Wie oft schauen Sie pro Tag auf Ihr Smartphone ohne das es klingelt? Selbst während der Arbeitszeit ertappen wir uns dabei unser Display regelmäßig auf neue Nachrichten zu checken, ob es nun blinkt oder nicht. Aber warum empfinden wir dieses Bedürfnis, das “Telefon” in die Hand zu nehmen, ohne das wir angerufen werden oder eine Nachricht erhalten haben? (Quelle Hubspot). Viele außerhalb der Generation Z kennen eine Zeit noch vor dem Smartphone. Doch wie hat sich eigentlich unsere Gesellschaft vom Wissenszeitalter ins digitale Zeitalter verändert?

Das Wissenszeitalter

Mittlerweile hält ein neues Zeitalter Einzug: die wissens- und dienstleistungsgeprägte Gesellschaft. In ihr stehen vor allem verschiedenartige und unbeständige Abläufe im Vordergrund. Kunden von heute wollen individuell beraten werden, abhängig von ihrer speziellen Ausgangssituation. Eine komplexe Welt mit einem nahezu unüberschaubaren Zugriff auf unzählige Informationsquellen benötigt Wissensarbeiter (sog. „Knowledge Worker“), die in Kooperation maßgeschneiderte Lösungen finden (Quelle Adesso).

So definiert der Blog Wissensarbeit den Begriff wie folgt: „Wissensarbeit ist die Bewältigung von Aufgaben, die zumindest für die betreffende Person so komplex oder neuartig sind, dass ihre Erfahrungen nicht ausreichen, um zu dem erwünschten Ergebnis zu kommen, so dass es für sie notwendig wird, neues Wissen zu erwerben, zu integrieren, oder zu entwickeln. Dieser Bedarf, sich neues Wissen anzueignen, stellt eine Barriere bei der Suche nach der passenden Lösung dar.

Doch Wettbewerbs- und Innovationsdruck, komplexe Arbeitsabläufe und eine sich verändernde Wirtschaftsordnung zwingen die Unternehmen zum Umdenken. War das Zentrum der Wissensarbeit Probleme zu lösen, bricht nun ein neues, das digitale Zeitalter aus und dessen Ziel es ist Potentiale zu erkennen.

Der Wandel in das digitale Zeitalter

Das digitale Zeitalter ist keine Modeerscheinung, sondern längst Realität. Eine Definition dieser habe ich bereits in meinen Artikel: Was ist digitale Transformation gegeben. So sagt die BitcomDigitale Transformation ist, wenn wir Bücher nicht mehr im Laden um die Ecke kaufen, sondern online das E-Book, das sofort auf unserem Lesegerät auftaucht. Digitale Transformation ist, wenn immer mehr Menschen das Programmfernsehen links liegen lassen und lieber Filme über Streaming-Anbieter anschauen. Wenn wir kein Babyphone kaufen, sondern unser Smartphone mit einer App dafür nutzen. Digitale Transformation ist, wenn Ärzte Patienten per Video-Chat beraten oder die Röntgendiagnose von einem telemedizinischem Zentrum kommt. Und wenn uns unser Auto nach der Feier autonom nach Hause fährt und sich anschließend selbständig einen Parkplatz sucht.

Was ist also nun der Unterschied? Während wir im Wissenszeitalter noch viele komplizierte Probleme lösen mussten, welche meist verstanden werden konnten und eigentlich nur Wissen fehlte, stehen wir nun vor neuen komplexen Probleme, welche sich grundlegend unterscheiden. Eine Veranschaulichung finden Sie in der folgenden Abbildung.

digitales Zeitalter
Kompliziert (blau) und komplex (rot) nach Niels Pfläging.

Ein digitales Zeitalter voller Komplexität

Die Umwelt von Unternehmen ist heute dynamischer und komplexer als vor 100 Jahren. Das ist eine Binsenwahrheit. Doch erst einige wenige Pionierunternehmen haben ihre Unternehmensführung den neuen Anforderungen angepasst, so dass sie der Komplexität und Dynamik deutlich erfolgreicher begegnen können als ihre Wettbewerber (Quelle bbrt.ch). Lesen Sie für mehr auch meinen Artikel zu Dynaxity.

Es wird also dynamischer und komplexer. Das von Pfläging beschriebene rote, also das komplexe, kann nicht mehr durch alte Methoden gelöst werden. Es haben sich also u.a. 2 sehr bekannte Methoden durchgesetzt, welche ich vorstellen möchte.

Scrum

Scrum ermöglicht in vielen Unternehmen, in kürzerer Zeit bessere Produkte zu liefern. Damit dies erfolgreich funktionieren kann, bekommen Entwicklungsteams einen dedizierten Scrum Master an die Seite gestellt, der ihnen bei Verbesserungen in der Zusammenarbeit untereinander aber auch im Unternehmen allgemein weiterhilft. Es hat sich in der Softwareentwicklung bereits als absolut führendes Rahmenwerk durchgesetzt. Für mehr zu Scrum schauen Sie in das Buch von Boris Gloger.

Lean Startup

Die Elemente der Lean-Startup-Theorie sind hierbei der interaktive Produkt-Launch, ein sehr kurzer Produktentwicklungs-Zyklus und, als wichtiges Element, das Kunden-Feedback. Das Feedback zu dem jungen Produkt ermöglicht das messbare Lernen bezüglich der Kundenwünsche und der Bedürfnisse des Marktes. Die gewonnenen Erkenntnisse führen dann wiederum zu einem weiteren Produktentwicklungs-Zyklus (Quelle Gründerszene). Mit dieser Methode habe ich u.a. meinen Startup Projektify aufgebaut. So können komplexe Sachverhalte sozusagen forschend betrachtet werden. Für mehr zum Lean Startup schauen Sie in das Buch von Eric Ries.

Komplexithoden

Zur Lösung komplexer Fragestellungen braucht es  also Methoden für Komplexität. Niels Pfläging nennt diese »Komplexithoden« – also Organisationswerkzeuge, die so lebendig sind wie heutige Märkte und heutige Arbeit. Lean Startup und Scrum sind nur einige wenige solcher Methoden. In der Abbildung finden Sie weitere Methoden für Komplexität. Für mehr Informationen können Sie in das Buch von Niels Pfläging schauen.

digitale Zeitalter
Methoden für das lösen von komplizierten und komplexen Sachverhalten im Kontext von Unternehmen. (Quelle Niels Pfläging)
Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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