Besonders große Firmen wie Daimler oder Bosch schreiben sich schon seit einer Weile den Trendbegriff “Working out Loud” auf die Fahne. Im Zuge von New Work und Digitalisierung scheint dies die nächste Stufe Agiler Organisation zu sein. Aber was steckt überhaupt dahinter? Nur wieder eine kurze Modeerscheinung oder ein ernstzunehmendes Konzept?

Worum geht es bei Working out Loud?

Der Begriff “Working out Loud” besteht tatsächlich schon ein knappes Jahrzehnt. 2010 tauchte der Begriff im Zuge eines Blogartikels des IT-Consultant Bryce Williams zum ersten Mal auf. Williams befasste sich in seinem Text mit der Idee Arbeit und Wissen öffentlich zu teilen, sodass ein Mehrwert für alle entsteht. Dafür formte er aus den bisher bekannten Konzepten Social Collaboration und Collaborative Learning den Begriff “Working out Loud” (WOL).

Nachdem WOL 5 Jahre später von John Stepper in seinem Buch genauer thematisiert wurde, fand es schnell Anklang in vielen großen Unternehmen. Stepper stellte das Konzept in Form von Circle-Guides auf seiner Webseite auch kostenlos zur Verfügung. Nutzer übersetzen es danach aus dem Englischen in weitere Sprachen, sodass WOL mittlerweile besonders stark in den USA, Europa aber auch Brasilien und China verbreitet ist.

Wie ist Working out Loud aufgebaut?

Stepper beschrieb 2015 in seinem Buch, dass sich WOL an 5 Prinzipien orientiert, die den Leitgedanken verfolgen, durch die Reflektion der eigenen Vorgehensweisen, individuell gesteckte Ziele zu erreichen.

Relationships

  • Aufbau nachhaltiger Beziehungen
  • inkl. eigenem Beitrag zur Festigung dieser Beziehungen

Generosity 

  • Teilen von Wissen aus freien Stücken
  • Stärkung des eigenen Netzwerkes

Visible Work

  • Sichtbar machen der eigenen Arbeit
  • Mehrwert für das Netzwerk statt Selbstinszenierung

Purposeful Discovery

  • ressourcenorientiertes Arbeiten
  • strategische Verfolgung von Zielen mit Lernkurve

Growth Mindset

  • Offenheit und Neugier gegenüber Neuem
  • alle Möglichkeiten nutzen um gesetzte Ziele zu erreichen

Wie funktioniert Working Out Loud?

Zur Realisierung dieser Prinzipien sieht Stepper eine Bildung von Teams aus 3 bis 5 Personen vor, den sogenannten Circles. Diese treffen sich in einer Arbeitsphase von 3 Monaten eine Stunde pro Woche um gemeinsam an den jeweiligen Zielen der einzelnen Teammitglieder zu arbeiten.

Zunächst einmal muss jeder Teilnehmer dafür ein eigenes Ziel formulieren. Es spielt dabei keine Rolle ob dieses privater oder persönlicher Natur ist. Wichtig ist nur, dass es für das Teammitglied bedeutsam und innerhalb von 12 Wochen erreichbar ist. So wird sicher gestellt, dass über den Zeitraum des Konzepts eine konstante Motivation vorzufinden ist.

Unterstützt werden die Teammitglieder dabei von einem Circle Guide, der Allen kostenlos zur Verfügung steht. In diesem werden jede Woche noch Vorschläge und Übungen vorgestellt, die mit dem 5 Prinzipien von WOL zusammenhängen und bei der Realisierung der Ziele helfen sollen. Es geht vor allem darum nicht nur einen Mehrwert für sich selbst, sondern auch für das Netzwerk zu schaffen, indem der Weg zum Ziel möglichst transparent dargestellt wird. Auf diese Weise sollen die einzelnen Teammitglieder ausserdem das Konzept soweit verinnerlichen, dass die Arbeitsweise von WOL schließlich zu einer Gewohnheit wird.

Der Circle Guide ist dabei sehr offen formuliert. Zwar sollen Gruppengröße und Konzeptzeitraum für eine bessere Qualität nicht überschritten werden. Das Team ist aber trotzdem in vielen Entscheidungen sehr frei. So kann es zum Beispiel über die genaue Länge der Besprechung, den Zeitpunkt der Durchführung der Übungen oder die Ortswahl frei bestimmen. Auch digital vernetzte Teams an unterschiedlichen Standorten können so gemeinsam WOL nutzen.

Für wen ist es geeignet?

Aber nicht nur für große Firmen ist WOL ein interessantes Konzept. Denn theoretisch kann jedes Unternehmen WOL anwenden. Besonders eignet es sich dabei aber für stark digitalisierte Firmen. Schließlich fordert dies eine offenere und sekbstorganisiertere Arbeitsweise. Dafür braucht es nicht nur die richtige Einstellung, sondern auch neue Arbeitsmodelle und Strukturen. Freies Denken, die Möglichkeit eines Wissensaustauschs und gut organisierte Netzwerke sowie starke Partner geben Raum für Innovationen und sind die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung im digitalen Zeitalter.

Unternehmen sehen ihre Mitarbeiter dabei zunehmend als wichtigste Ressource. WOL kann dabei ein Ansatz sein, die Expertise der eigenen Belegschaft zu fördern. Es gibt den nötigen Raum für Austausch, Unterstützung und Inspiration. Auf diese Weise entstehen neben flexiblen Abeitsformen auch nachhaltige Netzwerke.

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Bildquelle: Pixabay.com

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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