Smarthome – Hilfreicher Trend oder ernste Gefahr für Ihre Privatsphäre?

Schon vor einigen Jahren prognostizierte das Marktforschungsunternehmen Gartner in seiner Studie “Leading the IoT“, das in diesem Jahr bis zu 20 Millionen Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Und dieser Trend wird auch in absehbarer Zeit kein Ende nehmen.

Ein Großteil dieser Geräte – wie Smart TVs, Lampen oder Heizungsthermostate – kommt im Rahmen eines Smarthomes (Was ist ein Smarthome?) zum Einsatz. Geräte werden dann als „smart“ definiert, wenn sie mit Chips und Prozessoren ausgestattet sind, über die sie mit dem Internet oder anderen Geräten im selben Netzwerk Daten austauschen. 

Diese völlig neue Art der Kommunikation stellt den wohl größten Vorteil von Smarthome-Geräten dar und soll den Nutzern das Privatleben so weit wie möglich erleichtern. Schließlich gestalten sie nicht nur ihren Alltag ein wenig angenehmer, sondern helfen ihnen auch, den ein oder anderen Cent zu sparen.

Gleichzeitig greift diese völlig neue Verwendung alltäglicher Geräte aber auch stark in die eigene Privatsphäre ein und birgt ein enormes Risiko für persönliche Daten. Das liegt vor allem daran, dass für die gewünschte Automatisierung alltäglicher Aufgaben große Mengen sensibler Daten erhoben und zur Verarbeitung mittels künstlicher Intelligenz zwangsweise die Hände des Herstellers durchlaufen.

Der Preis sind Ihre Daten

Die Aufrüstung auf ein smartes Zuhause geht daher grundsätzlich mit dem Potenzial von Verletzungen des Datenschutzes und der Datensicherheit einher.  Der Datenschutz bezieht sich dabei in erster Linie darauf, persönliche Daten – wie den Namen, das Alter oder die Anschrift einer Person – zu schützen. Die Datensicherheit bezeichnet dagegen den Schutz dieser Daten vor unberechtigten Zugriffen – zum Beispiel mittels Malware oder durch Hacker.

Die Geräte, die den Deutschen in Hinsicht auf die Privatsphäre am gefährlichsten erscheinen, sind laut dem GDATA IT-Security-Barometer 2018  vor allem Smarthome-Geräte wie Smart Speaker. Den grundlegenden Risiken scheinen sich die Befragten also durchaus bewusst zu sein.

Und damit haben Sie nicht Unrecht, denn die Abwehr von Cyberangriffen ist für diese Geräte technisch nur sehr aufwendig zu gewährleisten. Hinzu kommt, dass die Sicherheit bei der Entwicklung von Hard- und Software meist keine Priorität hat. Auch Datenschutzverletzungen im Rahmen der Kommunikation der Geräte mit den Clouddiensten der Hersteller – insbesondere bei Smart Speakern – stellen ein ernstzunehmendes Problem dar.

Wie kann man sich schützen? Diese Maßnahmen schützen Ihre Privatsphäre

Die berüchtigten Cookie-Banner beim Aufruf einer neuen Webseite kennt mittlerweile wahrscheinlich jeder. Dass man hier nicht direkt auf „akzeptieren“ klicken, sondern etwas näher hinschauen sollte, ist den meisten bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Schließlich würden Sie Dritten andernfalls in wenigen Sekunden die Berechtigung zur umfassenden Datenerhebung erteilen.

Dieselbe Vorsicht sollte auch bei der Einrichtung Ihres Smarthomes gelten. Konkret bedeutet das: Stellen Sie unbedingt sicher, dass Sie die Einstellungen zur Datenerhebung und -Verwendung sowie zur Übertragung ihrer persönlichen Daten an die Server der Gerätehersteller in- und auswendig kennen, um sie so weit wie möglich einzuschränken. Spielen Sie mit dem Gedanken, sich ein smartes Gerät zuzulegen, dann sollten Sie zudem von vornherein darauf achten, dass es Ihre Daten auf europäischen Servern speichert. Schließlich ist nur so gewährleistet, dass die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingehalten wird.

Für weiterführenden Informationen ist auch eine Beitragsreihe der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Das Internet der Dinge ist kaputt“ zum Thema Smarthome-Sicherheit interessant. Auch hier wird betont, dass die Sicherheit oberste Priorität haben sollte. Das gilt vor allem, da smarte Geräte in unserem intimsten Lebensumfeld zum Einsatz kommen.

Wie bereits erwähnt, sind Kenntnisse rund um die Gewährleistung der Sicherheit mittlerweile auch zur Grundvoraussetzung für eine verantwortungsbewusste Nutzung des Internets geworden.

Achten Sie darauf, die genutzten Betriebssysteme und Geräte auf die aktuellen Updates und Patches upzugraden. Nicht notwendige Funktionen wie W-Lan oder Bluetooth sollten zudem stets inaktiv sein, wenn nicht unbedingt benötigt. Vergessen Sie außerdem nicht, sich die nötige Zeit zur Einrichtung neuer Geräte zu nehmen und statt der Standardvorgabe, individuelle, starke Passwörter zu verwenden. Hierzu bietet sich beispielsweise ein einfach zu merkender Satz an wie: „Mein_neuer_Smart_TV_wurde_2020_gekauft.“

Neben den bereits erwähnten Maßnahmen lohnt es sich auch, eine Firewall einzurichten und ein VPN (Virtual Private Network – Was ist das?) zu verwenden, um die Kommunikation vor Hackerangriffen zu schützen. Hierbei erzeugt die aktive VPN-Verbindung eine Art Tunnel zwischen Ihrem Gerät und dem Server des Anbieters. Wir die Verbindung aufgebaut, dann weist der Empfängerserver jedem Ihrer smarten Geräte eine eigene IP-Adresse (Tunnel) zu. Die über ihn gesendeten Daten werden anschließend verschlüsselt (in einen virtuellen Karton gepackt) und direkt an den Zielserver gesendet, ohne dass Dritte unterwegs darauf zugreifen können. Sie sie einmal beim Empfänger eingetroffen, dann können die Datenpakete wieder entschlüsselt (ausgepackt) werden.

Ein Restrisiko bleibt bestehen

Ein gewisses Restrisiko besteht bei der Nutzung smarter Geräte leider immer. Schließlich geben Sie Ihre persönlichen Daten in jedem Fall zumindest an den Hersteller weiter. Halten Sie sich an die erwähnten Maßnahmen, dann können Sie Ihr Smarthome allerdings sehr viel sicherer gestalten.

Kaufen Sie die Geräte sehr bewusst und nehmen anschließend die entsprechenden Anpassungen und Einstellungen vor, dann lassen sich böse Überraschungen in Form eines unnötigen Datenschutzverstoßes durchaus vermeiden. Auch in Hinsicht auf die Sicherheit Ihrer Daten vor dem Zugriff Dritter über das Internet können Sie mit ein wenig IT-Grundkenntnissen und den richtigen Konfigurationen Eingriffe von Cyberkriminellen deutlich reduzieren. Die Gefahr einer unnötigen Verletzung Ihrer Privatsphäre lässt sich so zumindest möglichst gering halten.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/smartphone-handy-touchscreen-mobil-1894723/

Edward Teach
Autor

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