Erst die Fähigkeit, Sprache erzeugen und verstehen zu können, macht uns Menschen besonders. Auch unsere Wahrnehmung in der Gesellschaft macht unsere Sprache aus. Natürlich stimmen sich auch andere Lebensformen wie Tiere miteinander ab, allerdings dient diese Sprache eher der bloßen Information und ist bei weitem nicht so tief und komplex wie die menschliche Sprache.

Der aktuelle Shootingstar der Grünen Partei Robert Habeck sagte erst kürzlich: “Wie wir sprechen, entscheidet darüber, wer wir sind – auch und gerade in der Politik.” Er veröffentlichte dazu sogar ein Buch wie Sprache Demokratie beeinflusst. Er gibt in seinem Werk Tipps, wie eine “Poetik des demokratischen Sprechens, Mut macht, sich einzumischen”.

Sprache kann auch im agilen Management ein wichtiges Werkzeug sein, um Mitarbeiter zu überzeugen und Werte zu transportieren. Nehme wir das Negativbeispiel von Verena Bahlsen, welche sagte: “Das war vor meiner Zeit, und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt“. Dieser Satz löste einen absoluten Shitstorm aus, obwohl Sie das nach eigener Aussage nie so meinte. Ein weiteres Beispiel ist von Volkswagen Vorstand Herbert Diess: Der Ausspruch “EBIT macht frei” erinnerte doch stark an eine eher dunkle Zeit der deutschen Geschichte. Laut eigener Aussage meinte der Vorstand die straffen Gewinnziele.

Ein weiteres Beispiel kommt von Herrn Dieter Zetsche, damals Vorstand von Daimler. Er sagte: “Wir glauben, dass wir bei den ungewissen Entwicklungen der Zukunft uns agiler aufstellen müssen“. Er zeigt mit diesem Satz Optimismus und schwächt agilen Populismus durch das Wort glauben ab. Ein weiteres Beispiel ist von Dietmar Hopp, welcher zum Thema Reichtum von Managern sagte: “Ich habe so viel Glück gehabt, dass ich an so viel Reichtum gekommen bin. Das habe ich für mich selbst als nicht gerecht empfunden. Du musst einen Gutteil an die Gesellschaft zurückgeben.” Er ermutigt mit diesem Zitat andere Unternehmer etwas zurück zu geben.

Sprache als Werkzeug des Managements

Managerinnen und Manager verbringen den Großteil ihres Arbeitstages mit Kommunikation. Laut einer Studie von Mautner (2011) sogar 80% des Tages. Dabei sind laut der Studie die Mehrzahl Ihrer Tätigkeiten mit routinemäßigen Planungs-, Steuerungs- und Führungsaufgaben untrennbar mit Sprechen, Zuhören, Lesen und Schreiben verbunden (Mautner 2011).

7 Handlungsempfehlungen für Manager

  • Lesen Sie Zeitung und schauen Sie, wie dort formuliert wird. Sie können von seriösen Zeitungen lernen.
  • Die Antworten müssen zum Kontext passen. Zitieren Sie keine Fakten ohne Zusammenhang.
  • Sprechen Sie, wovon Sie Ahnung haben. Wenn Sie über ein neues Thema sprechen wollen – reden Sie vorher mit Experten. Lassen Sie genau erklären, wie alles funktioniert und warum es genau so sein muss.
  • Im Kopf des Zuhörers sollten nach Ihrer Sprache Bilder entstehen. Bilder werden nicht so schnell wieder vergessen.
  • Nicht empfohlen sind wertende Adjektive: neueste, beste, einmalige, effektivste… Das klingt immer nach Werbung.
  • Auch Sie machen Fehler: Perfekte Projekte gibt es nicht. Sie dürfen gerne sagen, dass es auch noch Dinge gibt, an welchen Sie arbeiten und die es gilt hinzukriegen.
  • Glaubwürdigkeit ist wichtig und wird gefördert durch konkrete Sprache und Ehrlichkeit. Reden Sie also nicht so geschliffen sondern auch wie ein ganz normaler Mensch mit Stil.

Fazit

Ich glaube vor allem in der agilen Organisation und virtuellen Teams ist Sprache in Wort und Bild ein wichtiges Werkzeug Werte und Prinzipien zu transportieren. Wie das gelingen kann haben die Handlungsempfehlungen gezeigt. Ich glaube, dass es in Zukunft immer wichtiger wird lieber weniger zu sagen dafür aber genau zu überlegen und das Richtige zu sagen. Meine finalen Tipps sind: Überlegen Sie sich einfach bevor Sie etwas kommunizieren:

  • Beachte ich gängige Diversity und Gender Regeln?
  • Nutze ich eine offene Sprache?
  • Vermeide ich Superlative und Abwertungen?
  • Vermeide ich Populismus?
  • Kann ich differenzieren statt generalisieren?
  • Ist meine Aussage positiv und optimistisch?
  • Kann man etwas falsch verstehen?

Ausblick

Natürlich gibt es noch ganz wichtige Aspekte, die ich in der Kürze des Blogartikels nicht beschreiben kann. Eins davon ist z.B. die Rededauer, also die Gesprächsanteile. Speziell Dauer-Monologisierer kommen nie gut an. Neben diesem Aspekt gibt es noch viele Punkte, welche ich sicher noch in weiteren Blogartikeln ausführen werden.

Bildquelle: Geschäft Foto erstellt von katemangostar – de.freepik.com

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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