Im Zuge von Agilität befasse ich mich immer mit spannenden Persönlichkeiten. Heute möchte ich in den Dialog mit Dr. Marcus Raitner gehen. Seit 2010 bloggt er über Führung, Agilität und Digitalisierung.

Seit mittlerweile 4 Jahren begleitet der Autor die BMW Group in der digitalen Transformation und hält spannende Vorträge zu den genannten Schwerpunkten. Bald kommt sein neues Buch: Das Manifest für menschliche Führung. Ich möchte mit ihm diese “neue” Art der Führung näher betrachten und habe mich mit ihm dazu ausgetauscht. Die Ergebnisse finden sich im folgenden.

Manifest für menschliche Führung

Inhalt des Manifests von Marcus Raitner ist, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht nur ein “Mittel” oder eine “Arbeitskraft” sein sollte. “Ich glaube an die Kreativität, Leistungsbereitschaft und Motivation der Menschen“, so Raitner. Er hat dazu ähnlich zum agilen Manifest folgende Werte menschlicher Führung (Buchtipp) aufgestellt:

  • Entfaltung menschlichen Potenzials mehr als Einsatz menschlicher Ressourcen
  • Diversität und Dissens mehr als Konformität und Konsens
  • Sinn und Vertrauen mehr als Anweisung und Kontrolle
  • Beiträge zu Netzwerken mehr als Positionen in Hierarchien
  • Anführer hervorbringen mehr als Anhänger anführen
  • Mutig das Neue erkunden mehr als effizient das Bekannte ausschöpfen

Tipp: Das passende Buch gibt es in Deutsch und Englisch zum bestellen.

Buch von Marcus Raitner zur menschlichen Führung

Entfaltung menschlichen Potenzials

Wer Organisationen als Maschinen betrachtet und Menschen wie Rädchen darin behandelt, darf sich über Dienst nach Vorschrift nicht beklagen!

Marcus Raitner

Raitners Manifest meint, dass Führungskräfte Grundwerte vermitteln sollen, welche Menschen inspirieren an der Organisation teilzunehmen statt nur in dieser zu arbeiten. Es reicht deswegen nicht mehr als Führungskraft die menschliche Arbeitskraft nur zu verwalten, so Raitner.

Aufgabe von Führung ist es nicht länger genormtes menschliches Arbeitsmaterial gewinnbringend einzusetzen, sondern wie ein Gärtner ein Ökosystem zu schaffen und zu erhalten, in dem die Menschen ihr individuelles Potenzial entfalten und im Sinne des Zwecks der Organisation einsetzen können.

Marcus Raitner

Diversität und Dissens

Unter dieser These versteht Raitner nicht, wie im klassischen Sinne die Chancengleichheit von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters, Herkunft, usw. sondern er meint Schwerpunkte wie Individualität, Persönlichkeitsstrukturen und Problemlösungsverhalten. Er sieht es als Aufgabe von Führung diese Diversität bewusst einzusetzen und zu fördern.

Führungskräfte sollten eine Kultur der die Individualität und die Einzigartigkeit der Menschen schaffen.

Marcus Raitner

Sinn und Vertrauen

Agile Teams sind in aller Munde und dürfen auch im Manifest für menschliche Führung nicht fehlen. Mit dieser These möchte Raitner Führungskräfte zu mehr Sinngebung und Vertrauen anstatt Anweisung und Kontrolle aufrufen. Er fragt sich sogar: “Haben Anweisung und Kontrolle wirklich noch einen Wert?”

Raitner glaubt, dass es zwar immer noch (auch in Zukunft) Anweisungen geben wird aber diese immer weniger werden. Er gibt Führungskräften die Empfehlung eine sinngeleitete, visionäre Führung basierend auf einer Vertrauenskultur zu schaffen, in der jeder sein Bestes gibt.

Beiträge zu Netzwerken

Als Führungskraft braucht es heute mehr Fähigkeiten als nur die Karriereleiter möglichst weit hochzuklettern.” so Raitner. Zwar ist die klassische Hierarchie eine angemessene Organisationsform, stösst allerdings oft an ihre Grenzen.

Raitner glaubt, dass Netzwerke in Organisationen eine Alternative sein können. So sagt Raitner: “Die Idee hinter diesem Netzwerk als zweitem und gleichwertigem Betriebssystem ist es, eine Armee von Freiwilligen quer zur Hierarchie zu rekrutieren. Die Aufgabe dieses Netzwerks ist es permanent an der Veränderung und Verbesserung in kleinen lose verknüpften Initiativen zu arbeiten.

Was bedeutet dies konkret? Im Unternehmen gibt es eine Gemeinschaft aus motivieren Menschen, welche von einem Sinn geleitet sind. Führungskräfte geben diesen Mitarbeitern Orientierung, Sinn und eine Vision. Natürlich gibt es auch weiterhin die klassische Organisationsform. Raitner empfiehlt diese Netzwerke als zweites “Betriebssystem” zu etablieren.

Anführer hervorbringen

“Leider definiert sich Führung immer noch in Begriffen wie Macht und Unterordnung.”, so Raitner und fordert daher ein Umdenken in der Führung.

Das Verhältnis von Führendem und Geführten ist meistens asymmetrisch: Der Chef hat mehr Erfahrung, mehr Information und mehr Macht als seine Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sind daher von ihrem Chef abhängiger als umgekehrt der Chef von ihnen.

Marcus Raitner

Zur Etablierung einer menschlichen Führung fordert Raitner Führung auf Augenhöhe. “Das Verhältnis von Führungskraft und Wissensarbeiter ähnelt eher dem zwischen Dirigent und Musiker in einem Orchester. “, so Raitner. Raitner bemerkt, dass sich das Verhältnis von Führungskräften und Mitarbeitern in den letzten Jahren stark zum Positiven verändert hat, aber die Reise hin zu einer Führung auf Augenhöhe noch etwas länger dauert. Zentrales Ziel einer Führungskraft sollte deswegen sein: Ich mache jeden meiner Mitarbeiter zu einer Führungskraft!

Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der ihr anvertrauten Mitarbeiter zum Ziel hat.

Marcus Raitner

Mutig das Neue erkunden

Das aktuelle Zeitalter der Digitalisierung bringt schnelle und massive Änderungen mit sich. Genau mit dieser Tatsache befasst sich die letzte These des Manifests.

Neben der Profitabilität im klassischen Geschäft empfiehlt Raitner mutig neue Chancen auszuloten und ständig neue Geschäftsmodelle zu erproben. Er führt im Manifest Beispiele von Kodak, Xerox und vielen mehr an, welche durch Innovationen (oder StartUps) aus dem Geschäft gedrängt worden sind. Er fordert Führungskräfte zu mehr Mut und Neugier im Tagesgeschäft auf. Dies greift sehr gut auf den Anfang des Artikels zurück: Es reicht nicht mehr nur das Geschäft und die Mitarbeiter zu verwalten.

Die Kunst liegt in der möglichst nahtlosen Integration von Effizienz im Hier und Heute und Innovation für Morgen.

Marcus Raitner

Fazit: Führung ist eine Haltung!

Zusammenfassend sagt Marcus Raitner über sein Manifest: “Diese menschliche Führung ist keine Frage der Position, sondern eine Frage der Haltung.

Ich stimme Marcus zu, dass Führung immer wichtiger wird und Mitarbeiter fast immer aufgrund der Führungskraft oder der Organisation (welche von der Führung gestaltet wird) kündigen bzw. nicht die volle Leistung geben. Auch Marcus stimmt mir bei dieser These zu: “Die Machtposition von Wissensarbeitern gegenüber ihrer Führungskraft ist eine völlig andere als die des prinzipiell leicht austauschbaren Arbeiters zu seinem Chef in tayloristischen Strukturen .

Ich möchte Marcus für den tollen Dialog und die spannenden Inhalte danken. Schauen Sie auch gerne meinen anderen Artikel an:Dialoge mit agilen Köpfen!

Mein Tipp: Schauen Sie mal in das Buch von Marcus Raitner oder seine Website.

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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