Besonders in den letzten 5 Jahren ist die Bedeutung für virtuelle Teams und Homeoffice in Unternehmen gestiegen. Insbesondere im Vergleich zu Beginn der 2000er Jahre lässt sich hier ein echtes Wachstum erkennen. Mittlerweile arbeitet fast jeder Angestellte in irgendeiner Form virtuell mit seinen Kollegen zusammen. Dies geschieht dabei oftmals über E-Mail oder festgesetzte Homeoffice-Tage.

Eindeutiger Vorteil dieser Arbeitsweise ist dabei ganz klar die Standortunabhängigkeit. Sie ermöglicht es Unternehmen, Expertenteams zusammenzustellen, die auch über länder-, zeit- und Unternehmensgrenzen hinaus in einem intakten System miteinander arbeiten können.

Welche Faktoren sich dabei zu entscheidenden Treibern dieser Arbeitsmethoden entwickelt haben, möchte ich in diesem Artikel näher erläutern. Alle Informationen spiegeln dabei eine Zusammenfassung aus Kapitel 1 meines Buches Virtuelle Teams und Homeoffice vom Springer Verlag wider.

Vier entscheidende Treiber für virtuelle Teams und Homeoffice

Die Umstrukturierung alter Arbeitsweisen oder die Integrierung neuer Arbeitsmethoden im Verlauf der Zeit wird meist durch Trends, Veränderungen oder äußere Einflüsse und Ereignisse begründet.

Schaut man sich diesbezüglich den Zeitintervall der letzten fünf Jahre genauer an, hat sich ergeben, dass virtuelle Teams und Homeoffice insbesondere diesen 4 Treibern zugrunde liegen:

  • Arbeit 4.0 / New Work / Homeoffice
  • COVID-19 Pandemie im Jahr 2020
  • Outsourcing
  • Vergünstigung von Technologie

Im Folgenden möchte ich nun näher auf jeden einzelnen Treiber eingehen und dessen Relevanz und Einfluss näher beleuchten.

Arbeit 4.0 und Homeoffice

Arbeit 4.0

Der Begriff “Arbeit 4.0” oftmals auch in Verbindung mit dem Synonym “New Work” beschreibt die Arbeit im digitalen Zeitalter. Darüber hinaus aber auch die zunehmende Nutzung technologischer Hilfsmittel in den generellen Strukturen von Unternehmen.

Treibende Kraft dieses Changes von traditionellen Arbeitsmethoden hin zu einem modernen Work-Konzept ist dabei vor allem die Generation Y (Geburtsjahr 1980-1995). Diese legt einen vergleichsweise stärkeren Wert auf die Work-Life-Balance. In Zuge dessen sucht sie gezielt nach Arbeitgebern, die diesen Ansprüchen entgegenkommen (basierend auf den Ergebnissen laut der Studie von Xing aus dem Jahr 2019; nähere Infos s. S. 2 meines Buches Virtuelle Teams und Homeoffice).

Insbesondere in Verbindung mit dem vorherrschenden Fachkräftemangel befindet sich die Generation Y dabei in einer starken Verhandlungsposition und zwingt Unternehmen spezielle Gleitzeit- und Vertrauensarbeitszeitmodelle sowie virtuelle Teams und Homeoffice zu erproben und als festen Bestandteil des Arbeitsvertrages anzubieten.

Homeoffice

Insbesondere der letztere Aspekt der Möglichkeit von Homeoffice oder auch Remote Arbeit hat sich dabei zu einem geschätzten Faktor bei der Arbeitnehmersuche entwickelt. grundsätzlich beschreibt diese Arbeitsmethode dabei die Option die aufgetragenen Tätigkeiten auch außerhalb des Unternehmens in einem frei gewählten Umfeld verrichten zu können. Erkennen lässt sich dieser Trend insbesondere auch an folgender Abbildung:

Studie zu Homeoffice (Lindner 2020)

Die Grafik basiert dabei auf einer im Rahmen eines meiner Bücher durchgeführten Studie (vgl. Lindner und Niebler 2018). Hierbei wurden die Teilnehmer befragt, ob sie die Zeit im Homeoffice als ausreichend empfinden oder ob mehr Zeit im gewünscht wird.

Anhand der Ergebnisse zeigt sich dabei ganz klar, dass bereits die Mehrheit der Mitarbeiter Homeoffice nutzt. Grundsätzlich besteht dabei auch der Wunsch nach einer Steigerung wobei diese jedoch nur bis maximal 2 Tage pro Woche besteht. Teilweise ergab sich aber auch, dass sich einige Mitarbeiter sogar gar kein Homeoffice wünschen.

COVID-19-Pandemie im Jahr 2020

Zum aktuellen Zeitpunkt hat sich aber insbesondere auch die COVID-19-Pandemie zu einem wesentlichen Faktor entwickelt, der zu einer Steigerung der Homeoffice-Möglichkeit für Mitarbeiter beigetragen hat.

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Mittlerweile arbeiten laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (vgl. IAB 2020) in der Hochphase der Pandemie so bereits 25% der Angestellten in Deutschland gänzlich im Homeoffice (vgl. untere Grafik). Dies entspricht dabei einer Steigerung von 20% im Vergleich zu der Zeit vor COVID-19. Jedoch zeigt sich, das mit Abschwächen der Pandemie auch die Homeoffice-Rate deutlich zurück geht. Laut Schätzungen wird sie sogar zurück auf 7,5% fallen (vgl. S. 4 meines Buches Virtuelle Teams und Homeoffice).

Anteil der Arbeitnehmer im Homeoffice (Lindner 2020)

Chancen der COVID-19-Pandemie

Jedoch möchte die Regierung genau hier ansetzen und die Pandemie als Wegweiser für neue Arbeitsmethoden nutzen. So plant Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD; vgl. Zeit 2020a) die Homeoffice-Option zukünftig fest im Arbeitsgesetz zu verankern.

Denn aktuell scheuen sich laut einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (2020) noch viele Unternehmen die Arbeit von Zuhause als dauerhafte Möglichkeit anzubieten. Gleichzeitig wünschen sich aber (auch nur) knapp 60 Prozent aller Angestellten genau diese Option (nähere Infos s. S. 4 meines Buches Virtuelle Teams und Homeoffice).

Gründe für Zweifel und Zurückhalten beiderseits ist vor allem die große Unerfahrenheit. Durch die Pandemie und den Zwang zu Remote Arbeit hat sich ganz klar gezeigt, dass viele Unternehmen sich virtuell gesehen noch auf einem alten Standpunkt befinden. Besonders die technische Infrastruktur und klare Regelungen fehlten hier.

Gleichzeitig mussten aber auch die Mitarbeiter die Arbeit von Zuhause gänzlich neu organisieren. Zum einem vor dem Hintergrund der fehlenden Kinderbetreuung. Insbesondere aber auch aufgrund eines nicht adäquat ausgestatteten Arbeitsplatzes in den eigenen vier Wänden.

Zusätzlich erschwerten Misstrauen seitens der Arbeitgeber (da die Arbeitsleistung weniger gut überprüft werden kann) sowie das aktuell vergleichsweise weniger effiziente Arbeiten (z.B. durch Kindergeschrei im Hintergrund) das Vertrauen in die dauerhafte Einführung einer Homeoffice-Option.

Outsourcing

Aber auch das Outsourcing vieler Unternehmen hat sich zu einem Treiber für virtuelle Teams und Homeoffice entwickelt. Gemeint ist dabei insbesondere die Übertragung von Unternehmensabgaben an externe, oftmals ausländische, Partner.

Dabei ist das Outsourcing im europäischen Raum, auch Nearshoring genannt, dank der geringeren Barrieren wie Zeit, kulturelle und sprachliche Unterschiede oftmals leichter zu organisieren als das Offshoring (weltweit). Denn hierbei müssen die Mitarbeiter eines Unternehmens deutlich mehr Anforderungen entgegenkommen, wenn sie virtuell mit dem Outsourcing-Provider kooperieren.

Erhebungen wie die von Statista (2020) zeigen zudem, dass das Outsourcing immer mehr als fester Bestandteil in den Strukturen deutscher Unternehmen verankert wird. Gleichzeitig gewinnen dabei auch virtuelle Teams und Homeoffice massiv an Bedeutung (nähere Infos s. S. 5f. meines Buches Virtuelle Teams und Homeoffice).

Vergünstigung von Technologie

Aber auch der Zugang zu Technologie spielt eine wesentliche Rolle wenn es darum geht virtuelle Teams und Homeoffice nachhaltig zu implementieren. Denn um auch außerhalb der gut ausgestatteten Unternehmensstrukturen gut miteinander arbeiten zu können, wird die richtige mobile Soft- und Hardware benötigt.

Was vor einigen Jahren noch als echtes Kostenproblem angesehen wurde, hat sich mittlerweile in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Denn dank günstiger Software-Pakete wie SaaS (Software as a Service) ist die richtige Ausstattung der Belegschaft längst kein kostenintensiver Faktor mehr. Stattdessen können hier für vergleichsweise geringe Gebühren alle wichtigen Anwendungen über das Internet genutzt werden. Mithilfe eines mobilen Gerätes und nach Anlegen eines User-Accounts ist es zudem schnell nutzbar und von überall aus zugreifbar.

Und auch im Bereich der Hardware müssen Unternehmen längst keine Unsummen mehr ausgeben um ihre Mitarbeiter ausreichend für virtuelle Teams und Homeoffice auszustatten. Mobile Hardware wie beispielsweise Laptops gibt es schließlich mittlerweile kostengünstig bereits schon für mehrere hundert Euro zu erwerben.

Virtuelle Teams und Homeoffice: Fazit

Aktuell befinden sich Arbeitsmethoden wie virtuelle Teams und Homeoffice noch in den Lauflernschuhen. Bisher wurden sie in Unternehmen nur minderwertig etabliert oder gar nicht erst angeboten. Dieser Zustand befindet sich aber in einer Revolution, auch wenn sich viele Arbeitgeber noch immer vor den damit verbundenen tiefen Einschnitten scheuen.

Virtuelle Teams schneiden tief in die Unternehmensprozesse ein, was oftmals im Unternehmen nicht genehmigt wird (Lindner 2020)

Dennoch hat sich gezeigt, dass sich einige Faktoren als entscheidende treibende Kräfte beim Wachstum dieser modernen Arbeitsmethoden herauskristallisieren lassen.

Während sich die Treiber wie Arbeit 4.0, Outsourcing und technologische Vergünstigungen bereits über einen längeren Zeitraum entwickeln, hat sich die COVID-19-Pandemie als neuer Trend eingereiht. Insbesondere sie wird auch noch in den kommenden Jahren wesentlichen Einfluss auf virtuelle Arbeit haben. Durch sie wurden und werden auch weiterhin viele Unternehmen gezwungen einen verstärkten Fokus auf virtuelle Teams und Homeoffice zu legen.

Tipp: Lesen Sie mein neues Buch: virtuelle Teams & Homeoffice bei Springer Gabler oder buchen Sie mich für einen Vortrag.

Lindner, D. (2020) – virtuelle Teams und Homeoffice – Leitfaden für Technologie, Arbeitsmethoden und Führung. Springer Verlag

Bildquelle: https://pixabay.com/de/illustrations/covid-19-arbeiten-von-zu-hause-4938932/

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Autor

Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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