VAIT Audits – IT-Regulierung für Versicherungen umsetzen

26 02 2026

Die Versicherungsaufsichtlichen Anforderungen an die IT (VAIT) konkretisieren die regulatorischen Erwartungen an die IT-Organisation von Versicherungsunternehmen in Deutschland. Sie ergänzen bestehende aufsichtsrechtliche Vorgaben – insbesondere Solvency II – und definieren einen strukturierten Rahmen für Governance, Informationssicherheit und IT-Betrieb. Für Versicherer bedeutet dies: IT ist nicht länger nur eine unterstützende Funktion, sondern ein zentraler Bestandteil der Risikosteuerung und Unternehmensführung.

VAIT-Audits helfen Unternehmen, die Wirksamkeit ihrer IT-Prozesse zu bewerten, regulatorische Lücken zu identifizieren und die eigene Governance zu stärken. Dieser Artikel beleuchtet den regulatorischen Geltungsbereich, zentrale Governance-Anforderungen sowie die praktische Vorbereitung auf Prüfungen.

Regulatorischer Geltungsbereich der VAIT

Die VAIT wurden von der BaFin entwickelt, um die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung im Versicherungssektor regulatorisch abzusichern. Ziel ist es, operationelle Risiken aus IT-Systemen systematisch zu steuern und eine stabile, sichere Infrastruktur zu gewährleisten.

Der Geltungsbereich umfasst sämtliche IT-bezogenen Prozesse eines Versicherers – von strategischer Planung über Systembetrieb bis hin zum Notfallmanagement. Dabei stehen folgende Prinzipien im Vordergrund:

  • Nachvollziehbarkeit von IT-Entscheidungen
  • Integration der IT in das unternehmensweite Risikomanagement
  • Schutz sensibler Daten
  • Sicherstellung der Geschäftsfortführung

Die VAIT verlangen keine spezifischen Technologien, sondern einen risikoorientierten, dokumentierten und überprüfbaren Ansatz. Versicherer müssen nachweisen können, dass ihre IT-Strukturen proportional zur Größe, Komplexität und Risikolage des Unternehmens ausgestaltet sind.

Für das Management bedeutet dies eine klare Verantwortung: IT-Risiken sind Unternehmensrisiken und unterliegen derselben Steuerungslogik wie finanzielle oder operationelle Risiken.

Governance-Anforderungen und organisatorische Erwartungen

Ein zentrales Element der VAIT ist eine belastbare IT-Governance. Versicherer müssen klare Verantwortlichkeiten, Entscheidungsprozesse und Kontrollmechanismen etablieren. Die Geschäftsleitung trägt die Gesamtverantwortung für die IT-Strategie und deren Umsetzung.

Wesentliche Governance-Bausteine umfassen:

IT-Strategie und Steuerung: Die IT muss an der Geschäftsstrategie ausgerichtet sein. Zielbilder, Investitionsentscheidungen und Prioritäten sollten dokumentiert und regelmäßig überprüft werden.

Informationsrisikomanagement: Risiken aus Anwendungen, Infrastruktur und Drittanbietern sind systematisch zu identifizieren, zu bewerten und zu überwachen. Dies schließt Cloud-Services und ausgelagerte Funktionen ein.

Informationssicherheitsmanagement: Versicherer benötigen ein strukturiertes Sicherheitskonzept mit Richtlinien, Schutzmaßnahmen und kontinuierlicher Überwachung. Rollen wie Informationssicherheitsbeauftragte müssen klar definiert sein.

Berechtigungsmanagement: Zugriffsrechte sind rollenbasiert zu vergeben, regelmäßig zu überprüfen und revisionssicher zu dokumentieren.

IT-Betrieb und Change-Management: Änderungen an Systemen müssen kontrolliert erfolgen, um Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten.

Notfallmanagement: Wiederanlaufpläne und Tests sichern die Geschäftskontinuität bei IT-Störungen.

Governance bedeutet hierbei nicht nur Regelwerke – entscheidend ist die praktische Umsetzung und die nachweisbare Wirksamkeit.

Typische Prüfungsperspektiven in VAIT-Audits

VAIT-Audits prüfen, ob regulatorische Anforderungen nicht nur formal erfüllt, sondern operativ gelebt werden. Prüfer legen besonderen Wert auf Transparenz, Konsistenz und Nachvollziehbarkeit.

Typische Prüfungsschwerpunkte sind:

Strategische Verankerung: Ist die IT-Strategie dokumentiert und mit der Unternehmensplanung abgestimmt?

Risikosteuerung: Werden IT-Risiken regelmäßig bewertet und Maßnahmen konsequent umgesetzt?

Dokumentation und Nachweisführung: Sind Prozesse, Richtlinien und Kontrollen revisionssicher dokumentiert?

Kontrollwirksamkeit: Funktionieren definierte Mechanismen im Tagesgeschäft – etwa Berechtigungsrezertifizierungen oder Sicherheitsüberwachungen?

Dienstleistersteuerung: Werden externe Anbieter angemessen überwacht und vertraglich abgesichert?

Incident- und Notfallmanagement: Sind Vorfälle strukturiert erfasst und Lessons Learned implementiert?

Ein wiederkehrendes Prüfkriterium ist die Konsistenz zwischen dokumentierten Vorgaben und tatsächlicher Praxis.

Audit-Vorbereitung: Praktische Umsetzung im Versicherungsunternehmen

Eine effektive Audit-Vorbereitung beginnt lange vor der eigentlichen Prüfung. Erfolgreiche Versicherer verstehen VAIT nicht als isolierte Compliance-Aufgabe, sondern als kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Frühzeitige Gap-Analysen: Regelmäßige Selbstbewertungen helfen, Schwachstellen zu erkennen und gezielt zu schließen.

Dokumentationsdisziplin: Richtlinien, Prozessbeschreibungen und Nachweise sollten aktuell und zentral verfügbar sein.

Klare Verantwortlichkeiten: Rollen zwischen IT, Risikomanagement und Compliance müssen eindeutig definiert sein.

Automatisierung und Monitoring: Technische Werkzeuge erhöhen Transparenz und reduzieren manuelle Fehler.

Schulungen und Awareness: Mitarbeitende müssen regulatorische Anforderungen verstehen und im Alltag anwenden.

Testläufe und Simulationen: Interne Audits oder Mock-Prüfungen verbessern die Prüfungsreife.

Ziel ist es, eine „Audit-Readiness“-Kultur zu etablieren, bei der Compliance integraler Bestandteil des Tagesgeschäfts ist.

Erfolgsfaktoren für nachhaltige VAIT-Compliance

Langfristige Compliance entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch systematische Steuerung. Erfolgreiche Versicherer setzen auf:

  • Management-Commitment
  • Risikoorientierte Priorisierung
  • Technologische Standardisierung
  • Transparente Kommunikation
  • Kontinuierliche Verbesserung

Ein strukturierter Governance-Rahmen schafft dabei die Grundlage für Effizienz und Sicherheit gleichermaßen.

Fazit

VAIT-Audits sind ein wesentlicher Baustein moderner Versicherungssteuerung. Sie stärken IT-Governance, erhöhen Transparenz und reduzieren operationelle Risiken. Versicherer, die regulatorische Anforderungen strategisch umsetzen, profitieren nicht nur von erhöhter Prüfungsreife, sondern auch von stabileren Prozessen und größerem Vertrauen bei Aufsicht und Kunden. Entscheidend ist, VAIT als Chance zur Weiterentwicklung der IT-Organisation zu begreifen – nicht lediglich als regulatorische Pflicht.

Bildquelle: https://pixabay.com/illustrations/finance-money-business-currency-8041772

Unterstützung bei Audits benötigt?

Wenn Sie Unterstützung bei der Vorbereitung, Durchführung oder Nachbereitung von IT-Audits benötigen, können Sie sich gerne bei mir melden. Ich unterstütze Unternehmen bei Audit-Readiness, Compliance-Strukturen, Dokumentationsaufbau sowie bei der Begleitung von ISO-, TISAX-, BSI- und regulatorischen Audits und bringe langjährige praktische Erfahrung aus Projekten in regulierten IT-Umgebungen mit.

Besonders unterstütze ich Organisationen in hochregulierten Umfeldern wie Banken, Finanzdienstleistern und KRITIS-Unternehmen bei Themen wie BAIT, MaRisk, DORA, Informationssicherheits- und Compliance-Audits.

Wenn Sie Unterstützung benötigen, können Sie gerne einen Termin vereinbaren oder sich direkt auf LinkedIn mit mir vernetzen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen