Wer heute eine Stelle antritt, lernt Abläufe oft schon vor dem ersten Bürotag kennen, in einem digitalen Raum statt aus einem Stapel PDF-Dokumente. Weiterbildung und Einarbeitung verlagern sich, getrieben von hybriden Teams und dem Wunsch nach messbarem Lernen.
Was bedeutet New Learning?
New Learning meint weniger eine Technologie als eine Haltung: selbstgesteuertes, in den Arbeitsalltag eingebettetes Lernen, das die individuelle Rolle in den Mittelpunkt stellt. Statt Inhalte zu konsumieren, handeln Lernende in realitätsnahen Situationen und behalten dadurch mehr. Virtuelle Räume sind dafür kein Definitionsmerkmal, aber ein naheliegendes Mittel, weil sie Erfahrung ohne physische Anwesenheit erlauben.
Verteilte Arbeit verlangt neue Formate
Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeitet laut ifo-Institut zumindest teilweise von zu Hause, bei Dienstleistern über ein Drittel. Wer einarbeiten will, kann nicht mehr voraussetzen, dass alle am selben Ort sitzen. Die reine Videokonferenz hat dabei eine Schwäche: Untersuchungen von Barco deuten darauf hin, dass sich ein erheblicher Teil der remote Zugeschalteten weniger eingebunden fühlt als die Anwesenden im Raum. Für reine Abstimmung genügt das, für das Einüben von Handgriffen oder das Erleben einer Gefahrensituation reicht ein flaches Videobild nicht.
XR (Extended Reality) schafft hier eine geschützte Übungsumgebung. Drei Eigenschaften machen sie für Schulung und Onboarding interessant: Wiederholbarkeit ohne Risiko, Ortsunabhängigkeit und Messbarkeit, weil sich Handlungen protokollieren lassen. Deloitte beschreibt in seinen Human Capital Trends eine Arbeitswelt, in der lebenslanges Lernen zur Wettbewerbsvoraussetzung wird und der Beitrag von Mitarbeitenden zunehmend anders gemessen wird als über klassische Produktivität. Anbieter wie VR Owl entwickeln modulare XR-Lösungen für Schulung und Onboarding, die sich nach Anbieterangabe an bestehende Lernmanagementsysteme anbinden lassen.
Meine persönliche Beobachtung
Begeisterung und tatsächlicher Einsatz fallen noch auseinander. In Gesprächen mit Personalverantwortlichen höre ich echtes Interesse, gefolgt von einem „aber“, das selten die Technik betrifft, sondern die Pflege der Inhalte und die Rechnung bei kleiner Belegschaft. Mich überzeugt das Argument der Wiederholbarkeit am meisten, und zwar bei den unscheinbaren Fällen: Eine jährliche Sicherheitsunterweisung, die heute als durchgeklickte Präsentation endet, gewinnt durch eine Simulation an Ernsthaftigkeit. Zugleich bleibe ich vorsichtig. Eine schlecht konzipierte VR-Schulung ist nicht besser als ein schlechtes E-Learning, nur teurer. Die Technik nimmt niemandem die didaktische Arbeit ab.
Fazit:
Die Verlagerung folgt keiner Mode, sondern den Bedingungen verteilter Arbeit. Ob immersive Formate vom Sonderfall zum Standard werden, dürfte weniger an der Technik liegen als an der Frage, ob Unternehmen die Arbeit dahinter leisten wollen. Wahrscheinlich setzen sie sich zuerst dort durch, wo Wiederholung, Risiko und verteilte Standorte zusammenkommen. Die spannendere Frage ist nicht, ob wir künftig in virtuellen Räumen lernen, sondern ob wir es klüger tun als bisher.
Image: ChatGPT