Im Zuge der Forschungsarbeit habe ich zahlreiche Bücher und Quellen zitiert. Nun war es mein Anliegen auch die Gesichter der wichtigsten Publikationen kennenzulernen und mich mit diesem auszutauschen. So habe ich einen Dialog mit Valentin Nowotny zum Thema: Agile Organisation geführt. Valentin Nowotny ist Autor des Buches: agile Unternehmen – nur was sich bewegt kann sich verbessern. Der Diplom-Psychologe und langjährige Projektmanager arbeitet nun als Berater zum Thema: agile Organisation. Im Zuge des Projekts habe ich mich mit Valentin Nowotny über Thesen meiner Promotion unterhalten und veröffentliche hier die Zusammenfassung des Gesprächs.

Was bedeutet Agilität?

Im ersten Teil haben wir geklärt, was Agilität eigentlich bedeutet und kamen auf 3 wesentliche Punkte: Mindset, Werte, Prinzipien und Praktiken. Laut Nowotny sind Mindset und Werte sowie viele Prinzipien von Agilität bereits definiert. Wo sich jedoch die Literatur noch streitet sind im Bereich der Ausführung, eben der Praktiken. Hier gibt es unendlich viele Tools und Methoden. Es gibt hier kein richtig oder falsch.

Unternehmen beschäftigen sich mit Agilität

Auf die Frage: Was machen Unternehmen eigentlich gerade?, sagt Nowotny: “Sie wollen agiler werden”. Aktuell befassen sich Unternehmen also mit solchen agilen Praktiken und überlegen: “Wie können wir diese umsetzen, wie fühlt sich das, ist es das richtige für uns?”. Nowotny begleitet hier Teams und sieht als kritischen Erfolgsfaktor aktuell ebenfalls, dass Menschen miteinander “reden” müssen. Er sagte dazu:

Menschen müssen sich mit anderen Menschen auseinandersetzen. Teamprozesse sind wichtiger denn je.

Agile Unternehmen bewegen sich

Der Titel von Nowotnys Buch lautet: Nur was sich bewegt, kann sich verbessern. Hier meint Nowotny bewusst auf das Wort “verändern” verzichtet zu haben. Denn ebenfalls Dinge, welche sich nicht bewegen, verändern sich. Sie werden z.B. alt. Wenn sich etwas jedoch verbessern will, dann muss es sich bewegen.

Doch wohin soll es sich bewegen? Eine agile Organisation ist laut Nowotny: fokussiert, schnell und flexibel. Agilität ist nicht radikal sondern ein konstanter Prozess der Veränderung. Viele Unternehmen sind bereits sehr erfolgreich, jedoch müssen sich auch diese verbessern um langfristig erfolgreich zu sein.

Nur eine agile Organisation kann langfristig erfolgreich sein!

Kurzfristig kann diese These als falsch erachtet werden. Viele Unternehmen sind momentan erfolgreich und fahren hohe Umsätze ein. Jedoch kann mittel- und vor allem langfristig diese These richtig sein, so Nowotny. Aktuell ist Agilität noch unsicher: z.B. sind Praktiken wie Selbstorganisation von Teams noch nicht erforscht und agiles Führen wird noch genau definiert. Doch Praktiken von heute müssen nicht zwangsläufig auch morgen erfolgreich sein. Eine agile Organisation wie Apple ist mittlerweile eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Deutsche Unternehmen probieren oft noch zu wenig. Eine Ausnahme ist hier der deutsche Mittelstand (“Hidden Champions”). Dieser strebt nach globalen Märkten und Kooperationen mit anderen Mittelständlern und hat damit den DAX-Konzernen einiges voraus.

State of the Art in Unternehmen

Ich habe im letzten Teil des Dialogs mit Valentin Nowotny über den aktuellen Stand in Unternehmen gesprochen. Er selbst meint, dass die Aufgaben in kleinen Unternehmen spannend sind aber dort oft die Professionalität fehlt. Geht man in größere Unternehmen, dann ist es zwar professionell aber es fehlt die Spannung und das Vertrauen, so Nowotny. Er fordert, dass Arbeit nicht zwingend “professionell” sein sollte, sondern “sich richtig anfühlen soll”. Nur, wenn ein Projekt laut dem Guidelines erfüllt worden ist, fühlt es sich nicht automatisch richtig an. Er stellt dort folgenden Satz fest:

Viele arbeiten 8h und machen Dienst nach Vorschrift, und gehen voller Elan nachhause um dort z.B. Forschung zu betreiben und sich selbst zu verwirklichen.

Laut Nowotny ist Deutschland durch viele kleine und große Erfindungen wirtschaftlich bedeutsam geworden. Doch mittlerweile fokussieren sich Menschen zu wenig auf ihre Arbeit als wirkliche schöpferische Herausforderung. Agilität soll diese Lust zurückbringen und wieder mit Leidenschaft und Pioniergeist kreative Prozesse anstoßen. Nowotny stellt aus eigener Erfahrung fest, dass es sehr frustrierend ist, Anträge über 3 Hierarchiestufen genehmigen zu lassen. So verlieren Mitarbeiter Motivation oder arbeiten sogar in einer Parallelwelt. Nowotny meint hiermit: Auf der einen Seite erledigen diese die, von der Organisation geforderte Arbeit um dann „hintenrum“ den Kunden heimlich Nutzen zu stiften.

Wir haben in den Unternehmen Mitarbeiter, welche für eine halbe Millionen Euro Häuser bauen, und hier als Bauherr sehr verantwortungsvoll agieren, und sich dann wegen einer Ausgabe über z.B. 50 Euro im Unternehmen mehrfach absichern müssen warum diese unumgänglich war.

Vielen Dank an Valentin Nowotny für den spannenden Dialog und ich freue mich auf Kommentare und Anregungen im Blog.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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