Dr. Andreas Zeuch (*1968) begleitet als Berater, Trainer und Redner Unternehmen auf dem Weg zu mehr Mitbestimmung und Unternehmensdemokratie. 2015 veröffentlichte er sein fünftes Buch „Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten“. Er bloggt hierzu immer wieder neue Inhalte auf seiner Homepage zum Thema Unternehmensdemokratie. In diesem Zuge habe ich mich mit ihm über vier Themen unterhalten, die in meiner aktuellen Forschung eine große Rolle spielen.

ANDREAS ZEUCH ÜBER:

… DIE AKTUELLE SITUATION IN DEUTSCHEN UNTERNEHMEN

Zeuch bemängelt aktuell, dass die Mehrheit von Unternehmen in Deutschland oft noch zu „verhaftet“ in alten Modellen von Führung, Kultur und Arbeit sind. Außerdem nimmt er oft Zögerlichkeit im Ausprobieren von neuen Modellen wahr. Als Grund nennt er, dass viele dieser Modelle aus Sicht der Geschäftsführer und Vorstände noch nicht erprobt sind und keine Langzeitstudien vorliegen. Aus diesem Grund hat er in seinem Buch Alle Macht für Niemand erste Beispiele dargelegt, dass alternative Modelle funktionieren können und Unternehmen, die sich demokratisch organisieren, wirtschaftlich sehr erfolgreich sein können. Es ist zwar keine Garantie, aber definitiv eine Alternative zu klassischer Organisation. Schließlich scheitern auch top-down geführte Unternehmen – sogar öfter als demokratische geführte, einfach weil die meisten Firmen herkömmliche Führungsmodelle aufweisen.

… DEN HYPE UM AGILE UNTERNEHMEN

Oft hört man den Satz „Nur agile Unternehmen sind zukunftsfähig“. Hier widerspricht Zeuch stark und sieht eine Verallgemeinerung fehl am Platz. Als Beispiel nennt er u. a. „stabile Märkte“ wie den örtlichen Nahverkehr. Ein stabiles Umfeld und wenig bis gar keine Konkurrenz verlangen weniger Agilität. In hoch kreativen Bereichen werden agile Unternehmen dennoch einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben. Zeuch fügt jedoch auch hinzu, dass selbst Konzerne, die sich in der einer Krise befinden, oft noch jahrelang weiter Geschäft generieren und aktuelle Trends ignorieren können. Klar ist jedoch: „Es kann nicht ewig so weitergehen.“

… DIE DIGITALE TRANSFORMATION

Insgesamt ist die digitale Transformation für Zeuch ein „Buzzword und Hype“. Jedoch sieht er diesen Hype als wichtig an, bemängelt aber den Umgang mit ihm. Auf vielen Konferenzen und Think Tanks bemerkt er, dass viele Manager diese Transformation nur von rein technischer Seite betrachten. Deswegen fordert Zeuch eine Konzentration auf die „soziotechnische“ und kulturelle Ebene. Die neue Generation wächst mit digitaler Technologie auf und lernt somit eine neue Art der Kommunikation und des Umgangs mit Technologie. Dies wird zu tiefgreifenden sozialen und kulturellen Änderungen in der Gesellschaft führen. Es liegt an uns, diese nun zu verstehen und darauf zu reagieren, so Zeuch.

… DIE „NEUE ARBEIT“

Es gibt viele Begriffe für die „Neue Arbeit“, wie Arbeit 4.0, NewWork, FutureWork usw., so Zeuch. Jedoch sind nicht alle Inhalte neu. Es trifft sogar das Gegenteil zu. Doch oft waren die Konzepte und Methoden zur Zeit ihrer ersten Veröffentlichung noch nicht ausgereift oder noch nicht umsetzbar.

Die Idee hinter der neuen Arbeit ist laut Zeuch einfach: „Jeder, der will, darf mitgestalten, keiner muss, und alle tragen die Konsequenzen.“ Das ist jedoch nicht so einfach zu pauschalisieren. Es scheint also, über meine subjektiven Eindrücke hinaus, eine Entwicklung in Richtung „Neue Arbeit“ zu geben. Der Wunsch nach mehr Partizipation, Mit- und Selbstbestimmung ist dabei keineswegs den angeblich so selbstbestimmungsfreudigen jüngeren Generationen zuzuschreiben, sondern zeigt sich generationenübergreifend, so Zeuch und verweist auf die Studie „Der Ruf nach Freiheit: Innovationsförderliche Arbeitswelten aus Sicht der Arbeitenden“ von Hays, der ZukunftsAllianz Arbeit & Gesellschaft e.  V. (ZAAG) und der Gesellschaft für Wissensmanagement e.  V. (GfWM). Seine Eindrücke werden gestützt von einer Studie von IBM, die besagt, dass für die Generation Y finanzielle Sicherheit und Arbeitsplatzsicherheit die maßgeblichen Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers sind.

Zeuch nimmt wahr, dass ein Beruf zunehmend mehr als nur „die Ausübung einer Arbeit“ ist. Die Wahlfreiheit im Beruf war nie größer, so Zeuch. Jeder kann sich heute seinen Beruf selbst aussuchen. Sogar psychologische Barrieren wie „Mein Vater war Arzt, und ich werde nun auch Arzt“ werden zunehmend abgebaut und jeder ist prinzipiell in der Lage, jeden Beruf zu erlernen – abgesehen von den üblichen Bildungshürden.

FAZIT

Insgesamt zeigt der der Dialog, dass sich gewisse hoch kreative Bereiche in einem Umbruch befinden. Jedoch sind Agilität und „Neue Arbeit“ keine Garantie für Erfolg, aber eine ernst zu nehmende Alternative. Im Laufe der Forschung wird also weiterhin der sinnvolle Einsatz von agilen Methoden in Unternehmen untersucht.

WIE SEHEN SIE DAS?

Wenn Sie mehr über die „Neue Arbeit“ erfahren möchten, können Sie gern an den Roundtables teilnehmen und relevante Themen mit mir und anderen Experten diskutieren. Oder schreiben Sie in die Kommentare, wie Sie mit diesem Trend umgehen. Lesen Sie auch meinen Artikel zur digitalen Arbeit oder den Blog von Andreas Zeuch! Schau Sie auch mal in die Bücher der agilen Experten.

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Autor

Externer Doktorand an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für IT-Management. Ich untersuche wie sinnvoll skalierte Agilität im Zuge des digitalen Wandels zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beitragen kann. Neben der Promotion arbeite ich Vollzeit in einem Unternehmen.

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