungstempo gekennzeichnet. Insbesondere amerikanische und asiatische Unternehmen befinden sich auf der Überholspur und drängen weltweit Wettbewerber aus den Märkten. Doch wie sieht es in Deutschland aus? Wie schreitet die digitale Transformation im deutschen Mittelstand voran?

Die Tradition im Mittelstand

Den digitalen Wandel erfolgreich zu vollziehen, ist derzeit Aufgabe aller Unternehmen und Branchen. In Deutschland wird das Wirtschaftswachstum vor allem durch den Mittelstand forciert. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft zählen besonders Traditionsunternehmen aufgrund ihrer Innovationsfähigkeit und der Technologiekompetenzen zu einer wichtigen Stütze. Laut einer Studie des BMWI wird 57% der Wirtschaftsleistung durch den deutschen Mittelstand erbracht.

Mittelständische Unternehmen haben eine lange Tradition und sind oft durch eine langfristige Orientierung geprägt. Dank einer hohen Wertschöpfungstiefe und den Fokus auf die Qualität ihrer innovativen Produkte bieten sich viele Möglichkeiten der Prozessautomatisierung und der Aufwertung von Produkten mit digitalen bzw. softwarebasierten Modulen. Wirft man einen Blick auf die aktuelle digitale Studie der kfw findet man Sätze wie:

  • Nur ein Fünftel der mittelständischen Unternehmen hat digitale Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen begonnen und kann damit zu „Vorreitern“ gezählt werden
  • Ausbau der Digitalisierung geht in den meisten Unternehmen voran, aber überwiegend in kleinen Schritten
  • Defizite bei IT-Kompetenzen, Datensicherheit und Internetgeschwindigkeit erschweren Digitalisierung im Mittelstand
  • Fokusthema Industrie 4.0: Projekte sind typische Innovationsprojekte; Qualifikationsanforderungen ändern sich, Geschäftsmodelle nur graduell

Jean Jaurés prägte einst den wunderbaren Ausspruch: „Tradition heißt nicht, Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen halten„. Fast kein Traditionsunternehmen würde wohl heute noch existieren, wenn sie sich im Laufe ihrer Geschichte nicht immer wieder an den eigenen und bewährten Grundsätzen sowie  Traditionen orientiert hätten. Aber reicht der Verweis auf die Vergangenheit im modernen Wettbewerb aus, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben? Denn wie ich bereits im Artikel zur digitalen R(evolution) sagte: Wenn der Wind der Veränderung bläst, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen

Digitalisierung im Mittelstand

Der digitale Wandel betrifft jeden: Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, Studierende und Familien, junge und alte Menschen. Auf dem Land und in der Stadt. In der Werkstatt nebenan wie im Großbetrieb. So ist auch Digitalisierung im Mittelstand ein Thema. Für diese ist es an der Zeit, ihre Grundwerte, also ihren Fokus auf nachhaltiges Unternehmenswachstum, langfristige und enge Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter, erfolgsversprechend in das digitale Zeitalter zu überführen. So gilt es den Zielkonflikt zwischen der langfristigen Strategie der Traditionsunternehmen und der hohen Geschwindigkeit von Innovationen und Veränderungsprozessen der Digitalisierung zu lösen. Nun werden sich sicherlich nicht alle Bereiche fundamental ändern und jeder Mitarbeiter wird zu 100% Eigenverantwortlich arbeiten aber Unternehmen sollten auf diese Werte zusteuern und zumindest etwas mehr Selbststeuerung als gewohnt zulassen. Ein Ansatz für eine solche Veränderung der Werte liefert Brandes in der folgenden Abbildung, welche ich im Kontext der Digitalisierung im Mittelstand interpretiere.

digitalisierung mittelstand
Es ist nicht wichtig alle Bereiche neu zu erfinden sondern nur gewisse Stellschrauben feiner zu justieren (Eigene Darstellung angelehnt an die Idee von Brandes)

Tradition trifft Digitalisierung

Die digitale Transformation ist Unternehmen angekommen. Besonders der deutsche Mittelstand ist ein wichtiges Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Im Vergleich zu Startups verfügt dieser jedoch oft über eine lange Tradition, welche nicht einfach zu verändern ist. Jedoch wird sich nicht jeder Bereich fundamental verändern. Aus diesem Grund wird eine Steigerung von Agilität in wichtigen Kernbereichen empfohlen. Grundsätze gilt also für Traditionsunternehmen, ihre Grundwerte, also ihren Fokus auf nachhaltiges Unternehmenswachstum, langfristige und enge Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter, erfolgsversprechend in das digitale Zeitalter zu überführen. Ein Ansatz wurde hier im Artikel vorgestellt. Klar ist jedoch: Aktuelle klassische Methoden von Traditionsunternehmen sind oft nicht mehr optimal im Kontext der digitalen Transformation und sollten neu bewertet werden. Die folgende Abbildung zeigt wieso gewisse Grundwerte sich ändern müssen. Dies führt daher, dass sich der Fokus von Maschinen und Planung in zu Kreativität und Menschenfokus verschiebt.

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mittelstand digitalisierung
Während vorher Maschinen die Wirtschaft bestimmt haben, rückt nun der Mensch immer mehr in den Mittelpunkt der Digitalisierung im Mittelstand (Eigene Darstellung)
Verwendete Quellen anzeigen

Brandes, U., Gemmer, P., Koschek, H., & Schültken, L. (2014). Management Y. München: Campus Verlag.

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Studien-und-Materialien/Digitalisierung-im-Mittelstand.pdf

https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/W/wirtschaftsmotor-mittelstand-zahlen-und-fakten-zu-den-deutschen-kmu,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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