Woher kommt der Druck, sich mit der Frage des Charakters von Top-Leadern zu befassen? Thomas Middelhoff wird weiterhin in Talk Shows eingeladen, auch Herr Tönnies hätte wohl so weitergemacht, wäre da nicht der Corona-Ausbruch gekommen. Auch bei VW gab es gute Nachrichten: Trotz Dieselkrise hat sich der Konzern bei fast allen wesentlichen Zahlen gesteigert. Sind Top-Manager also unanstatbar?

Anscheinend nicht. Schauen wir auf die folgende Beispiele: Die aktuelle Generation von Top-Managern leidet an einem Imageproblem. Erst jüngst werden die Verhandlung gegen AUDI-Manager Ruppert Stadler mit dem Punkten: Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung in München starten. Auch Ex-Bertelsmann Manager Thomas Middelhoff sitzt wegen Steuerhinterziehung und Untreue aktuell in einem Gefängnis ähnlich wie auch Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn.

Haben Manager einen Freifahrschein?

Besonders der Fall Stadler zeigt, dass auch für oft als unantastbar wahrgenommene Top-Manager kein Freifahrtschein gilt. Auch diese sind an Gesetze und Normen der Gesellschaft gebunden. Auch bei Ex-Bertelsmann Vorstand fragt man sich am Ende: Wie konnte es dazu kommen, dass ein ein anerkannter und überaus gut bezahlter Top-Manager nicht mehr Recht von Unrecht unterscheiden kann? In solchen Fällen ist der Versuch einer rationalen Erklärung immer viel zu einfach. Die Ursachen liegen tiefer. Es geht nicht mehr nur um Geld und Macht.

Veränderung der Persönlichkeit

Auslöser ist eine Deformation des Charakter, ausgelöst durch Übertragung nahezu unbegrenzter Macht im Unternehmen. Die genannten Manager kamen aus einem normalen Elternhaus und sind anders erzogen worden. Verloren gegangen ist ihnen aber im Laufe der Zeit das Gefühl für Grenzen und für die Unterscheidung von richtig und falsch im eigenen Verhalten.

Solche Straftaten lassen sich oft nur damit erklären, dass sich bei den Top-Managern wohl ein Gefühl der Unantastbarkeit eingestellt hat. Ein Beispiel ist, dass Top-Manager Verstösse gegen Unternehmensrichtlinien verfolgen lassen aber selbst gegen diese Prozesse verstossen. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Top-Manager müssen sich stets ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Es ist eine Anmaßung: man dürfe ungestraft gegen die Unternehmensregeln verstoßen, nur weil man in der Unternehmenshierarchie bis ganz nach oben aufgestiegen ist.

Fazit

In der Unternehmenshierarchie ganz oben zu stehen, ist kein Grund dafür Unternehmensregeln zu missachten. Glücklicherweise ist das kein Massenphänomen, denn die meisten Top-Manager machen einen sehr guten Job.

Eine aktuelle Studie der Haniel-Gruppe untersucht die Altersstruktur in deutschen Vorstandsetagen. Die Anzahl der Vorstände unter 50 Jahren liegt bereits bei 23%. Besonders in Startups erobern junge Manager wie Daniel Kraus (Flixbus), Valentin Stalf (N26), Dominik Richter (HelloFresh) und Anna Alex (Outfittery) mit besonderem Charakter, Authentizität, einer Prise Dreistigkeit und legerer Kleidung die Medien. Es scheint doch für Top-Manager wichtig zu sein mit Charakter zu punkten. Hierzu führe ich gerade eine Studie durch, welche bald auf dem Blog ausgewertet wird. Hierzu führe ich gerade eine Studie durch, welche bald auf dem Blog ausgewertet wird. Die Umfrage läuft von Mai bis August und findet sich hier.

Update: Aktuell ist diese vor der Veröffentlichung in der Zeitschrift für Organisationsentwicklung. Es wird denke ich im September ca. erscheinen.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/konzert-menge-publikum-menschen-768722/

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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