Als ich in der Zeit vor meinem Studium 2006 bei einen Informationstag der Schule ein Unternehmen fragte, was genau ein Softwareentwickler macht, sagte mir der Unternehmensverteter scherzhaft: “Er tippt 0 und 1 in einen PC und das auf Dauer immer schneller und schneller”. Wir mussten danach beide lachen, doch es war zu diesem Zeitpunkt gar nicht so weit weg von Realität. Der Job des Softwareentwicklers war geprägt davon am PC zu sitzen und Programmiercode nach Vorgabe abzutippen.

Bis heute hat sich das Berufsbild Softwareentwickler vollkommen verändert. Bereits 2016 fragt zahlreiche Zeitschriften wie z.B. die Computerwoche: Was müssen Softwareentwickler können?. Schaut man auf die aktuelle Beschreibung des Berufsbild der Bundesagentur für Arbeit findet sich mehr als nur die reine Entwicklung nach Vorgabe:

  • analysieren,
  • konzeptionieren,
  • planen,
  • entwickeln und
  • betreiben von informationstechnischen Anwendungen

Die Tätigkeiten eines Softwareentwicklers sind mittlerweile von der bloßen Entwicklung auf den gesamten Zyklus einer Software inkl. Anfoderungsanalyse, Projektmanagement und Führung gewachsen. Weiterhin gibt es zahlreiche Spezialisierungen wie UX-Design, Backend-Entwickler, Middleware JEE, FullStack Developper und Web Developper.

Meine Erkenntnis: Scrum und flache Hierarchien nehmen Entwickler immer mehr in die Pflicht! Die voranschreitende Digitalisierung sorgt für immer mehr Spezialisierungen aber auch Generalisierung.

Lesetipp: Jeder hat sein Spezialgebiet aber kann auch in jedem anderen Bereich arbeiten: T-Shaped Professional.

Es werden viele Entwickler gesucht, welche aber nicht entwickeln sollen

Ich erlebe in letzter Zeit, dass sowohl bei den großen Beratungen wie Accenture/Capgemini als auch bei Konzernen sowie mittelständischen Unternehmen die meisten Stellenanzeigen Softwareentwickler sind.

Meine Erfahrung: Ich habe auf Recruiting selbst aktiv nachgefragt. Ich fragte die Personalerin nach Stellen als Projektleiter und Sie sagte mir, dass aktuell keine gesucht werden. Sie sagte mir aber, dass Entwickler für Java gesucht werden. Ich hätte als Entwickler super Möglichkeiten wie beispielsweise mich in Richtung des Projektmanagement zu entwickeln und das Team als z.B. Product Owner zu leiten. Ich kam um ein lächeln nicht hinweg: Sie suchte Projektleiter! Sie wusste es nur nicht!

Ich fragte weiter auf den Ständen nach den konkreten Aufgaben eines Softwareentwicklers und merke schnell, dass:

  • Die Stelle Entwickler C# auch ein Scrum Master ist
  • Die Stelle als Softwareentwickler (m/w/d) auch Projektleiter ist
  • Die Stelle als Fullstack Developper (PHP) auch Product Owner ist

Es ist übrigens auch sehr ähnlich beim Job des IT-Consultants.

Jobcrafting in der IT

Jobcrafting bedeutet für mich die Arbeit so zu gestalten, dass sie für mich (Mitarbeiter) freudebringend und für das Unternehmen möglichst gewinnbringend ist. 

Der Job des Softwareentwicklers zeigt am deutlichsten, dass Berufe zunehmend mehr verschwimmen und jeder Mitarbeiter ein wenig auch selbst seinen Job gestalten kann. Man kann im flexiblen Scrum Team seine Rolle selbst wählen und dabei eher die Organisation oder die Konzeption oder Entwicklung der Software übernehmen.

Flache Hierarchien verschwimmen Jobtitel

Durch flache Hierarchien ist es nicht mehr wie früher wichtig den Job im Vorfeld genau abzustecken, da die Tätigkeit sich mittlerweile fast monatlich ändert. Es gilt also selbstbewusst einzusteigen und den Job einfach so gestalten, wie man das möchte (Jobcrafting).

Ich glaube, dass vor allem die flachen Hierarchien eher auf einen einheitlichen Jobtitel drängen. Im Grunde könnte man in einigen Unternehmen auch einfach jeden Mitarbeiter nur Mitarbeiter/in nennen. was der Mitarbeiter dann daraus macht, liegt in seiner Hand.

Fazit: Sind wir bald alle Entwickler?

Die Fragestellung kann verneint werden. Natürlich sind wir bald nicht alle Softwareentwickler aber es zeigt sich ein deutlicher Trend Richtung Jobcrafting.

Durch flache Hierarchien und autonome Scrum Teams (Jobcrafting) wird es einfach immer schwerer die Jobs wirklich richtig zu bezeichnen. Die Wahl fiel dann in der IT auf die Stelle des Softwareentwicklers (m/w/d). Der anschließende Job kann dabei mittlerweile flexibel gestalten werden.

Zusammenfassend: Nein wir werden nicht alle Entwickler sein aber die Hierarchien werden flacher und Jobtitel immer unwichtiger. Am deutlichsten merkt man es bereits am Job des Softwareentwicklers. Wichtig ist, was man selbst aus seinem Job macht.

Mein Tipp: Nutzen Sie diese Flexibilität und bewerben Sie sich einfach auf eine solche Stelle als Entwickler mit dem Wunsch eher die Organisation als Projektleiter zu übernehmen.

Bildquelle. Geschäft Foto erstellt von freepik – de.freepik.com

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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