“Diese Nachricht dürfte Arbeitgebern gar nicht schmecken: Mehr als jeder Dritte deutsche Millennial will spätestens innerhalb der nächsten zwei Jahre seinen Arbeitgeber wechseln” (Quelle Horizont.de). Auch in den bekannten TV Sendern werden Studien zu diesem Thema aktuell thematisiert. Je nach Studie hat jeder 3. oder 5. Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt und möchte demnächst wechseln. Ich fand diese Zahlen alarmierend und habe mich näher mit den Hintergründen der Studien beschäftigt. Ebenfalls scheinen die führenden Karrieremagazine und Blogs diesem Trend aufgefasst zu haben und mir fällt schon seit einiger auf, dass ich in meinen Newsfeeds immer mehr Artikel finde wie: Sollten Sie kündigen, wie bereite ich eine Kündigung vor, Kündigung, wie sag ich es dem Chef uvm.

Die Diagnose: Langeweile im Job

Die Studien weisen auf Langeweile im Job als Ursache hin. Also wird nicht von Burnout oder Überforderung gesprochen sondern von Langeweile. Langweile im Job kann laut Slaghuis verschiedene Gründe haben:

  • Dauerhaft nichts zu tun
  • Monotonie der Tätigkeiten
  • Intellektuelle Unterforderung
  • Sinnlosigkeit der Arbeit

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Die meisten der Studien deuten in die gleiche Richtung. Doch woher kommt dies eigentlich? So Slaghius weiter: “Boreout schien zunächst vor allem ein Systemproblem zu sein. Der öffentliche Dienst wurde als Keimzelle der Langeweile im Job betrachtet. Das entspricht ja auch wunderbar dem Bild des faulen und langsamen Beamten. Inzwischen ist klar, dass dies längst nicht nur ein Behörden-Thema ist. Auch in großen Konzernen herrscht in einigen Büros gähnende Langeweile”.

Als Gründe werden Sätze genannt wie: “Stellen müssen besetzt werden”, “Der Chef macht’s selbst”, “Saison-Geschäft”, “Überqualifizierung”, “wenig Handlungsspielraum” und viele mehr.

Boreout? Das süße Nichtstun

“Bore-out entsteht durch zu wenige oder falsche Aufgaben, häufig in Verwaltungs- oder Dienstleistungsjobs, in denen Arbeiten wegrationalisiert oder durch Software erledigt werden. Nach der Zusammenlegung von Unternehmen entfallen Aufgaben, in Auftragsflauten brechen Kunden weg, anderswo werden Teams zu groß strukturiert. Es trifft vor allem Beamte, die Finanzindustrie, Bürojobs: “Maurer können nicht so tun, als ob sie arbeiten würden.” (Quelle Spiegel).

Wie sieht es in der Realität aus?

Mit diesem Aussagen im Gepäck habe ich mich auf den Weg gemacht und mit einigen meiner Freunde aus dem Consulting sowie Kontakten in Konzernen geredet. Erschreckenderweise wurden mir ähnliche Aussagen entgegengeworfen. Oft war es der zu kleine Handlungsspielraum in Konzernen oder im Consulting die Phase, in der kein Projekt zur Verfügung stand oder das Projekt aufgrund von Restbudget mit einer nicht “wertschöpfenden” Aufgabe ausgefüllt worden ist. So suchen aktuelle Fachkräfte nach ausfüllenden und sinnstiftenden Aufgaben. Ich gebe zu, dass meine Befragung sich auf meinen Bekanntenkreis entfaltet und sicher nicht vollständig ist. Jedoch zeigt schon dieses kleine Sample eine große Welle der “Langeweile im Job”. Von Boreout wollte jedoch niemand sprechen. Ich denke auch, dass dies etwas zu weit geht aber der gemeinsame Tenor steht: “Arbeit soll sinnstiftend und spannend sein”.

“Ich kann ja nichts machen”

Slaghuis hat viele Gründe für Langeweile im Job oder Boreout genannt. In meinem Sample traf jedoch der Fall: Kein Handlungsspielraum zu. So Slaghuis: „Ich kann ja nichts machen“ höre ich von vielen Konzern-Gelangweilten. Sie haben keine Freiheiten in Form von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen im Job. Jeder Arbeitgeber wünscht sich heute eigenständig denkende und handelnde Mitarbeiter – so zumindest die Schönschrift auf den Karriere-Seiten”.

Die harte Realität sieht jedoch anders aus. Angestellte sind oft zu “100% fremdbestimmt und gefangen in Arbeitsanweisungen, täglichen Abstimmungsrunden, minutiös definierten Prozessen und IT-gestützten, starren Arbeitsabläufen” (Slaghuis).

WAS GLAUBEN SIE?

Was denken Sie? Stimme diese Studien und sind unsere Jobs so langweilig oder sind diese Aussagen übertrieben und die Erwartungen von Fachkräften zu hoch? Ich habe nicht nur negative Beispiele gefunden aber ich finde im allgemeinen solche Studien als ein “Wink mit den Zaunpfahl”, welche wir hinterfragen sollten. Da ich selbst aus der Beratung komme, möchte ich am Ende auch einen Satire-Artikel im Business Punk hinweisen: Von wegen süßes Nichtstun, Boreout im Berufsalltag. Hier berichtet die Autorin über Boreout im Falle einer Unternehmensberatung. Die Kolumne ist in erster Linie sehr unterhaltsam, spiegelt aber auch einige Erfahrungen meiner Gesprächspartner wieder.

Genderhinweis: Ich habe zur leichteren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Sofern keine explizite Unterscheidung getroffen wird, sind daher stets sowohl Frauen, Diverse als auch Männer sowie Menschen jeder Herkunft und Nation gemeint. Lesen Sie mehr dazu.

Falls es noch Fragen gibt, können Sie mich gerne anrufen. Hierzu einfach im Buchungssystem nach einen freien Termin schauen. Ich nehme mir jeden Monat einige Stunden Zeit um mit Lesern zu interagieren.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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