“Einerseits ist von der Digitalisierung ein Schub für das Projektmanagement zu erwarten, denn diese wird vor allem durch Projekte vorangetrieben. Wird der Projektleiter durch die wachsende Komplexität zur Schaltzentrale, die zunehmend verteilte und interdisziplinäre Teams, häufig auch aus unterschiedlichen Organisationen, als Generalist vernetzt?” fragt das Projektmagazin in einer Blogparade zum Projektleiter2030. An dieser möchte ich in diesem Zuge gerne beteiligen.

Der Projektleiter heute!

Wie sieht es heute mit dem Projektleiter aus? Ein Stichwort ist wohl die fachliche Leitung von Mitarbeitern in der Matrixorganisation. Eine Art zahnloser Tiger, welcher Menschen dazu bewegen muss, neben ihrem Tagesgeschäft noch für sein Projekt zu arbeiten. Es ist selten, dass man Vollzeit Personal zugeteilt bekommt, denn selbst wenn, ist der Mitarbeiter oft noch in 5 anderen Projekten. So zumindest mein Eindruck. Der Projektleiter muss also motivieren und die verschiedenen Stakeholder zusammenbringen und das Projekt am Laufen halten. Doch nun bleibt die Frage: Was macht der digitale Wandel mit einem Projektleiter? Wird er wie vom Projektmagazin zu einer Schaltzentrale die zunehmend verteilte und interdisziplinäre Teams, häufig auch aus unterschiedlichen Organisationen, als Generalist vernetzt?

Lesetipp: Generalist oder Spezialist?

Roundtable zur Zukunft im PMO

Zur Beantwortung dieser Frage habe ich vor einiger Zeit bereits eine Studie gemacht. Hierzu habe ich verschiedenste Teilnehmer aus dem Bereich Projektmanagement zu einem Roundtable zusammengebracht. Den vollständigen Bericht gibt es im Protokoll zum vierten Roundtable. Im Folgenden finden sich die Teilnehmer des Roundtable. Die Studie findet sich auch unter Lindner et al. (2017) in der HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik und ist im Zuge meiner Doktorarbeit entstanden. Die Ergebnisse dienen jedoch gut dazu den Projektleiter2030 zu konkretisieren.

Teilnehmer dieses Roundtables:

UnternehmenPositionArtAnzahl MA
LogistikdienstleisterTeamleiter PMOKonzern30.000
FinanceTeamleiter PMOKonzern188.000
IT-DienstleisterConsultant PMOMittelstand100
HandelsunternehmenProjektleiterMittelstand500
HandelsunternehmenProjektleiterMittelstand500
LogistikdienstleisterPortfoliomanagerKonzern65.000
TextilbrancheTeamleiter PMOKonzern14.000

 

Gemeinsam mit diesem Experten aus dem Bereich PMO (Projektmanagementoffice), Consultant für Projektmanagement und Projektleiter haben wir uns über die tägliche Arbeit unterhalten und festgestellt, dass der digitale Wandel bereits heute schon die Arbeit der anwesenden Experten aus dem Projektmanagement beeinflusst. In der Studie von Lindner et al. (2017) finden sich folgende Beispiele:

  • Ein in Indien sitzendes Entwicklungsteam, mit welchem die Kommunikation nur über Jira (https://de.atlassian.com/software/jira) und E-Mail sowie Skype abläuft
  • Verteiltes Team an verschiedenen Standorten, welches zwei Regeltermine für ein Treffen im Monat hat und über Websessions virtuell zusammenarbeitet
  • Treffen finden häufig mit Hilfe mobiler Technologien an einem neutralen Ort, wie einem Café zwischen den Standorten statt
  • Möglichkeit die besten Fachleute weltweit zu konsultieren
  • Standorte in ländlichen Bereichen können auf Fachkräfte des Hauptstandorts zugreifen
  • Mitarbeiter können nach Standortauflösung gehalten werden (4 Tage Homeoffice – 1 Tag am Hauptstandort)
  • Massive Anzahl E-Mails, Benachrichtigungen und weiterer toolinterner Nachrichten oft zur gleichen Zeit
  • Oft läuft Kommunikation auf mehr als einen Kanal gleichzeitig (Benachrichtigung über Skype, dass eine E-Mail gesendet worden ist)

Fazit #Projektleiter2030

Was lässt sich nun daraus für den Projektleiter der Zukunft ableiten? Es bahnt sich an, dass der Projektleiter die Steuerung von Projekten mittels Tools übernimmt. Die gesamte Kommunikation läuft über verschiedenste Kanäle (analog sowie digital) beim Projektleiter zusammen. Dies sind neben den massiven Mails und Benachrichtigen auch Anrufe und persönliche Gespräche. Weiterhin scheint die Arbeit verteilter zu werden. Während Fachleute weltweit mit dem Projektleiter kommunizieren und dieser Arbeit über Tools wie Jira oder ähnliches verteilt, muss er sicherlich ebenfalls vor Ort Stakeholder und Projektmitarbeiter treffen.

Nach den Ergebnissen des Roundtable kann also die Frage des Projektmagazins: “Wird der Projektleiter durch die wachsende Komplexität zur Schaltzentrale, die zunehmend verteilte und interdisziplinäre Teams, häufig auch aus unterschiedlichen Organisationen, als Generalist vernetzt?” zumindest teilweise mit Argumenten belegt werden. Der Projektleiter wird in einer Mischung aus analogen und digitalen Medien mit verteilen Teams agieren und diese über Tools via Jira oder ähnliches steuern. Bei ihm wird Kommunikation aller Art zusammenlaufen und er muss im virtuellen als auch im analogen Raum gleichzeitig präsent sein. Man könnte fast vermuten, dass er eine Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt ist.

Lesetipp: Der digitale Arbeitsplatz

Vielen Dank an das Projektmagazin! Ich habe mit diesem Artikel den ersten Preis der Blogparade gewonnen und darf mich über ein exklusives Ticket für die PM Welt 2018 freuen!

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Verwendete Quellen anzeigen

Lindner, D., Ott, M., & Leyh, C. (2017). Der digitale Arbeitsplatz – KMU zwischen Tradition und Wandel. HMD – Praxis Der Wirtschaftsinformatik, (6), 1–17.

Bildquelle: Designed by Freepik von JComp

 

Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

2 Kommentare

  1. Hallo Dominic,

    Wow! Vielen Dank für diesen Artikel!

    Das trifft genau die Trends, die wir auch beobachten konnten (wir haben über 100 Unternehmen zu ihren Herausforderungen im Bereich Projektplanung befragt).

    Dabei kam heraus, dass in der Planung sehr manuell über Telefonate, Mails und Excel-Listen gearbeitet wird und Skill-Datenbanken oft nicht gepflegt oder schlecht durchsuchbar sind. Gerade bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern verliert auch der beste Projektleiter den Überblick. Dadurch werden viele versteckte Potentiale im Unternehmen nicht genutzt.

    Wir sind ein junges Startup aus Berlin und bauen die Software Project Pad. Diese hilft Projkektleitern unternehmensübergreifend die Projektplanung zu beschleunigen, indem Sie ein einheitliches Bild über Mitarbeiter und Freelancer liefert und Staffing-Vorschläge generiert. Dabei werden Skills, Verfügbarkeiten und Interessen berücksichtigt. Mitarbeiter können sich auf anstehende Projekte, die auf ihr Kompetenzprofil passen, bewerben. Unser Ziel ist es damit nicht nur die Produktivität sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern.

    Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen!

    Viel Erfolg noch mit dem Forschungsprojekt.

    Richard Schentke

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