Die aktuelle Generation von Top-Managern leidet an einem Imageproblem. Erst jüngst wurde Wirecard-CEO Markus Braun verhaftet und Wirecard-COO Jan Marsalek ist seitdem auf der Flucht (Wirtschaftswoche 2020). Der Tatbestand ist die Fälschung von Bilanzen. Ebenfalls steht Ex-Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender und Fleischunternehmer Clemens Tönnies aktuell unter dem Verdacht des Betrugs mit Lieferscheinen und Werkverträgen unter schlechten Hygienebedingungen, der einem Schaden von 4 Mio. Euro verursacht haben soll. In diesem Zusammenhang steht auch Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel unter Verdacht, Tönnies vor einer damaligen Strafe bewahrt zu haben.

Doch dies sind keine Einzelfälle. Mit Audi-Manager Ruppert Stadler steht ein weiterer Top-Manager vor einer Anklage mit den Punkten Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung (Handelsblatt 2020). Auch Ex-Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff sitzt wegen Steuerhinterziehung und Untreue aktuell im Gefängnis. Nach einer Gerichtsverhandlung sprang er 2017 aus dem Fenster des Gerichtsgebäudes und versuchte zu fliehen. Ein weiteres Beispiel ist Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn, der über 50 Millionen Dollar verschleiert haben soll und sich anschließend bis zu seiner Verhaftung auf der Flucht befand (Handelsblatt 2020).

Wenn Top-Manager sich unantastbar fühlen

Solche Straftaten lassen sich oft nur damit erklären, dass sich bei den Top-Managern wohl ein Gefühl der Unantastbarkeit eingestellt hat. Die genannten Beispiele zeigen aber auch, dass für Top-Manager kein Freifahrtschein gilt. Auch sie sind an Gesetze und Normen der Gesellschaft gebunden. Wie konnte es dazu kommen, dass die genannten Top-Manager zu Straftaten fähig sind und trotz vieler Berater vor Gericht kaum reflektiert erscheinen und sogar aus Fenstern springen? Die Gründe liegen in diesem Fällen nicht mehr bei Geld und Macht, sondern tief im Charakter der Top-Manager.

Veränderung des Charakters im Laufe der Zeit

Die Mehrheit der genannten Top-Manager stammt oftmals aus einem normalen Elternhaus und ist mit anderen Werten erzogen worden. Verloren gegangen ist ihnen aber im Laufe der Zeit das Gefühl für Grenzen und für die Unterscheidung von richtig und falsch im eigenen Verhalten (Wirtschaftswoche 2016). Beispielsweise zahlte VW Millionenboni an Top-Manager nach dem Dieselskandal und der Entlassung vieler Mitarbeiter aus und Clemens Tönnies forderte nach dem Corona-Ausbruch aufgrund eigenes verschuldeter Hygienebedingungen einen Lohnausgleich vom Staat. Es ist eine eigene Wahrnehmung: Man dürfe ungestraft gegen jede Art von Regeln verstoßen, nur weil man in der Unternehmenshierarchie bis ganz nach oben aufgestiegen ist und es fällt schwer auf empathische Weise noch richtig und falsch zu unterscheiden. 

Top-Manager sind Ausnahmetalente

Doch woher kommt diese Annahme? Top-Manager sind oftmals Ausnahmetalente, die leistungsfähiger und durchsetzungsstärker als andere Manager sind. Es sind Menschen, die extrem schnell im Aufnehmen, Strukturieren, Analysieren und Verarbeiten von Informationen sind und entschlossen entscheiden. Das prägt ihr Selbstbild und ihr Verhalten. Selbst auf höchster Stufe vertrauen diese Ausnahmetalente oftmals nur auf sich. Top-Manager werden bereits dauerhaft durch Unternehmensberater und Coaches beraten, doch oftmals macht die Denkweise der Ausnahmetalente sie resistent gegen Coaching und Wandel, der nicht von ihnen selbst ausgeht.

Management macht einsam

Der CEO Snapshot Survey zeigt, dass knapp 60 % von 1000 befragten Managern zugeben, sich einsam zu fühlen. Isoliert Macht Manager in der Organisation und sind diese „lonely at the top“? Laut der Studie gibt es folgende Gründe dafür:

  • Abschottung der Top-Manager aufgrund von Machtkämpfen und Intrigen,
  • die Wahrnehmung, dass Top-Manager wenig nahbar sein sollten,
  • mittlere Manager schotten den eigenen Bereich ab,
  • Manager und Mitarbeiter sind eingeschüchtert durch Macht und Reichtum des Top-Managers und
  • mangelnde Sympathie aufgrund gewisser Charaktereigenschaften des Top-Managers.

Besonders eine solche durch die Organisation bedingte Einsamkeit kann ebenfalls dazu beitragen, den Charakter maßgeblich zu verändern.

Eine neue Generation Manager punktet mit Charakter

Top-Management braucht Charakter – eine neue Generation von Top-Managern setzt den alten grauen Mann mit Charisma, Dreistigkeit und Cleverness unter Druck.

Neben den vielen negativen Schlagzeilen sorgt eine Reihe von deutlich jüngeren Managern und änderungsbereiten etablierten Top-Managern für eine Reihe von positiven Schlagzeilen. Diese Manager scheinen mit einem positiven Charakter und Authentizität zu punkten.

Beispielsweise wurde der oft leger gekleidete und in der Sprache sehr direkte Fußballtrainer Jürgen Klopp vom Manager Magazin für „Management mit Charisma, Chuzpe [Dreistigkeit] und Cleverness“ (Manager Magazin 2019) zum Manager des Jahres gewählt. Diese Entscheidung steht im deutlichen Gegensatz zu jenen der Vorjahre und löste eine kontroverse Diskussion aus. Ein weiteres Beispiel ist Ex-Daimler-Vorstand Dieter Zetsche, der die Krawatte bei Daimler abschaffte und bei einer Präsentation mit einem T-Shirt mit der Aufschrift ‚Do Epic Shit‘ für einen regelrechten Skandal in den Top-Management-Etagen deutscher Dax-Konzerne sorgte (vgl. Wirtschaftswoche 2018).

Beide Manager stellen einen Antityp zum alten, grauhaarigen Mann mit Krawatte und Anzug dar und brechen mit dem klassischen Managerbild, das sich seit den 1980er-Jahren in den Köpfen etabliert hat. In diesem Zusammenhang scheint mit jungen Top-Managern aus Startups wie Daniel Kraus (Flixbus), Valentin Stalf (N26), Dominik Richter (HelloFresh) und Anna Alex (Outfittery) eine neue Generation an Managern mit besonderem Charakter, Authentizität, Offenheit, Chuzpe und legerer Kleidung zu entstehen.

Eine neue Generation Manager scheint positives Licht auf Top-Manager zu werfen. Grundlegend scheint der Charakter der genannten Top-Manager ein wichtiger Faktor in der öffentlichen Wahrnehmung auch des Erfolgs zu sein. Es gilt sich deswegen mit dem Charakter von Top-Managern intensiver zu befassen. Doch wie sollte eigentlich genau der Charakter eines Top-Managers aussehen? Dazu veröffentliche ich im Oktober 2020 einige Interessante Fakten aus einer Studie hier im Blog.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/illustrations/teamgeist-teamwork-euro-silhouette-207319/

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Quellen

CEO Snapshot Survey (2012). https://hbr.org/2012/02/its-time-to-acknowledge-ceo-lo

Handelsblatt (2020). Geld weg, Firma weg, Karriere weg. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/management-geld-weg-firma-weg-karriere-weg-wie-es-fuer-topmanager-nach-der-haft-weitergeht/23751204.html

Manager Magazin (2019). Magie des Motivators. https://www.manager-magazin.de/premium/juergen-klopp-fc-liverpool-managementskills-von-koenig-fussball-lernen-a-00000000-0002-0001-0000-000163470763

Wirtschaftswoche (WiWo) (2016). Wenn Vorstände das Gefühl haben, unantastbar zu sein. https://blog.wiwo.de/management/2016/03/07/wenn-vorstaende-das-gefuehl-haben-unantastbar-zu-sein-kommentar-von-ulrich-goldschmidt/

Wirtschaftswoche (WiWo) (2018). Zetsche, der gescheiterte Kulturrevolutionär. https://www.wiwo.de/my/unternehmen/auto/abtritt-des-automanagers-zetsche-der-gescheiterte-kulturrevolutionaer/23118104.html

Wirtschaftswoche (WiWo) (2020). Marsalek ist nicht der einzige Topmanager auf der Flucht. https://www.wiwo.de/erfolg/management/ex-wirecard-vorstand-marsalek-ist-nicht-der-einzige-topmanager-auf-der-flucht/25979652.html

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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