Vor kurzem (2019) hat Xing über 17.000 seiner Mitglieder zum Thema Gehalt befragt und ein primäres Ergebnis ist, dass jeder zehnte XING Nutzer für eine sinnstiftendere Arbeit den Job wechseln würde. Laut der Studie legt insbesondere die Generation Y Wert auf Sinn im Job als auf den “reinen Gehaltscheck am Ende des Monats”. 

Dies ist nur eine von vielen Umfragen, welche den Sinn in der Arbeitsausführung als sehr wichtig ansieht . Unter einem ähnlichen Aspekt habe ich 2019 mit 9 Teams Workshops zur Sinnsuche und Teamvision durchgeführt und mir ist aufgefallen, dass nicht jeder einen Sinn braucht und er oft vor allem bei Routineaufgaben schwer zu finden ist. Doch das Thema Sinn ist in den Köpfen vieler Manager aktuell ein so großes Thema, dass es eine regelrechte Sinnsuche in manchen Unternehmen losgetreten wird.

Lesetipp: Teamworkshop zur Sinnsuche

Sinnsuche in Unternehmen

Unternehmen werben oftmals mit Sinn bei der Arbeit und freier Entfaltung auf dem Karriereportal. Auch Magazine wie die WiWo geben Tipps wie man mehr Sinn in der Arbeit finden kann. Die wichtigsten sind:

  • Privaten Bezug zum Beruf herstellen
  • Neue Aufgaben suchen und weiterbilden
  • Ein produktives Umfeld schaffen
  • Bedeutung des Jobs verdeutlichen und erhöhen
  • In Sinnhaftigkeit investieren und Job eventuell wechseln

Nun wurde ich bei einen meiner Vorträge auf der Langen Nacht Wissenschaften 2019 gefragt ob eigentlich jeder Job einen so klaren Sinn will und ob das überhaupt für jeden notwendig ist. Ich fand diese Frage spannend und habe eine recht ausführliche Antwort gegeben, welche ich im folgenden zusammenfassen will.

Muss jeder Job Sinn haben?

Mich beschäftigt diese Frage auch persönlich schon sehr lange und ich denke auch für mich selbst nach, wieviel Sinn ich eigentlich brauche. In einem Interview mit Tim Hagemann in der Zeit findet sich folgendes Zitat:

Befragt nach ihrer ideellen Erfüllung fühlen sich Menschen, die in ihrer Tätigkeit einen Sinn sehen, glücklicher als Menschen, deren Job dem reinen Broterwerb dient. Anders herum kompensiert ein hohes Einkommen eine nicht erfüllende Tätigkeit.

Tim Hagemann in einem Interview mit der Zeit

Viele in meinen Umfeld suchen nach Sinn, freier Entfaltung und beruflichen Weiterkommen aber es gibt auch eine große Anzahl, welche sich eher ins Privatleben zurückgezogen haben. Ich erlebe diese Gruppe als vollkommen motiviert. Teilweise bauen sie gerade ein Haus oder finden Sinn in der Familie oder im Engagement in einem Verein. Der Beruf soll deswegen nicht so stressig sein, da er einfach dazu dient das Leben eben finanzieren zu können. Diese Gruppe hat einen Sinn aber er liegt nicht im Beruf.

Ich glaube das jeder einen Sinn braucht aber er muss nicht zwanghaft im Job liegen.

Proaktive Arbeit macht mehr Sinn als reaktive Arbeit

Weiterhin möchte ich auf die zweite Gruppe eingehen: die große Anzahl der Sinnsucher im Job. Ich habe in meinen Workshops mit den Teams gemerkt, dass bei eher proaktiven Jobs wie Vertrieb oder agilen Teams mit Kundenbezug der Sinn viel einfacher zu finden war als bei Routineaufgaben wie z.B. Rezeptionist, Support oder einer Telefonist/in. Doch was meine ich damit genau?

Einfache Sinnfindung bei prokativen Aufgaben

Laut Duden bedeutet Proaktiv: “durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend“. Es geht also um Jobs, in welchen der Arbeitsalltag und die Aufgaben weitgehend selbst bestimmt werden können.

Ich finde das oft bei den agilen Consulting Teams oder im Vertrieb. Die agilen Teams beispielsweise haben den Kunden beraten, neue Technologien empfohlen und diese umgesetzt. Es war also eine eher proaktive Arbeit mit viel eigenen Einfluss. Visionen wie: “Wir machen den Kunden erfolgreich und helfen die Mobilität von morgen zu entwickeln” waren genug und haben das Team motiviert und einen Sinn gegeben. Die Motivation war die eigenen Ideen den Kunden zu verkaufen und ihn damit erfolgreich zu machen.

Schwere Sinnfindung vor allem bei reaktiven Routineaufgaben

Eher schwer war es bei der Suche nach dem Sinn bei Teams mit Routineaufgaben. Diese sind eher reaktiv: Man reagiert auf ein Ereignis und ist quasi eher fremdgesteuert. Nehmen wir eine Mitarbeiterin an der Rezeption eines Hotels. Natürlich wollen wir die Gäste zufriedenstellen und das beste Hotel der Welt sein. Doch das Problem ist, dass der Job recht reaktiv ist.

Konkret: Ein Gast kommt und ich bearbeite sein Anliegen. Ähnlich ist auch am Bankschalter oder in der deutschen Post bzw. in meinem Umfeld im Support. Ich war vor einiger Zeit gemeinsam mit der Regierung von NRW und der DIHK im Schloss der Arbeit in Dortmund. Auch Bergarbeiter litten stark unter der Arbeit, da man das Gefühl hatte eigentlich nie fertig zu werden, da der Berg schier unendlich schien.

Bei den genannten Job hat ein Mitarbeiter/in eigentlich das Gefühl, dass man nie weiterkommt und man auch nicht direkt fertig wird, da immer wieder ein Kunde nach dem anderen kommt. Es war schwer bis fast unmöglich wirklich eine Vision und Sinn in der Arbeit zu finden. Wir hatten erste Entwürfe aber ich war nicht zufrieden.

Aktuell glaube ich, dass man vielleicht gar keinen Sinn finden muss. Die Teams aus meinen Workshops sagten mir, dass diese so hoch motiviert sind, weil einfach das Arbeitsumfeld gut ist. Das bedeutet konkret: Ich arbeite für ein gutes Gehalt mit meinen Lieblingskollegen zusammen und mache halbwegs was mir Spaß macht. Vielleicht ist das der richtige Weg?

Fazit

Im Fazit kann ich sagen, dass sich die Frage auf zwei Arten beantworten lässt. Erstens gibt es eine große Anzahl, die einen Sinn nicht im Job suchen und deswegen keinen brauchen. Zweitens unterteilt sich die Gruppe der Sinnsucher im Job nach zwei Arten: reaktive und proaktive Arbeit.

Proaktive Arbeit hat oft einen einfach zu findenden Sinn. Für die reaktive Arbeit fällt es uns noch schwer einen Sinn zu finden. Mein Ansatz ist, dass wir es nicht erzwingen sollten, sondern für reaktive Arbeit einfach ein gutes Umfeld zur Motivation wichtig ist.

Konkret: Ordentliches Gehalt, nette Kollegen, moderne Büros und gute Führung. Zumindest haben das meine letzten Gespräche mit Mitarbeitern ergeben, welche eine solche reaktive Arbeit erledigen. Was meinen Sie? Wie wichtig ist Ihnen der Sinn im Job?

Wieviel Sinn brauchen Sie im Job?

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/empfang-frau-sekret%C3%A4rin-corporation-2507752/

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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