In meiner Forschung habe ich neben einer Gruppendiskussion auch die Daten erhoben. Hierzu habe ich eine quantitative Befragung durchgeführt. Diese dient der schnellen Erhebung von Daten, welche ich in den Roundtables gemeinsam mit den Teilnehmern auswerten konnte. Allen zugrunde liegt immer eine dedizierte Literaturanalyse. In diesem Artikel gebe ich einige Tipps dazu.

Lesetipp: Literaturempfehlungen

Die Literaturanalyse wird oft an das Regelwerk von Fettke (2006) angelehnt. Durch eine Suche in akademischen Datenbanken mithilfe von Suchstrings werden ähnliche Ergebnisse und Herangehensweisen beschrieben, zusammengefasst, bewertet, geklärt und integriert (Fettke 2006). Dadurch wird zwar primär kein neues Wissen generiert, dies kann jedoch dabei helfen, das bereits vorhandene Wissen zu strukturieren und darauf aufzubauen. Das Vorgehen beinhaltet die Literatursuche, Literaturauswertung und die Analyse und Interpretation im Kontext der Forschungsfrage.

Literaturrecherche

In der Literaturrecherche werden im Rahmen der Beantwortung der zentralen Forschungsfrage ausgewählte Literaturdatenbanken (z. B. scholar, springerlink etc.) durchsucht. Dabei wurden im ersten Schritt Suchstrings festlegt wie z.B.

  • digi* AND (workplace OR “knowledge work”) AND (mobil* OR individu* OR agil*)”
  • (company OR “organisation”) AND (taylor* OR agil* OR digi*) AND (“transformation” OR “framework”)

Diese werden in die verschiedenen Datenbanken eingeben und man schaut, wieviel Ergebnisse gefunden worden sind. Beispielsweise liefert Suchstring 2 aktuell 1.169 Ergebnisse. Abschließend wurden für die Betrachtung alle Abstracts untersucht und vorsortiert. In diesem Fall habe ich 97 Beiträge nach Prüfung der Abstracts genauer untersucht. Nach genauerer Inhaltlicher Sichtung verblieben 13 Primärquellen, welche ich für die Konzeption meiner Studie verwendet habe. Das bedeutet, dass ich alle 97 Beiträge mir genauer angesehen habe und genau nach Relevanz bewertet habe. Anbei findet sich eine große Auswahl relevanter akademischer Datenbanken.

Lesetipp: Buch wissenschaftliches Lesen

  • EBSCO (ASC, BSC, EconLIT)
  • ScienceDirect
  • Emerald Web of Science
  • ACM
  • AISel
  • EconBiz
  • IEEE
  • ProQuest
  • Springerlink

Exkurs: was ist akademisch?

Der Betreuer wird Ihnen wohl gesagt haben, dass Sie akademische Literatur verwenden sollen. Doch was ist akademisch? Der VHB-JOURQUAL3 ist ein Ranking von betriebswirtschaftlich relevanten Zeitschriften auf der Grundlage von Urteilen der VHB-Mitglieder. Bald sollte auch das VHB4 kommen.

Über 1.100 Mitglieder des VHB haben in den letzten Monaten insgesamt 64.113 Bewertungen von Zeitschriften vorgenommen. Von den 934 Zeitschriften, die zur Bewertung standen, haben 651 Zeitschriften die Schwelle von 25 Bewertungen überschritten und ein Rating erhalten. Diese sind wie folgt unterteilt:

  • 22 herausragende und weltweit führende wissenschaftliche Zeitschriften im Fach BWL (A+ = 3,4%),
  • 72 führende wissenschaftliche BWL-Zeitschriften (A = 11,1%),
  • 217 wichtige und angesehene wissenschaftliche BWL-Zeitschriften (B = 33,3%),
  • 273 anerkannte wissenschaftliche BWL-Zeitschriften (C = 41,9%) und
  • 59 wissenschaftliche BWL-Zeitschriften (D = 9,1%).

Literaturanalyse

In der Analyse werden alle Paper sortiert und am besten nach Jahr oder Kategorie sortiert. Ziel ist es ab der ersten Erwähnung des untersuchten Kontext die Debatte um das Forschungsthema darzustellen. Hier kann man die letzten Jahre knapp zusammenfassen z.B. Computer an Arbeitsplätzen gibt es seit 1985 und wir haben diese bis dahin nicht untersucht. Dann ab ca. 2000 finden sich zahlreiche Veröffentlichungen dazu und diese werden in der Debatte um die Arbeitsplatz IT zusammengefasst. Nun am Ende der Analyse (letzten 2-3 Jahre) wird breiter dargestellt, welche aktuellen Meinungen es gibt. Beispiel: Bei der Arbeitsplatz IT gehen die Forschungen auseinander. Einige forschen nach Homeoffice-Arbeitsplätzen, andere nach Flexdesks und dritte nach Ergonomie am Arbeitsplatz und so weiter.

Lesetipp: Literatursuche in 7 Schritten

Es gibt mehr als eine Literaturanalyse

Insgesamt wurden drei verschiedene Elemente der Inhaltsanalyse identifiziert Mayring (2000).

  • Explizierende Inhaltsanalyse
  • Strukturierende Inhaltsanalyse
  • Zusammenfassende Inhaltsanalyse

Das Ziel der explizierenden Inhaltsanalyse ist es zusätzliche Informationen (Hintergrundinformationen) zum Forschungsthema zu identifizieren um einen höheren Verständnisgrad zu erreichen. Die Strukturierende Inhaltsanalyse identifiziert bestehende Inhalte und sortiert diese in Kategorien anhand einer festgelegten Vorgehensweise. Die Zusammenfassende Inhaltsanalyse reduziert das Textmaterial soweit, dass wesentliche Inhalte erfasst werden und ein überschaubarer Kurztext entsteht.

Tipp: “Hilfe! ich finde keine Literatur!”

Oft erhalte ich Mails, in welchen ich folgendes gefragt werde: Ich schreibe über Thema X und finde keine Literatur. Haben Sie irgendwelche Tipps? In 99% der Fällen sende ich auch Literatur zurück. Allerdings ist das nicht zu Ihren Vorteil. Dies hat den Grund, dass Sie in der Abschlussarbeit angeben müssen: Warum haben Sie genau diese Literatur genommen. Eine Antwort wie: Hat mir Herr Lindner gesendet oder kam zufällig bei Google, wird Ihren Betreuer wohl wenig freuen.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen helfen, wie Sie Literatur finden. Beispielsweise hat mich ein Student angeschrieben, welcher Scrum in der Produktion untersucht. Also bauen Sie sich einen Suchstring, welche all Ihre relevanter Wörter als auch Synonyme enthält: Scrum AND (Manufacturing OR Production OR Industry) und suchen Sie zuerst bei Google Scholar. Anschließend auch bei den anderen Datenbanken, welche ich oben aufgeführt habe. Ich habe bei diesem Suchstring direkt einige Paper zu Scrum in der Produktion auf der ersten Seite gefunden.

“Aber ich finde trotzdem nichts!”

Sie haben meine Schritte befolgt und finden trotzdem nichts? Dann könnte das an verschiedenen Punkten liegen. Sie sollten dann Ihre Thema überdenken und eventuell gemeinsam mit den Betreuer etwas verändern.

  • Ihr Thema ist zu neu und es gibt noch keine Literatur
  • Ihr Thema ist in der Akademie nicht relevant, sondern ein reines Praxisthema
  • Sie schreiben für einen Konzern und das Thema ist konzernspezifisch
  • Ihr Thema wird in einem anderen Kontext untersucht

Bei fast allen Gründen haben Sie keine Wahl als das Thema zu drehen oder die unten aufgeführte Grounded Theory anzustreben. Jedoch sollten Sie vorher versuchen Ihre Thema zu drehen, indem Sie etwas um die Ecke denken. Vielleicht wird ihr Thema ja unter anderen Gesichtspunkten erforscht. Beispielsweise würde ich das Thema des Studentin (Scrum in der Produktion) verändern, indem ich den Einfluss der Digitalisierung auf die Agilität in der Produktion untersuchen würde. Schon finden sich zahlreiche Quellen und der Gesichtspunkt von Scrum kann anschließend aus den Daten abgeleitet werden. So setzt die Forschung an der aktuelle Diskussion an und der ursprüngliche Schwerpunkt kann weiterhin behalten werden.

Alternative: “Grounded Theory”

Wenn Sie das Thema trotzdem durchziehen wollen, weil es Ihr Praxispartner bezahlt oder Sie einfach das Thema lieben, dann geht das natürlich auch. Erzeugen Sie sich dazu einfach selbst Informationen, indem Sie mit Interviews starten oder selbst Fallstudien erheben. Somit bauen Sie nicht auf eine Literaturanalyse auf, sondern auf empirischen Daten. Sie starten also auf der grünen Wiese ohne Literatur. Ich habe bereits so eine Masterarbeit betreut. Es ist sehr viel Arbeit, überlegen Sie sich deswegen genau, ob Sie es durchziehen wollen. Falls Sie mehr wissen wollen, habe ich einen extra Artikel dazu geschrieben.

Lesetipp: Grounded Theory

Fazit: Tipps zur Methode Literaturanalyse

Die Methode ist für fast jede Forschung sehr gut geeignet und fokussiert sich auf die Strukturierung des aktuellen Wissensstand. So kann ein Forscher zeigen, dass an der aktuellen Wissensstand ansetzt. Die Auswertung nimmt eine hohe Zeit in Anspruch, aber ist wichtiger Grundstein jeder Forschung. Meine Tipps sollten eine erste Orientierung zur Methodik geben. Schauen Sie auf jeden Fall auch in meine weiteren Buchtipps!

Helfen Sie meinem Blog und der Forschung

Sie können mir helfen, indem Sie rechts in der Seitenleiste oder in der Mitte/Ende des Beitrags auf eine Werbeanzeige klicken. Das Forschungsprojekt erhält dadurch einen Euro. Vernetzen Sie sich auch gerne via Xing oder kontaktieren Sie mich für einen Austausch zur Ihrer Abschlussarbeit. Ich biete gerne das Du an. Sie können auch gerne am Forschungsprojekt teilnehmen und sich beteiligen. Schauen Sie auch in meine weiteren Buchvorschläge für Studenten!

Verwendete Quellen anzeigen

P. Fettke, State-of-the-Art des State-of-the-Art. „Eine Untersuchung der Forschungsmethode ”Review” innerhalb der Wirtschaftsinformatik“. Wirtschaftsinformatik, vol. 46, no. 5, 331–340, 2006.

Mayring, P. (2000). Qualitative Inhaltsanalyse. In Forum Qualitative Sozialforschung 1 (p. 10).

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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