Über viele Jahre war im Bezug auf das Generationenmanagement alles recht klar: Wir haben eine Generation X, welche fleissig und loyal für uns arbeitet und eine Generation Y, die nach Sinn und Selbstverwirklichung sucht. Die Konsequenzen sind mittlerweile deutlich zu sehen: Unternehmen werden zunehmend zu Luxushotels mit Ruheräumen, Open Spaces und teilweise mit komplett eingerichteten Fitnessstudios. Doch nun folgt eine weitere Generation, die sich in den Arbeitsmarkt drängt: die Generation Z.  Das Resultat sind hybride Teams aus drei Generationen, welche Führungskräfte vor harte Herausforderungen stellen. Nach einer kurzen Vorstellung, möchte ich differenzierte Handlungsempfehlungen für die Führung der drei Generationen geben.

Generation X

Schaut man auf das Portal Absolventa, findet man folgende Definition: Für die sogenannte Generation X ist das berufliche Vorankommen das wichtigste Ziel bei der Suche nach einem Job. Zumindest lauten so die Studienergebnisse der Personalberatung Robert Half. So wird diese Generation der 30 bis 50-Jährigen laut Befragung auch als ambitioniert, individualistisch und ehrgeizig charakterisiert. Die Mitglieder der Generation X sind gut ausgebildet und arbeiten, um sich ein materiell abgesichertes Leben leisten zu können. Im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Generation, stellt die Generation X die Arbeit nicht vor andere Bedürfnisse, sondern betrachtet diese eher als Mittel zum Zweck.

Generation Y

Hierzu sagt die Webseite Gründerküche: Die Vertreter der Generation Y gelten als vergleichsweise gut ausgebildet, oft mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Sie sind mit Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen, führen ein technologieaffines Leben. Die Generation Y unterscheidet sich zu früheren Generationen auch hinsichtlich ihrer Einstellung zur Arbeit:

  • Die Gen Y arbeitet besonders gern in virtuellen Teams.
  • Tiefe Hierarchien, Hierarchien nach Titeln sowieso, sind ihr suspekt.
  • Die Millennials sind optimistisch, selbstbewusst und haben wenig Vertrauen in die Regierung.
  • Spass und vor allem ein tieferer Sinn bei der Arbeit sind den Millennials besonders wichtig.
  • Außerdem wollen sie eigenverantwortlich an Projekten arbeiten und sich selbst verwirklichen.
  • Der Begriff Work-Life-Balance ist beinahe für die Generation Y erfunden worden: Kaum eine Generation legt mehr Wert auf diesen ewigen Balanceakt. Doch dabei geht es weniger um Freizeit, sondern um Selbstbestimmtheit: Wann er wo arbeitet, will der Gen Y-Vertreter selbst definieren.

Generation Z

Die Generation Z betritt aktuell erst den Arbeitsmarkt, so sind bisher noch wenige fundierte Fakten über diese bekannt. Ich mache deswegen nochmal von der Definition im Portal Absolventa gebrauch: Die heute Jugendlichen, die in den nächsten Jahren in den Arbeitsmarkt eintreten, gehören zur sogenannten Generation Z. Sie sind die Generation, die komplett mit digitalen Technologien aufgewachsen ist: Internet und Smartphone gehören zu ihrem Leben als selbstverständlich dazu – sowohl auf der Arbeit, wie auch im Privatleben. Anders als die Generatione Y, differenziert die Generation Z wieder mehr zwischen Arbeit und Privatleben. Feste Abgrenzungen sowie klare Strukturen sind wieder klar gewollt. Den geschäftlichen Laptop nach der Arbeit mit nach Hause zu nehmen, ist hier nicht drin. Selbstverwirklichung wird nicht mehr nur in der Arbeit gesucht, sondern vor allem in der Freizeit und in sozialen Kontakten.

Generationenmanagement in hybriden Teams

Schaut man in das Buch von Klaffke, liest man: „Glückliche Kühe geben mehr Milch.“ Diese vermeintliche und viel zitierte Bauernweisheit erhält im Wirtschaftsleben im übertragenden Sinn immer mehr Anhänger. Es spricht aus einer Perspektive des gesunden Menschenverstands sehr viel dafür, dass Menschen, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen, tatsächlich mehr leisten und häufiger die berühmte «Extra-Meile» gehen. Dies sollte sich letztendlich positiv auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken – auch im monetären Sinne.

Es geht als darum, jede der drei Generationen richtig zu führen und das Unternehmen optimal auf diese auszurichten. Doch wie geht das und mit welchem Instrumenten kann dies geschehen? Nicht jede der drei Generationen mag die Arbeit im Homeoffice und auch Agilität kann nicht als eierlegende Wollmilchsau alle Probleme lösen. Und mittlerweile gibt es kaum Teams, welche ausschließlich aus einer Generation bestehen. Generationenmanagement wird deswegen immer mehr zu einem wichtigen Führungsinstrument.

Generationenmanagement X

Auf der Webseite Generation Z findet man folgende Tipps: Die Berufstätigen der Generation X bewerten Arbeit zwar als zentralen Lebensinhalt, zeigen aber ein besonderes Interesse an einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben, wobei sie immer zu ihrem eigenen Vorteil handeln. Privat strebt die Generation X tendenziell eine individuelle Ausrichtung und alternative Lebensentwürfe an.

Wichtig sind hier also klar geregelte Arbeitszeiten, ein gutes Gehalt und Karriere sowie langfristige Sicherheiten. Auch wird dieser Generationen hoher Respekt vor Hierarchie nachgesagt. Es geht also darum, dass Arbeit als Notwendigkeit für die private Verwirklichung gesehen wird.

Generationenmanagement Y

Hier zeigt das Magazin Haufe einige spannende Punkte auf: Die junge Generation möchte ernst genommen werden und das von Anfang an. Sie wünscht sich Aufmerksamkeit, Anerkennung und herausfordernde Aufgaben, die Spaß und zugleich Sinn machen (je nach individueller Einstellung, gibt es Unterschiede in der Gewichtung). Alle Informationen zu erhalten ist wichtig, ebenso wie freie Wahlmöglichkeiten zu haben. Moderne Arbeitsmittel sind für die Generation Y selbstverständlich und unterstützen das Arbeiten im Team und in Netzwerken. Von zentraler Bedeutung sind eine angemessene Vergütung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten.

Ergo deutet hier vieles auf Homeoffice, flexible Arbeitszeit, Teamevents, agile Teams mit vielen Rollen- und Projektwechseln hin. Auch eine agile Führung ist hier sicherlich empfehlenswert. Wichtig ist vor allem, eine individuelle Lösung für jeden Mitarbeiter zu finden. Festgefahrene Prozesse und Fließband-Jahresgespräche sind hier also keine effektive Methode.

Generationenmanagement Z

Wie bereits erwähnt, ist noch nicht viel an fundierten Daten über diese Generation bekannt. Jedoch zeigt sich aktuell, dass in erster Linie eine andere Ansprache notwendig wird. So stellt die Agentur Jungesherz deutlich: Immer mehr Personal-Mitarbeiter und Recruiter beschäftigen sich mit den Möglichkeiten zur Ansprache der Gen Z. Dabei probieren clevere HR-Kollegen viele spannende Wege aus. Sei es nun die Bewerbung via WhatsApp, Influencer-Marketing, die Auswahl einer passenden Führungskraft über zeitversetzte Video-Interviews, digitale Events am Gymnasium oder Personalkampagnen über Snapchat.

Es gibt zahlreiche Studien, die darlegen, dass sich die Anforderungen hinsichtlich der Gen Z, weitgehend mit denen für die Generation Y decken. Persönlich kann ich das jedoch nicht richtig glauben – auch einige der bestehenden Studien, deuten auf signifikante Unterschiede hin.

So findet sich in der Zeitschrift die Welt: Schlüsselwörter in Stellenangeboten wie Work-Life-Blending, also die Vermischung von Arbeit und Freizeit, haben bei den Jugendlichen einen negativen Effekt. „Klarer Dienstschluss“ ist dafür nun wieder ein wirkungsvoller Lockruf. Weiterführend nennt die Welt als Grun: Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern damit, dass Arbeit im digitalen Zeitalter überall und jederzeit möglich ist.“ Wenn man nicht aufpasse, bestehe das Leben nur noch aus Arbeit.

Nach ein wenig googlen habe ich eine spannende Studie aus Bremen gefunden. Die Ergebnisse habe ich folgend kurz und knapp in Stichpunkten notiert:

  • Das Arbeitsklima ist insgesamt das wichtigste Kriterium.
  • Klare Aufgaben, klare Grenzen und eine strikte Trennung von Berufs- und Privatleben sind wichtig.
  • Ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz ist erstrebenswert – kein Desk Sharing und keine Open Spaces.
  • Eine klare Struktur und geregelte Arbeitspakete sind von Bedeutung.
  • Ältere Generationen müssen sich im Übrigen daran gewöhnen, dass ihre Aussagen von der Gen Z sogleich via Smartphone auf ihre Richtigkeit überprüft werden.
  • Hierarchische Autorität zählt für die Gen Z wenig. Sie ist jedoch bereit, Erfahrungen, Argumenten und authentischem Verhalten Respekt zu zollen.

Fazit: Jede Generation ist anders

generationenmanagement hybride teams
Führungsinstrumente der drei Generationen (eigene Darstellung)

X,Y,Z – 3 Generationen befinden sich seit kurzem zeitgleich auf unserem Arbeitsmarkt. Jede der Generationen verlangt individuelle Werte und Arbeitswelten. Während die Generation X mit geregelten Arbeitszeiten und dem Fokus auf dem Privatleben daher kommt, steht bei der Generation Y die Sinnsuche und Selbstverwirklichung im Vordergrund. Das Resultat sind neue Arbeitsmodelle und agile Methoden, die deutsche Büros erobern. Doch nun kommt die Generation Z und will das alles wieder umdrehen? Das wird sich zeigen! Es bleibt spannend, wie sich die Generation Z in die bestehenden Modelle eingliedert und wie diese Generation die Arbeitswelt gestalten wird. Jetzt interessiert mich aber auch, wer meine Leserschaft ist: Welcher Generation gehören Sie an?

Welcher Generation gehören Sie an?

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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