Industrie 4.0 ist ein Begriff aus der Praxis und steht für ein Projekt der deutschen Bundesregierung. In der Wissenschaft wird grob der Einfluss von Technologie auf die klassische Produktion sowie die Vernetzung von Menschen und Maschinen untersucht wie u.a. die Integration von Technologien wie Sensorik Technologien, 3D-Druck und Künstliche Intelligenz (KI).

Im Zuge meiner Forschung habe ich zwei aktuelle Studien zu Industrie 4.0 untersucht und möchte diese im folgenden Zusammenfassen sowie vergleichen.

Studie 1: Bitkom

In der ersten ausgewählten Studie wurden über 550 Industrieunternehmen unterschiedlicher Größe durch die Bitkom (2019) zum Thema Industrie 4.0 befragt. Über die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, dass erste Anwendungsfälle von Industrie 4.0 genutzt werden. 21% der befragten Unternehmen planen diese auch zu erweitern. Ein besonderes Anwendungsfeld ist die Verknüpfung von Maschinen mit dem Internet, um eine Verknüpfung sowie eine zielgerichtete Datenauswertung zu ermöglichen.

Die Mehrzahl der befragten Unternehmen hat nach eigenen Angaben 20-50% der Maschinen in der Produktion aktuell mit dem Internet verbunden. Laut der befragten Unternehmen sind die derzeit wahrnehmbaren Vorteile vor allem die Steigerung der Produktivität, die Vorhersagbarkeit von Wartungen und die Optimierung von Prozessen in der Produktion. Insgesamt scheinen die Vorteile aktuell noch gering auszufallen. Die Abbildung zeigt noch weitere Vorteile.

Aktuelle Vorteile, die die befragten Unternehmen durch den Einsatz von Industrie 4.0 wahrnehmen (eigene Abbildung nach Bitkom 2019)

Die aktuelle Umsetzung von Industrie 4.0 erfordert laut der Studie weitere Investitionen und die Einstellung von Fachkräften. So investieren Unternehmen aktuell mehrheitlich ca. 5 % des Umsatzes in Technologien, die mit Industrie 4.0 verbunden werden. Jeweils 50 % der Unternehmen glauben zudem, dass aufgrund dieser Projekte neue IT- und Produktionsfachkräfte gesucht werden müssen. Laut der Studie weisen mehr als zwei Drittel der gesuchten Fachkräfte einen akademischen Hintergrund auf und könnten Fachkräfte mit Ausbildungshintergrund verdrängen. Neben den zahlreichen Chancen, die der folgenden Abbildung zu entnehmen sind, gibt es auch Risiken, die die Unternehmen aktuell als Hindernisse für Projekte im Kontext der Industrie 4.0 sehen. Zu nennen sind vor allem hohe Investitionskosten, Aspekte des Datenschutzes und der Sicherheit sowie der Mangel an Fachkräften. Weitere Ergebnisse sind in der folgenden Abbildung dargestellt.

Hindernisse für Industrie 4.0 (eigene Abbildung nach Bitkom 2019)

Studie 2: Kompetenzzentrum Saarbrücken

Die zweite ausgewählte Studie wurde 2017 vom Kompetenzzentrum Saarbrücken durchgeführt. Mithilfe von knapp 340 Interviews mit IT-Verantwortlichen von Produktionsunternehmen wurden Aspekte rund um Industrie 4.0 untersucht. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie sind, dass knapp 80 % der Teilnehmer aktuell Projekte mit Zuordnung zur Industrie 4.0 durchführen. Vor allem bei einzelnen Maßnahmen stellten die Teilnehmer erste Erfolge nach drei Monaten fest (kleine Effizienzgewinne). Bei größeren Projekten gehen über zwei Drittel der Teilnehmer davon aus, dass sich erste Potenziale, konkret Umsatzsteigerungen und Wettbewerbsvorteile, erst nach drei Jahren zeigen werden.

Doch wie unterscheidet sich diese Studie zur Bitkom? in Unterschied findet sich in den Potentialen. Diese sind wie folgt:

  • Wettbewerbsvorteil (44 %),
  • Einsparung von Kosten (40,7 %) und
  • Schnelligkeit von Prozessen (38 %).

Weiterhin wurden in der Studie mögliche Hindernisse von Industrie 4.0 untersucht, wobei sich die Angaben ebenfalls geringfügig von der ersten Studie unterscheiden. Beispielsweise spielt der Fachkräftemangel hier keine Rolle. Die wesentlichen Hindernisse sind laut der Studie:

  • Hackerangriffe (47 %),
  • Industriespionage (29,7 %),
  • Produktionsausfälle (29,5 %) und
  • Juristische Probleme (26,3 %).

Zentraler Punkt in beiden Studien sind fast immer die hohen Kosten von Industrie-4.0-Projekten. Die höchsten Kosten sind Lizenz-, Schulungs- und Hardwarekosten hervorzuheben sind.

Relevanz der Kostenfaktoren von Industrie-4.0-Projekten in Unternehmen (eigene Abbildung nach Kompetenzzentrum Saarbrücken 2017).

Fazit

Industrie 4.0 wird in Deutschland zunehmend mehr genutzt und auch soll langsam erweitert werden. Es gibt jedoch Hindernisse, welche Unternehmen davon abhalten Projekte stark weiter zu steigern. Vor allem die hohen Kosten sind laut der Unternehmen ein hohes Risiko.

Quellen

Bitkom. (2019). Industrie 4.0 – Studie. Retrieved May 19, 2020, from https://www.bitkom.org/sites/default/files/2019-04/bitkom-pressekonferenz_industrie_4.0_01_04_2019_prasentation_0.pdf

Kompetenzzentrum-Saarbrücken. (2017). IDG Studie Industrie 4.0. Retrieved May 20, 2020, from https://kompetenzzentrum-saarbruecken.digital/wp-content/uploads/2018/10/IDG-Studie2017-Industrie4.0.pdf

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/gabelstapler-lagerhaus-maschine-835340/

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Ich blogge über den Einfluss der Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt. Hierzu gebe ich Inhalte aus der Wissenschaft praxisnah wieder und zeige hilfreiche Tipps aus meinen Berufsalltag. Ich bin selbst Führungskraft in einem KMU und Ich habe berufsgeleitend an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management meine Doktorarbeit geschrieben.

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