Die Unternehmensberatung ist eine der Branchen, die im hohen Maße von der Digitalisierung profitiert. Zugegebenermaßen ist die Unternehmensberatung als eine der Branchen zusehen, die eine Vielzahl der Projekte zur Digitalisierung von Unternehmen verschiedenster Industriezweige aufsetzt, lenkt und an deren Durchführung beteiligt ist (Werth et al. 2016). Doch welche Potentiale ergeben sich für die Beraterbranche selbst?

IT-Unternehmensberatungen & die digitale Transformation

Die Beratung ist eine Dienstleistung, die einen Mehrwert für den Kunden, durch Spezialwissen in einem oder mehreren Gebieten, liefert Der Begriff des Consultings ist der oft verwendete Angliszismus der Beratung und demzufolge ist das Synonym für Berater „Consultant“ auch oft wiederzufinden (Hoffmann 1991).

Die Unternehmensberatung dahingegen ist ein Teilgebiet der Beratung, welches sich auf die Unterstützung von Unternehmen bezüglich Organisations- und Porzessoptimierung spezialisiert hat (Hoffmann 1991). Dieses Teilgebiet hat laut dem Bundesverband deutscher Unternehmesberater mit ca. 44%, den Großteil der 25,2 Mrd. € des Umsatzes im Jahr 2014 bundesweit erwirtschaftet (Jörg Murmann 2015).

Aus der vorangegangen Definition, ergibt sich, dass eine Unternehmensberatung einen Kunden bei der Lösung eines komplexen Sachverhalts unterstützt (Hoffmann 1991). Es stellt somit die Frage: Wie kommt es dazu, dass ein Kunde eine Unternehmensberatung beauftragt?

Komplexität als Auslöser für Unternehmensberatungen

Die Beratungssituation ergibt sich daraus, dass der Kunde aufgrund der Komplexität des Problems oder Situation nicht in der Lage ist, dieses aus eigener Kraft und mit eigenen Ressourcen angemessen zu lösen. Aus diesem Grund wendet er sich an externe Experten, die ihm zunächst einen Überblick verschaffen sollen, später mögliche Entscheidungswege aufzeigen und ihm dann bei der Wahl der Lösungsstrategie unterstützen (Hoffmann 1991).

Die Komplexität einer Situation kann über die Möglichkeiten des Kunden wachsen, wenn sich z.B. das Geschäftsumfeld rasant verändert oder aber auch, wenn es durch Umstrukturierungen der Organisation, zu Änderungen innerhalb des Unternehmens kommt. Durch die Beratungsdienstleistung soll die Menge an Informationen und gleichzeitig die Komplexität des Problems reduziert werden, um so den Kunde wieder handlungsfähig zu machen (Kubr 2002). Daraus ergeben sich für Unternehmensberatungen die zwei Hauptaufgaben: Bereitstellung von Wissen und Erarbeitung von Lösungsansätze für unternehmerische Entscheidungsprobleme (Schrädler 1996).

Erfolgsfaktor: Wissenstransfer

Der Wissenstransfer in Kombination mit der Erarbeitung der Lösungsansätze an den Kunden, ergibt sich durch das Zusammenspiel von Wissen, Erfahrungen und Informationen (Schrädler 1996). Kampe sagt, dass die Leverage Struktur je nach Projektumfang und Komplexität in Einklang zu bringen ist. Damit meint er, dass das Verhältnis der Berater von Junior- und Seniorconsultants für eine optimale Beratung erfolgsentscheidend ist (Kampe 2011). Die Weitergabe von Wissen innerhalb der Beratungsfirma wird dabei in sogenannte Knowledge Management Systeme gespeichert und ergänzt. Um das Wissen stetig zu ergänzen, findet zudem durch eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft statt, zum Beispiel in Form von Workshops oder Weiterbildungen (Alavi und Leidner 1999).

Für den Erfolg der Beratungsdienstleistung ist laut Kubr vor allem die Unabhängigkeit des Beraters als Merkmal erfolgsentscheidend. Dabei wird in diesem Zusammenhang die Unabhängigkeit gerne mit der Objektivität auf das bestehende Projekt assoziiert. Kubr schätzt eine objektive und neutrale Sicht des Beraters auf unternehmensinterne Geschehen als besonders notwendig ein, um die eigentliche Problematik beim Kunden aus findig zu machen (Kubr 2002). Die Unabhängigkeit des Beraters soll zudem der „Betriebsblindheit“ des Kunden entgegen wirken. Betriebsblindheit in einer Organisation hat ihren Ursprung durch Routine im Arbeitsalltag. Ein betriebsblinder Mitarbeiter schätzt seine Arbeit als gut ein, obwohl dies nicht der Fall ist und empfindet kein Bedürfnis nach Veränderung, wodurch die Effektivität im Arbeitsalltag leidet. Die Betriebsblindheit kann sich erhöhen, wenn das Management  diese erkannt hat, jedoch nichts dagegen unternimmt (Hohlbaum und Olesch 2004).

Expertise und neue Ideen

Berater haben durch ihre Sicht von Außen einen gewissen Abstand zu den kundeninternen Prozessen und bisherigen Vorgehensweisen, wodurch sie sich einen objektiven Eindruck der Situation verschaffen können. Dies resultiert aus einer unvoreingenommene Haltung des Beraters gegenüber den verschiedenen Stakeholdern des Kunden, wodurch sich leichter an einer Problemlösung der festgefahren Strukturen arbeiten lässt (Schrädler 1996).

Dabei ist davon auszugehen, dass der Berater über bestimmte Kompetenzen und Ressourcen verfügt, die dem Ratsuchenden zurzeit nicht zur Verfügung stehen. Laut Kramer ist dabei ist der Studienabschluss des Beraters eher zweitrangig, nichtsdesto trotz hat ein Großteil der ca. 86000 Berater in Deutschland ein natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund, meist in Kombination mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Neben den hohen fachlichen Anforderungen an Consultants, ist den Beratungsfirmen auch ein ausgeprägtes Persönlichkeitsprofil von hoher Bedeutung. Dies beinhaltet zum Beispiel sicheres Auftreten, Kommunikationsfähigkeit (am besten in mehreren Sprachen), Weltoffenheit, Belastbarkeit sowie analytisches Denken (Kramer 2006). Es ist allerdings anzumerken, dass es offenbar den Kunden genügt, wenn sich ein Berater als Berater ausgibt bzw. dieser von einer Beratungsfirma eingesetzt wird. Es gibt zwar viele Zertifizierung und Lehrbücher zu dem Thema „Beratung“, jedoch keine einheitliche Berufsausbildung im eigentlichen Sinne (Dr. Michael Zirkler 2005).

IT-Unternehmensberatung

Die IT-Beratung macht laut dem Verband der deutschen Unternehmensberater einen Anteil von 21% des zu Beginn des Kapitels, genannten Umsatzes von 25 Mrd. € in 2014 aus (Jörg Murmann 2015). Die zuvor genannten Charakteristika der Beratung gelten auch für die IT- Beratung.

Das Ziel der IT-Beratungen ist es durch verschiedene Projektaufträge, die Wettbewerbsfähigkeit des betreuenden Unternehmens zu stärken. Die Aufgabenbereiche erstrecken sich dabei von Internet- und Clouddiensten, wie z.b. E-Commerce oder unternehmensinternen Lern- und Informationsplattformen über Analyse und Implementierungen von Software- und Systemlösungen die zum Beispiel die Thematik der IT-Sicherheit umfassen (Kramer 2006).

Gerade bei IT-Projekten ist laut Scheer ein Trend der zunehmenden Eigenleistung seitens des Kunden zu erkennen. Dadurch müssen sich zum einen große Beratungsfirmen auf ein hohes Maß an Flexibilität bezüglich des Mitarbeitereinsatzes einstellen bzw. die Möglichkeit Freelancer gezielt einzusetzen in Betracht zuziehen. Auf der anderen Seite bringt das Bedürfnis der Kunden nach erhöhter Selbststeuerung, ein enormes Potential für kleine Beratungsfirmen oder Start Ups, die mit flacheren Hierarchien und virtuellen Organisationsformen wesentlich effizienter und flexibler agieren können.

Unternehmensberatung im Wachstum

Insgesamt betrachtet erwartet Scheer in den nächsten 5 Jahren starke Veränderungen auf dem Beratermark (Scheer 2016).Durch die besonderen Ausprägungen der IT-Beratung, stellt vor allem sie ein enormes Potential für die Mittelstandsberatung dar und wird in einem weiteren Artikel aufgezeigt. Die Studie dazu wird aktuell angefertigt und ca. Mitte Juni 2017 veröffentlicht in diesem Blog. Wenn Sie informiert bleiben wollen, können Sie den Newsletter abonnieren. Der Text ist ein Auszug aus einer Studie, welche ich mit einem Studenten aktuell durchführe.

WAS DENKEN SIE über Unternehmensberatungen und die Digitale Transformation?

Wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren möchten, können Sie gerne an den Roundtables teilnehmen und relevante Themen mit mir und anderen Experten diskutieren. Oder schreiben Sie in die Kommentare wie Sie mit diesem Trend umgehen. Lesen Sie auch meinen Artikel zur Consulting 4.0 oder weitere Artikel zum IT-Mittelstand. Schauen Sie auch in meine weiteren Buchvorschläge zum digitalen Wandel.

Lesetipp: Beratung 4.0 Whitepaper

Verwendete Quellen anzeigen

Dr. Michael Zirkler (2005): State-of-the-art der Forschung zur Organisationsberatung. In: Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum, (WWZ), Universität Basel. Online verfügbar unter https://wwz.unibas.ch/fileadmin/wwz/redaktion/Forum/Forschungsberichte/2005/10_05.pdf.

Hoffmann, Werner H. (1991): Faktoren erfolgreicher Unternehmensberatung. Wiesbaden, s.l.: Deutscher Universitätsverlag. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-322-96413-7.

Hohlbaum, Anke; Olesch, Gunther (2004): Human Resources – modernes Personalwesen. 1. Aufl. Rinteln: Merkur-Verl. (Das Kompendium).

Jörg Murmann (2015): Facts & Figures zum Beratermarkt 2014/2015. Hg. v. Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. Online verfügbar unter http://www.bdu.de/media/18888/facts-figures-zum-beratermarkt-2015.pdf, zuletzt geprüft am 09.04.2017.

Kampe, Tim (2011): Führung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Intellectual Capital als Rahmenkonzept des strategischen Managements in Professional Service Firms. Zugl.: Eichstätt, Ingolstadt, Univ., Diss., 2010. 1. Aufl. Wiesbaden: Gabler (Gabler Research Schriften zur Unternehmensentwicklung).

Kubr, Milan (2002): Management Consulting. A Guide to the Profession.

Lünedonk & Hossenfelder GmbH (2016): Die 25 führenden IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland. Online verfügbar unter http://luenendonk-shop.de/out/pictures/0/lue_listepi_it-beratung_f010616(1)_fl.pdf, zuletzt geprüft am 30.03.2017.

Samulat, Peter (2017): Die Digitalisierung der Welt. Wie das Industrielle Internet der Dinge aus Produkten Services macht.

Scheer, August-Wilhelm (2016): Nutzentreiber der Digitalisierung. In: Informatik Spektrum 39 (4), S. 275–289. DOI: 10.1007/s00287-016-0975-4.

Schrädler, Josef (1996): Unternehmensberatung aus organisationstheoretischer Sicht. Gabler Edition Wissenschaft. Wiesbaden, s.l.: Deutscher Universitätsverlag. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-663-01195-8.

Sprenger, Florian; Engemann, Christoph (Hg.) (2015): Internet der Dinge. Über smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt. Bielefeld: transcript (Digitale Gesellschaft).

Werth, D.; Greff, T. (2016): Digitale Beratung. Ein Modell für den Mittelstand. In: IM+io Fachzeitschrift für Innovation, Organisation und Management (Heft 1), S. 82–87.

Werth, Dirk; Greff, Tobias; Scheer, August-Wilhelm (2016): Consulting 4.0 – Die Digitalisierung der Unternehmensberatung. In: HMD 53 (1), S. 55–70. DOI: 10.1365/s40702-015-0198-1.

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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