“Wir leben in einer VUCA-Welt” hört und liest man in letzter häufiger. Der Begriff VUCA ist jedoch keinesfalls neu und stammt aus der Zeit des kalten Kriegs. Dort wurde er von der US-Army als Beschreibung der komplexen und “unlogischen” Situation genutzt. Nun scheint dieser Begriff im Zuge der digitalen Transformation wieder Einzug in die Literatur zu finden. Doch was steckt dahinter?

VUCA-Welt

Was bedeutet eigentlich der Begriff “VUCA Welt” und wie ist dieser zu interpretieren? Einen Ansatz habe ich im Blog der Complement gefunden. So steht VUCA (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit) für folgendes:

  • V (Volatilität) – bereiten Sie sich auf wilde Zeiten vor. Die Herausforderungen werden unerwartet und unstabil sein und Sie für einen unbestimmbaren Zeitraum beschäftigen.
  • U (Unsicherheit) – kaum Vorhersehbarkeit, kaum Prognostizierbarkeit, Potential für Überraschungen
  • C (Komplexität) – keine trivialen „Kochrezepte“, Umfeld nicht vereinfachbar, nicht standardisiert lösbare Herausforderungen (viele Einflussfaktoren, schwierige Abgrenzung)
  • A (Mehrdeutigkeit) – oft schwer, Ursache und Wirkung zu finden – Mehrdeutige Erkenntnisse, typisch: „Alle Fakten liegen auf dem Tisch und was heißt das jetzt?“

Nehmen Sie sich Zeit für eine kurze Frage!

Was bewerten Sie am höchsten?

Was ist neu in der VUCA Welt?

“Eine VUCA-Welt straft Untätigkeit und Unentschlossenheit brutal ab. Abwarten und die Hände in den Schoß zu legen zahlt sich heute nicht mehr aus, sondern birgt extreme Risiken. Selbst wenn wir nicht sofort aktiv werden, so ist es doch notwendig, das Problem aus mehreren Perspektiven und Blickwinkeln zu betrachten und umgehend an kreativen Lösungen zu arbeiten – und zwar schon dann, wenn das Problem auftaucht”, so das Management Portal. Außerdem stellt das Portal weiterhin fest: „Eine VUCA gewordene Welt produziert aufgrund ihrer Komplexität Mehrdeutigkeiten. Ihre Schnelligkeit führt zu Ungewissheiten. Planung und Vorausschau ist kaum noch möglich.” Ein Treiber hierfür soll laut einiger Quellen die digitale Transformation sein. Doch wie genau sich diese auf die VUCA Welt auswirkt ist noch nicht ausreichend bekannt.

Digitale Transformation

Die digitale Transformation ist in aller Munde. Doch was bedeutet diese Transformation und warum ist diese so “VUCA”? Lübbers sieht die digitale Transformation aus 2 Gesichtspunkten:

  • Digital: Veränderung in der Gesellschaft auf Basis von Technologie
  • Transformation: Prozess mit Anfang und Ende

Eine Veränderung in der Gesellschaft mit einen Anfang sowie einen Ende. Wenn Sie mehr über das Thema Wissen wollen, können Sie meinen Artikel zur digitalen Transformation lesen. Dies klingt nun insgesamt auf den ersten Blick nicht so komplex und noch sehr vage formuliert. So bleibt also die Frage was ist so VUCA? Die Prezi von Lübbers liefert dazu einige Beispiele, welche sich in der Abbildung finden.

digitale Transformation
Die digitale Transformation bringt viele Aspekte und Trends mit sich, welche als “komplex” bewertet werden. (Quelle Lübbers, eingebettet aus Prezi)

So zeigt sich also in der Abbildung, dass die digitale Transformation aus vielen Aspekten besteht und uns Zusammenhänge sowie Auswirkungen nicht richtig bewusst sind. Fehler sind also nicht ausgeschloßen und Verantwortung muss verteilt werden um Komplexität zu reduzieren. Sicherlich zeigt diese Abbildung nur einen Bruchteil der Faktoren, jedoch stellt sich klar heraus, dass es sich um mehr als nur einen “kleinen” Trend handelt.

Und was machen wir jetzt?

Die Frage in der Überschrift stellt wohl den Status Quo von Managern da. Es ist klar, dass wir uns in einer zunehmenden VUCA Welt befinden aber wie reagieren wir nun auf diese?

Zusammenfassend stelle die Complement folgende Thesen auf:

  • Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.
  • Alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt werden.
  • Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden.

Insgesamt scheinen diese Thesen wohl etwas überspitzt und vor allem Unternehmen werden darauf achten mit “Sinn” und “Verstand” zu digitalisieren. Aber es zeigt wohl klar die Richtung auf, welche ein Unternehmen einschlagen sollte nämlich den digitalen Wandel.

Auf die Arbeitswelt angewendet, macht es Sinn, sich mit Veränderungen zu arrangieren, in dem man sein Wissen und Können erweitert, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Mit Menschen zu reden, anstatt sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen. Über den Tellerrand hinausschauen, um Trends zu erspüren (Nicole Willnow).

So ergeben sich erste Handlungsempfehlungen für die digitale Transformation in der VUCA Welt. Einige sind in der unten stehenden Abbildung zu finden. Der Autor hat nach den Kriterien von VUCA spezifische Maßnahmen zugeordnet. Diese könnten als erst Leitlinie verwendet werden und müssen sicher von Unternehmen noch um viele Faktoren ergänzt werden. Aber für einen ersten Diskussionsansatz sind diese definitiv geeignet.

VUCA Welt
Handlungsempfehlungen für die VUCA-Welt (eigene Darstellung)

WIE SEHEN SIE DAS?

Wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren möchten, können Sie gerne an den Roundtables teilnehmen und relevante Themen mit mir und anderen Experten diskutieren. Oder schreiben Sie in die Kommentare wie Sie mit diesem Trend umgehen. Lesen Sie auch meinen Artikel zu zur digitalen Transformation, der digitalen (R)evolution oder den digitalen Darwinismus. Beachten Sie auch in meine weiteren Buchvorschläge für die digitale Transformation.

 

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

2 Kommentare

  1. Bruno Baketaric antworten

    Komplexität auf Variablenvielfalt zu beziehen ist erheblich zu kurz gesprungen. Das entscheidende an Komplexität ist viel mehr, dass a) die Beziehung zwischen Ursachen und Wirkung nicht im Vorfeld zu durchschauen sind; b) kleinste Änderungen extreme Auswirkungen haben können und c) komplexe Systeme emergente Eigenschaften entwickeln ( vgl. https://www.amazon.de/Complexity-Very-Short-Introduction-Introductions/dp/0199662541 ).

    All dies macht es nahezu unmöglich, Unsicherheit bzw. Risiko durch Planung zu reduzieren – für viele eine sehr unbequeme Wahrheit. Planung basiert im wesentlichen auf Annahmen über die Zukunft basierend auf der Vergangenheit. Wenn Komplexität “nur” für Variablenvielfalt stünde, könnte man dies mit den heutigen Mitteln durchaus in den Griff bekommen. Es wäre zwar nach wie vor schwierig, aber möglich.

    Wenn aber Planung nicht mehr zu den guten Ergebnissen führt, wie in der Vergangenheit, was ist die Alternative? Strukturiertes Ausprobieren! Kleine Änderungen durchführen, deren Effekt erfassen, begreifen, nächste Änderung. Ob man das dann OODA, PCDA, Kaizen, Build-Measure-Learn oder wie auch immer (z. B. “Führung auf Sicht”) nennt, ist egal. Und auch wenn das so explizit nicht im agilen Manifest steht, kann man die 4 Werte desselben gut darauf beziehen.

    Unternehmen müssen wieder lernen zu Experimentieren und aus Fehlern zu lernen; sie als Erkenntnisgewinn zu begreifen, anstatt sie zwanghaft vermeiden zu wollen. Jene, die dies schneller schaffen, haben einen echten Wettbewerbsvorsprung.

    • Dominic Lindner antworten

      Hallo Bruno,

      danke für die Ergänzung. Ich denke, dass man zu allen 4 Punkten noch einige Punkte ergänzen kann und sicherlich ist jeder Punkt in seiner Art hinterfragbar. Mit den Artikel habe ich einen ersten Vorstoss in die VUCA-Welt gemacht und ich denke, dass ich im laufe des nächsten Jahres noch weiteren Input liefern kann.

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