Agilität ist ein Mindset und geht vorrangig vom Charakter aus. Doch wie sieht so ein Charakter aus und wie kann ich sowas greifbar machen? Das habe ich mich schon lange gefragt und ich wollte wissen: wie kann ich Managern und mir dieses agile Mindset greifbar machen und das schwammige Theme Agilität und Charakter aufarbeiten.

Ich glaube das Agilität besonders im Management vom Charakter einer Person abhängig. Dieses Agile Mindset hat man oder hat es eben nicht – finde ich. Es gibt also einen spezifischen Charakter bzw. Charakterbild, welches als agil gilt oder zumindest Menschen die Lehre von Agilität repräsentiert sehen. In diesem Artikel möchte ich zuerst zeigen wie ein Charakter beschrieben werden kann und dann aus Gesprächen mit Managern zeigen wie ein solcher Charakter aussieht, der als “agil” betrachtet wird aussieht.

Beschreibung eines Charakters

Authentisches Management wird als Mindset, Verhaltensweise oder persönliche Einstellung beschrieben. Es geht deswegen bei Managern oftmals um den Charakter, der maßgeblich für den Erfolg sein soll. Ein Charakter kann mit den Big Five (auch Fünf-Faktoren-Modell) beschrieben werden. Das Big-Five-Modell gilt mittlerweile als eine Art Standard der Beschreibung von Persönlichkeiten und wurde innerhalb der letzten zwanzig Jahre in über 3 000 wissenschaftlichen Studien verwendet (John et al. 2008). In der folgenden Abbildung 1 wird das Modell grob aufgezeigt und es werden für jede seiner Dimensionen drei Beispiele pro hoher und niedriger Faktorausprägung präsentiert. Zum besseren Verständnis wird jede Dimension noch kurz erläutert:

  • Offenheit: Die Bereitschaft, sich mit neuen Sachverhalten unvoreingenommen auseinanderzusetzen
  • Gewissenhaftigkeit: Selbstkontrolle und Genauigkeit einer Person
  • Extraversion: Einstellung im Umgang mit anderen Personen
  • Verträglichkeit: Die Anpassung und Fähigkeit andere Menschen zu verstehen.
  • Neurotizismus: Emotionale und psychische Stärke eines Menschen
Abb. 1: Big-Five-Persönlichkeitsmodell

BEFRAGUNG ZUM CHARAKTER EINES TOP-MANAGERS

Nun stellt sich die Frage, wie der Charakter eines Top-Managers aussehen könnte und welche Eigenschaften relevant für ein authentisches Management sind. Ich habe dazu über eine Umfrage am Blog und in persönlichen Gesprächen mit Top-Managern aus meinen Umfeld das Big-Five-Modell evaluiert. Die Manager aus meinem Umfeld waren wie folgt:

  • 4 x Manager mit 50–99 Mitarbeitern, 
  • 9 x Manager mit 100–249 Mitarbeitern,
  • 3 x Manager mit 250–499 Mitarbeitern und
  • 4 x Manager mit über 500 Mitarbeitern. 

Die Studie ist nicht streng akademisch sondern wurde von mir aus Lust und Interesse durchgeführt. Ich habe aber versucht soweit möglich auf die saubere Ausführung zu achten. Ich habe den Managern 15 Schieberegler – 3 pro Kategorie des Frameworks gezeigt. Die Schieberegler sollten so zwischen zwei gegensätzlichen Werten gewichtet werden z.B. Schnelligkeit/Perfektion. Die Mittelwerte der jeweiligen Antworten und Ausprägungen des Charakters finden Sie als Leitbild in der folgenden Abbildung 2. Aufgabe der Manager war ein Zielbild zu definieren, welches Sie als authentischen und guten Charakter eines Managers sehen würden.

Abb. 2: Ermitteltes Wertebild der Top-Manager

Das Modell zeigt ein Leitbild für den Charakter eines Managers. Das Leitbild kann als Orientierung für aktuelle Top-Manager dienen. Im Folgenden werden die Ergebnisse genauer erläutert und mit aktuellen Top-Managern beispielshaft verglichen. Die Vergleiche basieren auf Berichten aktueller Medien und dienen als Beispiel.

Offenheit

Die erste Dimension ist Offenheit: Laut den Probanden sollte ein Top-Manager vielseitig interessiert und offen für das Ungewöhnliche sein. Weiterhin sollte eine leichte Tendenz zu einem positiv verrückten Charakter bestehen. Speziell Managertypen wie Elon Musk (Tesla) und Steve Jobs (Apple) unterstreichen diese Charakterzüge und wurden von den Medien oftmals als „positiv verrückt“ bezeichnet. Besonders anfängliche unverständliche Visionen wie das iPhone oder die Reise zum Mond bzw. Flugtaxis prägten dieses Bild.

Gewissenhaftigkeit

Bei der zweiten Dimension handelt es sich um Gewissenhaftigkeit. Manager sollten laut den befragten Top-Managern nicht besonders gewissenhaft sein. Vor allem Spontanität und Schnelligkeit sind relevanter als Perfektion und überlegtes Verhalten. Wichtig ist den Befragten jedoch, dass eine hohe Zielstrebigkeit existiert. Besonders hier unterstreichen Manager aus Start-ups wie Valentin Stalf (N26) und Dominik Richter (HelloFresh) diese Werte. Besonders N26 und HelloFresh legten ein großes Wachstum hin. Laut beiden Gründern waren besonders Schnelligkeit und die spontane Reaktion auf Veränderung wichtige Eigenschaften.

Extraversion

Die dritte Dimension umfasst Extraversion. Ein Manager sollte aufgeweckt, sehr kontaktfreudig und ein guter Kommunikator sein. Besonders die genannten Manager Jürgen Klopp und Dieter Zetsche zeigen dieses Verhalten. Vor allem Zetsche hatte in der Transformation von Daimler zahlreiche Botschaften an relevante Zeitungen kommuniziert und Kontakt zu Mitarbeitern aufgenommen. Auch Jürgen Klopp steht für eine offene und klare Kommunikation, welche von Medien als authentisch wahrgenommen wird.

Verträglichkeit

Verträglichkeit stellt die vierte Dimension dar. Generell beschreiben die befragten Top-Manager den Charakter als umgänglich und mitfühlend. Lediglich der Wert Harmonie war für die Befragten nicht essenziell, sondern eine hohe Wettbewerbsorientierung in den Entscheidungen. Hier sind besonders Janina Kugel (Ex-Siemens) und Anna Alex (Outfittery) zu nennen. Besonders Janina Kugel zeigt sich durch Aussagen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Zuge flexibler Homeoffice Modelle als besonders mitfühlend und legte viel Wert auf Harmonie im Konzern.

Neurotizismus

Die letzte Dimension ist Neurotizismus. Ein Manager sollte laut Befragten selbstsicher und entspannt sein. Des Weiteren sollte dieser eher moderierend statt überzeugend vorgehen. Hier sind vor allem Daniel Kraus (Flixbus) und Raffael Johnen (Auxmoney) zu erwähnen. Beide Gründer zeigen in Medien und Keynotes, welche diese halten ein sicheres Auftreten. 

FAZIT

Insgesamt sollte nach dem Leitbild ein Top-Manager eine gewisse Offenheit zeigen sowie eine geringe Gewissenhaftigkeit, aber eine hohe Extraversion. Ein Top-Manager ist damit ein guter Kommunikator, sehr aufgeweckt und kontaktfreudig. Er legt wenig Wert auf Details und ist eine selbstsichere und entspannte Person. Im Fazit zeigt sich, dass sich die Vorstellung über das eigene Verhalten/Charakter laut meines Datensatzes stark an den von Top-Managern aus den Medien anlehnt.

Lesen Sie weiter wie Sie Ihren Charakter hingehend auf die Eigenschaften ändern!

Bildquelle: https://pixabay.com/de/illustrations/fragezeichen-haufen-frage-marke-1495858/

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Quellen

John, O., Laura, P. & Soto, C. (2008). Paradigm Shift to the Integrative Big Five Trait Taxonomy. Handbook of Personality Theory and Research. 3. Auflage. S. 114–117

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Autor

Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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