Big Data und VPN-Nutzer stehen sich in ihren Interessen scheinbar diametral gegenüber. Die einen wollen verlässliche Daten, darunter auch personenbezogene, die anderen wollen möglichst anonym surfen. Und tatsächlich bringen steigende VPN-Nutzerzahlen Implikationen für Big Data mit sich.

Wer den Hype um Big Data in den letzten Jahren verfolgte, wird festgestellt haben, dass die Euphorie zunehmend abklang. 2010 wurde der Einfluss des Phänomens auf sämtliche Lebensbereiche diskutiert: Von Wissenschaft über Wirtschaft bis hin zur Politik. Heute scheint Big Data als Buzzword hingegen weniger präsent zu sein. Keineswegs bedeutet das, es wäre heute weniger wichtig. Vielmehr ist Big Data zur Normalität geworden.

Gleichzeitig fand im letzten Jahrzehnt eine andere Entwicklung statt – und ist noch nicht abgeschlossen: Immer mehr Internetnutzer sind auf der Suche nach zuverlässigen VPN-Diensten, um ihre Privatsphäre zu schützen. Das hat nicht zuletzt auch einen Einfluss auf Big Data Praktiken.

Nutzerperspektive: VPN und Datenschutz

VPNs (Virtual Personal Networks) werden immer populärer. Sie stellen eine verschlüsselte Verbindung zwischen zwei Netzwerken her. VPN-Nutzer verbinden sich so mit einem Server, dessen IP-Adresse dann statt der eigenen für Dritte sichtbar ist. So lässt sich die eigene Adresse und der eigene Standort vor dem Zugriff anderer schützen.

Das steigende Bewusstsein für Datenschutz und nicht zuletzt einige prominente Skandale veranlassen immer mehr User, auf VPN-Anbieter zurückzugreifen.

Mit Einschränkungen ist die VPN-Nutzung in der Tat ein wirksamer Schutz gegen den Missbrauch der Daten des eigenen Surfverhaltens. So ist größtenteils sichergestellt, dass weder der Internetanbieter, noch weitere Dritte nachvollziehen können, welche Person ihre Spuren im Netz hinterlässt. Einen vollständigen Schutz können aber auch VPNs nicht bieten: Sobald sich ein Nutzer etwa bei Facebook oder mit anderen Profilen einloggt, ist es mit der Anonymität vorbei. Der Unterschied hierbei ist jedoch, dass die Weitergabe der Daten an diese Plattformen (im besten Fall) wissentlich geschieht. So bieten VPNs ein gewisses Maß an Kontrolle über die eigenen personenbezogenen Daten.

Deswegen steigen die Nutzerzahlen der VPN-Dienste stetig: Bis 2022 soll sich der Markt der VPN-Anbieter im Vergleich zu 2016 verdoppeln. Wenn also immer mehr Menschen die eigene IP-Adresse verschleiern, wird dies tiefgreifende Implikationen auf Big Data mit sich bringen wird.

Big Data Perspektive: Personenbezogene Daten als Rohstoff

Viele Nutzer denken bei Big Data an Ausspähung, an Firmen, die Privatsphäre missachten. Dass dies manchmal zutrifft, zeigen namhafte Skandale, wie die Kontroverse um Cambridge Analytica im US-Wahlkampf 2016.

Die Realität ist aber etwas komplexer: Big Data kann auch „Gutes“ tun. Dank Datenanalyse können Krisen vorhergesagt, schnell und adäquat auf Naturkatastrophen reagiert und Entwicklungshilfe effizienter ausgerichtet werden. Das sind nur einige Beispiele, die aber verdeutlichen, dass bloßes Schwarz-Weiß-Denken bei diesem Thema nicht ausreicht. Wie bei den meisten technologischen Fortschritten der vergangenen Jahrzehnte gibt es bei Big Data viel Dunkel, aber auch Licht.

Nichtsdestotrotz muss man das Geschäftsmodell und das Eindringen in die Privatsphäre von Nutzern kritisch hinterfragen. Personenbezogene Daten werden immer wieder als Währung des digitalen Wirtschaftssektors bezeichnet. Unzählige Apps und Webseiten lassen sich kostenlos nutzen – im Austausch für Daten, wie Standort, Geschlecht, Nutzungsdauer und -muster. Was passiert, wenn diese Währung quasi entwertet wird?

Denn gute VPN-Anbieter verhindern, dass Tracking-Tools das Nutzungsverhalten aufzeichnet. So verschließt sich durch die VPN-Nutzung nun ein beachtenswerter Prozentsatz der Internetnutzer der Analyse ihrer Nutzungsdaten. In Deutschland sind das immerhin rund 30 Prozent. Somit ist fast ein Drittel der Nutzer für die Sammlung und Analyse mancher Daten unbrauchbar. Zudem finden sich darunter vor allem die technisch versierteren Nutzer, deren Daten für Marketingzwecke besonders wertvoll sind. Datensätze verlieren so an Qualität und Wert. Und darauf wird die Branche reagieren müssen.

Ausblick: Können Big Data und VPNs koexistieren?

Dass es einer einzelnen Privatperson herzlich egal sein kann, ob Internetriesen nun brauchbare Daten bekommen oder nicht, ist zunächst einmal verständlich – ebenso wie es absolut nachvollziehbar ist, warum Nutzer ihre IP-Adresse nicht preisgeben wollen. Firmen stehen aber vor der Herausforderung, weiterhin mit validen Daten arbeiten zu können, wenn die Zahl der Kunden von VPN-Diensten immer weiter wächst.

Im besten Fall führt das zu mehr Transparenz auf Seiten der Datenanalysten: Wenn Sie kommunizieren, welche Daten wie erhoben werden und wofür sie verwendet werden, könnten sie das Vertrauen der Bevölkerung stärken.

Denkbar ist auch, dass immer mehr zuvor kostenlose Angebote und Dienste kostenpflichtig werden. Auch das wäre aus Sicht von Datenschützern sicher eine positive Entwicklung, wenn sie mit der Wahrung der Privatsphäre einhergeht.

Was jedoch kaum passieren wird, ist, dass Big Data aus der Praxis verschwindet. Vielmehr werden Analysten wohl kreativer werden und versuchen, mit anderen Datenquellen zu arbeiten und sich an die VPN-Nutzung anzupassen.

Das Spannungsverhältnis zwischen VPN-Nutzung und Big Data wird in den kommenden Jahren jedenfalls kaum abebben. Und während sich die Seite der Unternehmen flexibel und anpassungsfähig zeigen muss, werden immer mehr Privatpersonen für die Wahrung personenbezogener Daten sensibilisiert und sich entsprechend schützen.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/iphone-mac-ios-android-apple-4701395/

Gastartikel
Autor

Dieser Artikel wurde als Gastartikel verfasst. Für mehr Informationen zum Autor fragen Sie bitte den Betreiber den Blogs an.

Schreiben Sie einen Kommentar

*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen